So war´s: Werbung für ein starkes Europa

Neudrossenfeld (12.06.2019) - Vertreter aus Wirtschaft und Politik machen bei den Neudrossenfelder Europatagen klar, dass sie zur Gemeinschaft stehen. Mit einem flammenden Plädoyer warben Persönlichkeiten aus Industrie, der Politik und Wissenschaft in oberfränkischen Neudrossenfeld ein starkes Europa.

Im Blickpunkt standen die engen wirtschaftlichen Beziehungen von Oberfranken zum Nachbarland Tschechien und da insbesondere zu den Regionen Eger und Karlsbad über die Bezirkswirtschaftskammer Karlsbad. Aus tschechischer Perspektive beleuchtete Generalkonsulin Kristina Larischová das Projekt Europa, nannte den Beitritt vor 15 Jahren eine gute Entscheidung, aus der eine Erfolgsstory geworden sei. "Mein Land ist stark exportorientiert, 80 Prozent unseres Bruttoinlandprodukts (BIP) kommen aus diesen Verbindungen, das BIP hat sich seit der Mitgliedschaft verfünffacht", sagte die Generalkonsulin der tschechischen Republik in München. Es sei daher wichtig, den Bürgern diese positiven Eigenschaften der EU als wichtigster Referenzrahmen für die Nationale- und Außenpolitik zu vermitteln. Es gelte aber auch, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, die Unterschiede in den einzelnen Ländern müssten gemindert werden.

Gute Kontakte zwischen Wirtschaftskammer Karlsbad IHK für Oberfranken Bayreuth

Radek Pašava von der Wirtschaftskammer Karlsbad bewertete die Kontakte zwischen seiner Institution und der IHK Bayreuth als stets freundschaftlichen Austausch mit gemeinsamen Veranstaltungen mit Unternehmen aus beiden Ländern, die sich gegenseitig helfen bei Zollangelegenheiten und in der Ausbildung. Mit der Unterzeichnung eines Arbeitsplanes 2019 während des Wirtschaftstages wurde das noch bekräftigt. Spannende Momente dann in zwei Diskussionsrunden über "Die EU und Globalisierung" und zum "EU-Binnenmarkt", die maßgeblich vom EEN-Team der IHK für Oberfranklen Bayreuth organisiert wurde  . Unter der Moderation von Anja-Maria Meister wurden schon mal kritische Töne über die Regulierungswut und die Bürokratie laut, aber zum Weg eines bleibenden gemeinsamen Europas kamen keine Zweifel auf. Bernd Aßmann, Vorsitzender des IHK-Außenhandelsausschusses, forderte auf, mehr zu kommunizieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. "Die EU bietet dazu die Chancen." Trotz mancher außenpolitischen Schwierigkeiten auf dem alten Kontinent dürften die wirtschaftlichen Kontakte zu diesen Handelspartnern nicht abreißen. Und sowohl Klaus Kühnel von der Rehau AG als auch Professor Bernhard Herz von der Uni Bayreuth beschäftigten sich mit Zollschranken und Strafzöllen in der Überzeugung: Es gibt da nur Verlierer, einen Handelskrieg kann man letztendlich nicht gewinnen. Auf die Probleme und Vorteile eines gemeinsamen Europas ging ein Insider ein: Paul Joachim Kubosch, langjähriger Leiter der EU-Vertretung in München.. "Die Mitgliedstaaten sind keine Engel, sorgen aber für Zivilisation und Friedenssicherung. Staaten wie Deutschland und Österreich neigen zur Perfektion und Reglementierung, was dann in Kompromisse endet, die für die Bürger manchmal unverständlich sind. In der Öffentlichkeit wird nur das registriert, was nicht funktioniert". Europa zu erklären sei auch eine nationale Aufgabe.

Und IHK-Vizepräsident Michael Möschel stellte heraus, dass Deutschland ohne die EU nicht diesen Aufschwung genommen hätte, kritisierte jedoch die Flut an Bürokratie für den Mittelstand. Er nannte als Beispiel Kraftfahrer, die durch Europa fahren und wegen des individuell geltenden Mindestlohnes bürokratische Hürden überwinden müssten. Ein Thema war der Mangel an Fachkräften. Möschel dazu: "Es gibt bis heute keine Willkommenskultur für Migranten auf dem Arbeitsmarkt". Und Dr. Thomas Zwiefelhofer, tschechischer Honorarkonsul in Liechtenstein und dort ehemals Regierungsmitglied, wies noch auf die Fluktuation im Fürstenstaat hin. "Zu uns pendeln mehr Leute als Liechtenstein Einwohner hat". Man müsse da auch in der EU flexibel sein. Stephan Helmprobst, Leiter der EU-Beratung der TÜV Rheinland Consulting GmbH, Mitglied des Bayerischen EEN-Konsortiums, erläuterte die Bedeutung, die einheitliche Normen und Standards für den EU-Binnenmarkt haben und  wie Unternehmen an der Erarbeitung mitarbeiten können.

Bayern-Tschechien

Als Gast aus Selb informierte Jana Kutilková  Beraterin der EURES-T-Partnerschaft Bayern-Tschechien, über die Möglichkeiten, die das Europäische Mobilitätsportal bietet, um Arbeitskräfte EU-weit zu rekrutieren. - Auf die Frage an das Auditorium "Was bedeutet Europa für Sie?", brachte es ein Busunternehmer auf den Punkt: "Tausende Kilometer quer durch den Kontinent fahren ohne lästige Kontrollen an den Grenzen, ist das nicht wunderbar?" Er fügte an, wenn am Nebentisch über Europa gelästert werde, sollte man an diese Freiheit, die es lange nicht gegeben habe, erinnern. Die Wirtschaftsjunioren aus den Kreisen Kulmbach und Bayreuth machten sich in mehreren Beiträgen für Europa stark. IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner verdeutlichte, dass man allen Grund zu feiern habe: 25 Jahre EU-Binnenmarkt, 15 Jahre EU-Osterweiterung, fünf Jahre Kooperationsvereinbarung mit den tschechischen Grenzregionen und die zehnten Neudrossenfelder Europatage. Der IHK-Wirtschaftstag sei eine Plattform für ein klares Bekenntnis zur Wirtschafts-und Währungsreform und für den EU-Binnenmarkt. Der mit seinem Programm mittelständische Unternehmen neue Marktchancen eröffnet habe. Die Zahlen der bayerischen Wirtschaft sprächen Bände: Im Jahr 2017 gingen 56,2 Prozent der bayerischen Wirtschaft in andere EU-Mitgliedsländer. Es sei daher zwangsläufig, den EU-Binnenmarkt weiter zu vertiefen und gleichzeitig den Bürokratieabbau spürbar zu senken..
Autor: Horst Wunner für die IHK Oberfranken Bayreuth