Protektionismus auf dem Vormarsch

Brüssel (14.08.2017) - Die EU-Kommission verzeichnet in ihrem Bericht einen Anstieg um rund zehn Prozent im vergangenen Jahr auf derzeit insgesamt 372 Handels- und Investitionshemmnisse.

Am 23.06.2017 hat die Europäische Kommission ihren diesjährigen Bericht über Handels- und Investitionshindernisse veröffentlicht, der sich auf konkrete Beschwerden von europäischen Unternehmen stützt. Der Bericht wird seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 einmal im Jahr veröffentlicht.

Milliardeneinbußen drohen

Die EU-Kommission verzeichnet dort einen Anstieg um rund zehn Prozent im vergangenen Jahr auf derzeit insgesamt 372 Handels- und Investitionshemmnisse. Diese könnten für EU-Unternehmen Milliardeneinbußen verursachen. Unter den Ländern mit den meisten bestehenden Handelshemmnissen befinden sich durchweg G20-Länder: Russland rangiert auf Platz eins mit 33 Handelsbarrieren, gefolt von Brasilien, China und Indien. Russland, China und die Schweiz haben dabei die meisten der in 2016 gemeldeten neuen protektionistischen Maßnahmen eingeführt.  Die Untersuchung der EU-Kommission gibt auf der anderen Seite auch einen Überblick über die eingesetzten Maßnahmen im Rahmen ihrer Marktzugangsstrategie, um den aufkommenden Protektionismus einzudämmen. Die Beseitigung von bestehenden Handelshemmnissen wurde durch die effektive Zusammenarbeit zwischen der EU-Kommission, den EU-Mitgliedstaaten und Vertretern der Wirtschaft ermöglicht. 2016 wurden dabei 20 Handelshemmnisse beseitigt, mit positiven Auswirkungen auf EU-Exporte in Höhe von bis zu 4,2 Milliarden Euro.
 

Zollerhöhungen

Am 30.06.2017 veröffentlichte auch die World Trade Organization (WTO) ihren siebzehnten Monitoringbericht über die handelserschwerenden Maßnahmen der G20-Länder. In ihrem Bericht listete die WTO 42 neue restriktive Handelmaßnahmen auf, davon über die Hälfte Zollerhöhungen. Damit zeigt auch dieser Bericht eine leichte Zunahme restriktiver Handelsmaßnahmen im Vergleich zu den Vorjahren. Der WTO-Generladirektor Roberto Azevêdo ruft angesichts anhaltender wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten die G20-Länder dazu auf, sich weiter für eine Stärkung des regelbasierten multilateralen Handelssystems einzusetzen.

Quelle: Newsletter International IHK München