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Teil II: Geschäftsreisen


Geschäftsreisende können für Wirtschaftsspione ideale Opfer sein, gibt es hier doch zahlreiche Möglichkeiten, an hochsensible Daten zu kommen.

Achtung: Feind hört (vielleicht) mit

Immer wieder erstaunlich ist es, wie sorglos manche Firmenmitarbeiter mit sensiblen Daten im öffentlichen Raum umgehen - nicht nur auf Reisen ins Ausland, sondern auch auf dem täglichen Weg ins Büro. Da werden Laptops mit Konstruktionen, Kalkulationen und Tabellen einfach so vor den Augen der Mitfahrer bearbeitet oder am Handy über Zahlen, Namen oder Verträge geplaudert. Zur Vorsicht rät auch der Bayerische Verband für Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) bei in der Öffentlichkeit geführten Gesprächen: „Die durch Fremde mitgehörten Unterhaltungen im Hotelfoyer, Wartehallen, Flughäfen und Bahnhöfen dienen oftmals als Spionage-Ansatz oder werden direkt vom ‚Mithörer’ verwertet.“ Auch die mittlerweile immer öfter genutzten und vor allem in den Chefetagen sehr beliebten Kommunikationsgeräte „Blackberries“ werden als unsicher eingestuft. Die Server für die Dienste dieser Geräte befinden sich im Ausland (Großbritannien und Kanada) und sind deshalb nicht überprüfbar. Grundsätzlich raten die Experten des BayLfV davon ab, push-mail-Dienste für sensible Informationen zu nutzen.

Eine Nummer kleiner tut´s auch

Weitere Tipps der BayLfV-Experten lauten: Machen Sie wahrheitsgemäße Angaben bei der Einreise - etwa beim Visaantrag - und beachten Sie die einschlägigen Landesgesetze, um sich nicht angreifbar zu machen. Gefahren lauern auch im Taxi oder bei dem Dolmetscher, der einem freundlicherweise vom potenziellen ausländischen Geschäftspartner zur Seite gestellt wird. Auch im Hotel ist die Spionagegefahr groß. Vielen Geschäftsreisenden dürfte mittlerweile bekannt sein, dass erstklassige Vier- oder Fünf-Sterne Hotels in manchen Ländern über speziell„ausgerüstete“ Suiten verfügen, die den ausländischen Gästen extra gebucht werden: Da gibt es winzige Kameras oder Mini-Abhöranlagen im Lampen, Rauchmeldern oder im Fernseher. Lieber also eine Klasse kleiner reservieren oder zumindest im Zweifelsfalle keine das Geschäft betreffenden Gespräche im Hotelzimmer oder der Lobby führen. Hilfreich ist es auch, unter dem Namen des Reisenden, nicht aber unter Angabe des Firmennamens und der Funktion (Vorstandsmitglied, Geschäftsführer) zu buchen. Von selbst versteht sich auch, Datenträger, Verträge und andere Schriftstücke nicht im Hotelsafe aufbewahren zu lassen – das wäre für Spione dann doch zu einfach! Übrigens: Auch die gute alte Masche mit den Einladungen in Saunaclubs, „Animierbetriebe“ oder einem attraktiven Lockvogel wird immer noch gerne genutzt, um Geschäftsleute in kompromittierende Situationen zu bringen und damit erpressbar zu machen.

Nicht vergessen: Augen auf bei Messen!

Messen können für Diebe und Spione wahre Selbstbedienungsläden sein. Auch wenn Stände vom Sicherheitspersonal bewacht werden: Ungeschützte Momente, etwa beim Auf- oder Abbau eines Standes, gibt es immer. Jedes Unternehmen präsentiert sich auf Messen mittels Laptops und Bildschirmen. Wenn diese dann nicht abgeschlossen bzw. mit Ketten gesichert sind und sich dann auch noch unverschlüsselte Daten darauf befinden, freuen sich Daten- und Hardware-Diebe. Auch das Abfotografieren der Ausstellungsstücke ist eine beliebte -und meist viel zu leicht durchzuführende- Vorgehensweise. Ein allgemeines Fotoverbot im Messebereich (überwacht durch sog. „Foto-Sheriffs“) und geeigneter Diebstahlsschutz können hier hilfreich sein. Oder sie lassen die allerneueste Version Ihres Produktes sicherheitshalber unter Verschluss und stellen das Vorgängermodell aus. Übrigens: Auch Gastgeschenke oder an Messeständen ausgeteilte so genannte Give-Aways sind mit Vorsicht zu genießen: Edel verpackte und schön designte USB-Sticks etwa können Trojaner oder Ausspähungssoftware erhalten, die für den Beschenkten unsichtbar, aber dem Spion ein ideales Werkzeug sind. +++Karoline Rübsam