Fokus auf... Kroatien

Nürnberg (Juni/Juli 2013) - Am 16. Mai 2013 stimmte der Deutsche Bundestag klar für die Vollmitgliedschaft Kroatiens in der Europäischen Union. Am 1. Juli 2013 wird Kroatien damit zum 28. EU-Mitgliedsstaat.

Die Zustimmung der nationalen Staaten stellt die letzte Hürde dar, die ein Beitrittskandidat überwinden muss. Bereits am 09. Dezember 2009 stimmte das Europäische Parlament über den Beitritt Kroatiens ab. Doch neben viel Lob, gibt es auch kritische Stimmen.

So sprach sich beispielsweise Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gegenüber der „Welt“ ausdrücklich für die Aufnahme Kroatiens aus. Der Bundestagspräsident gab jedoch weiter unmissverständlich zu verstehen, dass seiner Auffassung nach, Kroatien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht alle Aufnahmevoraussetzungen erfüllt habe. Mit Aussagen wie diesen bestärken Personen des öffentlichen Lebens die bestehenden Zweifel vieler Bürgerinnen und Bürger. Gerade in Zeiten der anhaltenden Wirtschaftskrise stehen viele Deutsche der Europäischen Union und deren Ausdehnung kritisch gegenüber. Aus diesem Grund, wollen wir den Fokus auf das neueste Mitglied der Europäischen Union legen.

 
Republikgründung
Der Zerfall des ehemaligen Staatsgebietes Jugoslawiens und die anschließenden blutigen   Bürgerkriege belasten die Nachfolgestaaten noch heute. Deshalb erwies sich der Demokratisierungsprozess innerhalb dieser Staaten auch als immens schwer.
 
Am 25. Juni 1991 erklärte Kroatien seine Unabhängigkeit von Jugoslawien. Aus kroatischer Sicht waren zu diesem Zeitpunkt die Verhandlungen über die Bildung einer „Gemeinschaft unabhängiger Staaten“ endgültig gescheitert. Die Anerkennung der Souveränität Kroatiens durch die Bundesrepublik folgte am 23. Dezember 1991.
 
Das Verhältnis Kroatiens zu seinen Nachbarländern hat sich zwischenzeitlich weitestgehend stabilisiert. So unterhält Kroatien einen lebhaften wirtschaftlichen und politischen Austausch mit Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro. Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch in zahlreichen bilateralen Verträgen wider. Die politische Beziehung zu Slowenien gilt jedoch, aufgrund von Grenzstreitigkeiten, weiterhin als angespannt.
 
Kroatiens langer Weg zur EU-Vollmitgliedschaft
Bereits Mitte der 90er Jahre beschloss die kroatische Regierung gemeinsame Aktionen mit der Europäischen Gemeinschaft. Diese ersten Annährungen fanden aber in der breiten Öffentlichkeit kaum Beachtung. Leider konnten dadurch auch keine nennenswerten Erfolge verbucht werden, da im Zuge des Kosovo-Krieges die meisten gemeinsame Aktivitäten zum erliegen kamen.
 
Ein erster Grundstein für die erneute Annährung legte die Ratifizierung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens am 21. Juni 1999. Der Pakt umfasste neben Kroatien weitere vier südosteuropäische Staaten. Am 21. Februar 2003 stellte Kroatien den Antrag auf Aufnahme in der Europäischen Union und leitete dadurch offiziell die Beitrittsverhandlungen ein.
Voraussetzung für die Verhandlungen war unter anderem Kroatiens Bereitschaft zur Aufarbeitung der Kriegsverbrechen im Rahmen des Serbien-Krieges. Hierfür orderte die EU die Zusammenarbeit Kroatiens mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag an. Diese Auflage sollte den ursprünglichen Plan der kroatischen Regierung, zeitgleich mit Bulgarien und Rumänien im Jahr 2007 der EU beizutreten, scheitern lassen. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die Zweifel an der Kooperationsbereitschaft Kroatiens. Diese Bedenken wurden von den Niederlanden, Großbritannien und den skandinavischen EU-Ländern hervorgebracht.
 
Im Herbst 2005 schließlich wurden mit den Beitrittsverhandlungen begonnen. Mit Zustimmung des Europäischen Parlamentes am 30. Juni 2011 endete der Aufnahmeprozess formell. Dies gilt jedoch nicht für die Reformprozesse, denen sich Kroatien seit Beginn der Verhandlungen unterzogen hat. Dabei spielte und spielt die Bundesrepublik eine gewichtige Rolle. In sogenannten Verwaltungspartnerschaften unterstützt Deutschland die Modernisierungsbestrebungen des kroatischen Justiz- und Verwaltungswesens.
 
Übergangsregelungen
Grundsätzlich kann die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus Beitrittsländern bis zu sieben Jahre, nach deren Beitritt eingeschränkt werden. Von dieser Regelung macht die Bundesrepublik auch im Fall von Kroatien Gebrauch. Folglich müssen Kroaten, die in Deutschland arbeiten möchten auch in den nächsten zwei Jahren eine Arbeitsgenehmigung beantragen. Saisonarbeiter, Akademiker und Auszubildende, die im Rahmen einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung nach Deutschland kommen, sind von dieser Übergangsregelung ausgenommen. Neben der Arbeitnehmerfreizügigkeit ist auch die Dienstleistungsfreiheit für das Bau- und Gebäudereinigungsgewerbe sowie für Innendekorateure für die nächsten zwei Jahre eingeschränkt.
 
Die kroatische Wirtschaft
Wenn gleich die Europäische Kommission Kroatien auch Beitrittsreife bescheinigt hat, bleibt die Wirtschaft Kroatiens Schwachpunkt. Das Land leidet an einem kräftigen Handelsdefizit. Dabei ist die Bundesrepublik, nach Italien, der zweit wichtigste Handelspartner.
Insgesamt kamen 2011 ca. 65 % der Einfuhren aus dem EU-Raum. Neben dem EU-Binnenmarkt sind die Mitgliedstaaten des Mitteleuropäischen Freihandelsabkommens (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Kosovo, Mazedonien, Republik Moldau und Serbien) wichtige Handelspartner.
Der Dienstleistungssektor, hier vor allem die Tourismusbranche, gilt als Zugpferd der kroatischen Wirtschaft. Im Jahr 2011 beliefen sich die Einnahmen im Tourismusbereich auf rund 6,6 Mrd. EUR. Dies machte etwa ein Fünftel der Wertschöpfungskette des Landes aus.
Die kroatische Regierung hofft durch den EU-Beitritt auf weitere Impulswirkungen die das Land voranzutreiben sollen. Ein Ziel ist es, Kroatien attraktiver für ausländische Investoren zu machen. Dieser Hoffnung stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch die Ergebnisse des „World Economic Forums“ entgegen. In Ihrem Bericht über die globale Wettbewerbsfähigkeit ermitteln die Autoren jährlich u.a. Hindernisse, die Investitionsentscheidungen in Standorten weltweit entgegenstehen. In Ihrem aktuellsten Bericht (Zeitraum 2011-2012) seien dies im Fall von Kroatien vor allem eine inneffiziente Bürokratie und Korruption.
Zwar beabsichtigt Kroatiens Ministerpräsident Zoran Milanovic nach dem Beitritt seines Landes zur EU auch rasch den Euro einführen, derzeitig ist heißt die offizielle Währung aber noch Kuna.
Wechselkurs Euro –Kuna mit Stand vom 13. Juli 2013: 1 EUR = 7,47 Kuna (kaufmännisch gerundet).
(Quelle: finanzen.net)
 
Langjährige Partnerschaft der Handwirtschaftkammer für München und Oberbayern
Während auf Bundes- bzw. EU-Ebene partnerschaftliche Zusammenarbeiten erst (wieder) Ende der 90er Jahre gefördert wurden, unterhält die Handwerkskammer für München und Oberbayern seit 1995 eine enge Partnerschaft mit der Handwerkskammer
Kroatiens. Diese Zusammenarbeit wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, den Aufbau einer Handwerksorganisation vor Ort zu fördern. Weiter soll durch diese Kooperation langfristig eine Handwerksordnung nach deutschem Vorbild entstehen.
Organisatorisch ist die Kroatische Handwerkskammer den deutschen Kammern sehr ähnlich. So repräsentiert die Kammer das nationale Handwerk nach außen. Weiter gehören die Förderung von internationalen Kooperationen zwischen Handwerksbetrieben und die Förderung des Handwerks auf nationaler Ebene zum Aufgabenspektrum der Handwerkskammer.
 
Aktuelle Projekte

 

Förderprojekt Markterschließung Serbien/Kroatien: Hotelinfrastruktur

Die Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer veranstaltet eine Geschäftsanbahnungsreise für deutsche Handwerks- und Industriebetriebe aus dem Bereich Gebäudeeffizienz (Heizungs- und Klimatechnik, Bautechnik, Gebäudetechnik usw.).

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Exportinitiative Energieeffizienz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom 2. – 5. Dezember 2013 statt.

 Am 03. Dezember 2013 können sich die teilnehmenden Unternehmen einem Fachpublikum vorstellen. Der Folgetag kann dann für persönliche Gespräche mit potenziellen kroatischen Auftraggebern genutzt werden.

Ansprechpartnerin:Frau Klaudia Oršanić-Furlan.

Kontakt: klaudia.orsanic-furlan@ahk.hr, Telefon: +385 1 6311 600.

 
Adressen:
Kroatische Handwerkskammer
Hrvatska obrtnička komora
Ilica 49/II, p.p.166
10 000 Zagreb, Kroatien
Telefon: +385 1 48 06 666
Fax: +385 1 48 46 610
Internet: hok.hr
E-Mail: hok@hok.hr
 
Deutsch-Kroatische Industrie und Handelskammer
Njemačko-hrvatska industrijska i trgovinska komora
Zamenhoffova 2
10 000 Zagreb, Kroatien
Telefon: +385 1 6311 600
Fax: +385 1 6311 630
E-Mail: info@ahk.hr
 
Botschaft der Bundesrepublik in Zagreb
Ulica grada Vukovara 64
10 000 Zagreb, Kroatien
Telefon: +385 1 6300 100
Fax: +385 1 6155 536
 
Botschaft der Republik Kroatien in Berlin
Ahornstraße 4
10787 Berlin
Telefon: 030 2191 5514
Fax: 030 2362 8965
 
Generalkonsulat der Republik Kroatien in Bayern
Oberföhringer Straße 6
81679 München
Telefon: +49 89 90 90 165 0
Fax: +49 89 2 60 87 51