Bayerische Straßenleuchten in der Wüstenstadt Kuwait

München (April) - Hans Lohmair ist Handwerksmeister und Geschäftsführer der Bergmeister Leuchten GmbH. Die handwerklich gefertigten Bronzeleuchten aus seiner Manufaktur beleuchten in vielen Ländern der Welt Straßen und Plätze. Bayern Handwerk International wollte wissen, wie es dem Handwerksmeister gelungen ist, seine Produkte international zu etablieren.

Bayerische Straßenleuchten in der Wüstenstadt Kuwait
Bergmeister Leuchten

BHI: Herr Lohmair, wo überall stehen Ihre Leuchten?

Lohmair: … in fast allen europäischen Ländern und in den Arabischen Emiraten, zum Beispiel in an der Strandpromenade in Kuwait …
 
BHI: Bayerische Leuchten in den Arabischen Emiraten?
Lohmair: Gerade dort schätzt man die hochwertige handwerkliche Ausführung.
 
BHI: Wie kam es dazu?
Lohmair: Vor 18 Jahren kam nach einem Vortrag zum Thema „Europäische Ausbildung“ der damalige Chefdesigner von Siemens auf uns zu und hat uns gebeten, für Siemens eine Leuchtenserie zu entwickeln. Daraus ist ein sehr enger Kontakt mit Siemens und der Nachfolgerfirma Siteco entstanden. Im Auftrag von Siteco haben wir schließlich viele Sonderlösungen umgesetzt, die heute in skandinavischen, süd- und osteuropäischen Ländern und halt auch in den Arabischen Emiraten stehen. Wir pflegen aber auch schon lange eigenständige Kontakte nach Italien und in die Schweiz. In Frankreich haben wir sogar seit 15 Jahren einen freien Mitarbeiter, den ich vor 15 Jahren durch unsere Messepräsenz auf der Light and Building kennengelernt habe. Er betreut in unserem Auftrag die Länder Burgund, Elsass und Lothringen.
 
BHI: Klingt recht reibungslos. Gab es dabei auch Rückschläge?
Lohmair: Natürlich. Wir waren zum Beispiel auf Messen in Zagreb und auch in China. Das war ein großer finanzieller Aufwand und gebracht hat’s nichts. Später haben wir gemerkt: Es waren die falschen Messen, wir hatten dafür einfach nicht das richtige Produkt. Den größten Rückschlag erlebte ich aber mit einer chinesischen Delegation, die in unserem Unternehmen mit einem großen Aufwand empfangen wurde. Und nun komme ich wieder auf unsere Leuchten in den Arabischen Emiraten zu sprechen: Dort haben die Leute aus der chinesischen Delegation unsere Produkte studiert und uns dann, mithilfe unseres Wissens, die Folgeaufträge, die übrigens schon in trockenen Tüchern waren, vor der Nase weggeschnappt. Die Charakterschwäche der Großen ist die größte Gefahr, die uns „Kleine“ bedrohen kann.
 
BHI: Trotzdem ist der Auslandmarkt für Sie interessant?
Lohmair: Freilich, wir dürfen nicht stehenbleiben.
 
BHI: Was raten Sie denn dem Handwerksunternehmer, der sich den Auslandsmarkt erschließen möchte?
Lohmair: Man muss sich fragen: Ist das Produkt im Zielland überhaupt „vertreibbar“? Trifft es den Geschmack der jeweiligen Länder? Und findet man vor Ort den richtigen Partner, der es vertreiben kann? Das sind die drei wichtigsten Punkte.
 
BHI: Und Sie waren sich sicher, dass Ihre handgefertigte Leuchten den Geschmack im Ausland trafen?
Lohmair: Unsere Leuchten und ihre hochwertige Verarbeitung trafen auf alle Fälle den Geschmack der Südtiroler. Das war uns vorher schon klar. Sehr schwierig war für uns allerdings, dass die europäischen technischen Normen für Beleuchtung in den Ländern unterschiedlich umgesetzt wurden. Da kam uns aber der Kontakt mit Siteco sehr entgegen.
 
BHI: Und die kulturellen Vorlieben in anderen Regionen?
Lohmair: Reden wir lieber von den Zahlungsgewohnheiten in anderen Regionen. Äußerst schwieriges Thema. Das muss man vorher kalkulieren und die Wartezeit auch vorfinanzieren. Bei deutschen Kommunen ist man es gewohnt, spätestens in 30 Tagen das Geld zu haben. In Frankreich muss man mit 90 bis 120 Tagen rechnen.
 
BHI: Ihr Tipp?
Lohmair: Das muss man vorher einfach wissen.Eine Sicherheit bietet eine Bankbürgschaft, die kostet aber Geld und ist auch nicht immer einfach zu bekommen.
 
BHI: Und Sie haben immer Ihr Geld bekommen?
Lohmair: Ich war schon mal bei einem Kunden in Metz im Büro gestanden, hab auf den Tisch gehauen und gesagt: „So, ich hab jetzt die Leuchten abmontiert und in meinen Lastwagen geladen. Wenn ihr jetzt nicht zahlt, fahr ich damit heim.“ So etwas hat der Kunde sicher noch nicht erlebt. Freilich, ich hätte das gar nicht machen dürfen, aber ich bin schließlich mit dem Scheck aus dem Haus rausgegangen.
 
BHI: Der Schmied kommt ins Büro und haut auf den Tisch. So stellt man sich das vor.
Lohmair: Das Schmiedhandwerk kann man nur ausüben, wenn man Entschlusskraft und Mut hat. Man kann das Eisen nur schmieden, solange es warm ist, und man kann nachträglich nichts weghobeln oder anleimen. Ein Fehler, und man kann das Trumm wegwerfen. Die großen Anforderungen des Schmiedehandwerks formen einen Menschen.
 
BHI: Ein archaischer Beruf in einer blankpolierten, modernen Zeit. Ist denn heutzutage das Schmiedehandwerk überhaupt noch gefragt?
Lohmair: Es ist immer eine Frage des Zeitgeistes, der Wertschätzung und auch des Geldes, ob Handwerk gerade gefragt ist. In einer technischen Zeit wie der jetzigen ist es sicher schwierig. Die Leute kaufen lieber eine BMW-Felge für 800 Euro und keine handgeschmiedete Hausleuchte für 500 Euro.
 
BHI: Und trotzdem sind Bergmeister-Leuchten gefragt?
Lohmair: Ich kann die Leute von meiner Arbeit begeistern und sie zum Nachdenken bringen. Und ich kann sie davon überzeugen, dass Handwerksprodukte langlebiger und auch individueller sind. Ich beherrsche mein Handwerk, und ich steh’ mit Stolz hinter meiner Arbeit. Und das spüren die Leute.
 
Das Interview führte Maria Weininger (Bayern Handwerk International)