Erfolgreiche Internationalisierung im Handwerk - Baierl & Demmelhuber

Töging. - Die Firma Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH aus Töging (Landkreis Altötting) setzt auch global auf die bayerische Qualität und Mentalität.

Von Claudia Schur, Alt-Neuöttinger Anzeiger

„Wir sehen Europa als Chance und nicht als Risiko“ − mit diesem Motto hat Johannes Demmelhuber zusammen mit seinem Bruder Christian das Familienunternehmen Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH erfolgreich auf dem internationalen Markt platziert. Der 38-jährige Töginger leitet immer noch den „Handwerksbetrieb um die Ecke“. Trotzdem zählen zu seinen Auftraggebern heute auch Modehäuser der Spitzenklasse wie Louis Vouitton oder Esprit. Seine Mitarbeiter schickt Demmelhuber nach Kopenhagen, London, Paris oder Prag.

Chancen auf dem internationalen Markt nutzen − das Konzept der beiden Brüder, die seit 1998 das Familienunternehmen leiten, funktioniert. Deswegen hat eine Expertenjury im Rahmen des itb-Marktplatzes „Aus der Praxis für die Praxis − Herausforderungen durch Innovationen meistern“ den Betrieb dieses Jahr als beispielgebend für die Internationalisierung handwerklicher Dienstleistungen ausgezeichnet.

Neue Möglichkeiten wahrnehmen − das war schon die Philosophie des Vaters Hans Demmelhuber. Zusammen mit Josef Baierl gründete der Schreiner 1964 das damals kleine Zwei-Mann-Unternehmen. Und obwohl der heute 67-Jährige den Betrieb immer mit Herz führte, klebte er nicht auf seinem Chefsessel.Die Nachfolge für den Betrieb regelte er relativ früh. Der Vorteil: Er konnte die Übergangsphase noch aktiv mitgestalten. „Unseren Erfolg haben wir sicher auch der Weitsicht unseres Vaters zu verdanken“, ist sich Johannes Demmelhuber sicher.

Bis Mitte der 80er Jahre wuchs die ostbayerische Innenausbau GmbH beständig auf hundert Mitarbeiter heran. „Im Umkreis von 150 Kilometern waren wir vertreten. Mit 15 weiteren Betrieben herrschte zu dieser Zeit kaum Konkurrenz und die Kundenakquise war praktisch kein Thema“, beschreibt Johannes Demmelhuber die damaligen Bedingungen.

Ganz plötzlich sah sich der 38-Jährige dannmit dem„harten und undifferenzierten Wettbewerb“ des internationalen Marktes konfrontiert.Im Zuge der europäischen Erweiterung rängten erst portugiesische Firmen auf den Markt, dann folgten britische und irische Unternehmen. Die große Zäsur erlebte der studierte Bauingenieur und Betriebswirt mit dem Mauerfall. Er erinnert sich: „Auf diesem neuen Markt konnten wir nicht mehr mithalten. Der Margendruck war enorm.“

Die Töginger Familie nutzte den Umbruch jedoch als Chance. Zusammenmit ihrem Vater positionierten die Brüder den Betrieb auf dem internationalen Markt völlig neu. Dabei konzentrierten sich die drei auf ihre Kernkompetenzen.

„Die bayerische Mentalität ist auf dem internationalen Markt sehr gefragt“, weiß Johannes Demmelhuber aus heutiger Erfahrung. Trotz dem enormen Preisdruck könne man deshalb in einem internationalen Markt bestehen. Vor allem in der Qualität, der bayerischen Handschlag-Mentalität und in der Pünktlichkeit sieht er seine Wettbewerbsvorteile.

Konsequent und über Jahre hinweg stellte er seinen Betrieb um. „In dieser Phase war es wichtig, dass wir genau wussten, in welche Richtung wir wollten“, erinnert sich Johannes Demmelhuber. Auch heute laufen deshalb die Entscheidungen immer noch zentral über die beiden Brüder im bayerischen Töging − auch für die Geschäfte in Europa und Israel.

Die Demmelhubers bauten aus. Wichtiger Bestandteil des Geschäfts ist heute das Logistikzentrum, von dem aus der Materialfluss zentral und effektiv gesteuert werden kann. Dazu kommen Niederlassungen in Sachsen und der Tschechischen Republik.

„Mit Abstand das Wichtigste für unseren Erfolg sind aber unsere Mitarbeiter“, betont Johannes Demmelhuber. „Auf dem internationalen Markt bestehen sie nur, wenn sie Know-how und Flexibilität der Spitzenklasse bieten.“ Mittelmäßigkeit lässt der Geschäftsleiter deshalb nicht durchgehen.

Seinen Angestellten fordert er einiges ab: Bei neuen Mitarbeitern achtet Demmelhuber stets darauf, dass sie eine zweite Fremdsprache fließend beherrschen. Kommunikationsprobleme mit fremden Kulturen kennt er deshalb weniger. Das Ergebnis: Inzwischen agiert der Betrieb in elf Sprachen verhandlungssicher.

Ein gutes Betriebsklima ist Demmelhuber besonders wichtig. Über Tage hinweg muss er seine Angestellten im Ausland einsetzen. Persönlich kontrollieren kann er da die Qualität der Arbeit nicht. „Jeder meiner Angestellten muss sich deshalb mit dem Betrieb identifizieren“, erklärt er. Für die Unternehmensbindung investiert Demmelhuber viel Zeit und Geld in Aus- und Fortbildungen. Für sein Engagement erhielt er 2002 von der damalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn den Ausbildungs-Oskar.

Qualität fordert der Töginger aber auch von seinen Partnern und Kunden. Dabei lautet seine Devise: Grenzen ziehen. Gezielt sucht er sich im Ausland vor Ort einen vertrauenswürdigen Partner. „Knebelverträge und Risiken gehe ich grundsätzlich nicht ein“, erklärt er.

Darüber hinaus pflegt der Geschäftsmann gute Kontakte zu Forschungseinrichtungen. Er kooperiert mit der Fachhochschule Rosenheim und mit der Münchner Fachhochschule und Technischen Universität. Dadurch bleibt er auch in Sachen Forschung immer am Ball.

Den Sprung auf den internationalen Markt hat Baierl & Demmelhuber Innenausbau inzwischen erfolgreich geschafft. In den nächsten Jahren will Demmelhuber auf dem slowenischen und kroatischen Markt Fuß fassen. Vergangenes Jahr liebäugelte er mit Russland. Wegen der Korruption wartet er heute aber lieber ab. „Auf einem globalisierten Markt müssen sie genau wissen, wo ihre Grenzen sind“,meint er.

Den Umsatz von 14 Millionen Euro aus dem Jahr 1990 konnte das Familienunternehmen bis 2005 konsequent mit einem jährlichen Wachstum von zehn Prozent auf 53 Millionen Euro steigern. Heute beschäftigen die Brüder Demmelhuber 231 Mitarbeiter. In Deutschland zählt das Familienunternehmen zu den „Top Ten“. International sind die Demmelhubers mit Kunden aus der Spitzenklasse der Modeszene ganz vorne dabei.

Der Artikel erschien am 10. Juni 2006 im Neu-Altöttinger Anzeiger, Passauer Neue Presse