"Alter Hase" hilft beim Gang auf den Auslandsmarkt

Erlangen - Knud Thomsen berät im Rahmen des staatlich geförderten Projekts "Go International" kleine und mittelständische Unternehmen, die im Ausland neue Absatzwege erschließen möchten. Der Kontakt entsteht über die IHK.

Das Wort „Ruheständler“ passt so gar nicht zu Knud Thomsen. Wer den hochgewachsenen Mann ansieht, blickt in hellwache Augen, in ein Gesicht voller Elan und Tatendrang. Thomsen, hinter dem eine vielseitige berufliche Karriere liegt, wird im Oktober 70 Jahre alt. Doch seit September 2004 zeigt er sich auf eine Weise aktiv, die vor allem Bayerns mittelständische Unternehmen zu schätzen wissen.

Der 69-Jährige ist ein so genannter „Coach“. Einer von rund 70 ehemaligen Managern, die kleinen und mittelständischen bayerischen Unternehmen helfen, im Ausland neue Absatzwege und -märkte zu erschließen. Den Kontakt zwischen „Coach“ und Unternehmen organisiert die jeweilige Industrie- und Handelskammer (IHK). „Go International“ nennt sich das Gemeinschaftsprojekt der bayerischen IHKs und Handwerkskammern in Zusammenarbeit mit dem Außenwirtschaftszentrum (AWZ) Bayern in Nürnberg.

„Das Projekt gibt es nur in Bayern“, erzählt Thomsen. Die bayerische Staatsregierung unter dem damaligen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu habe es initiiert. Will ein mittelständisches Unternehmen, das bisher vorwiegend regional oder national agierte, auch im Ausland Geschäfte machen, so wird es von Staatsregierung und Europäischer Union (EU) gefördert. Die Höhe der Förderung ist dabei unterschiedlich, je nach EU-Fördergebiet 25 beziehungsweise 50 Prozent.

„Die Idee ist, dass die Firmen nicht nur Fördermittel abrufen, sondern alte Hasen die Firmen beim Schritt auf den Auslandsmarkt begleiten und dafür sorgen, dass die Mittel richtig angelegt sind“, beschreibt Thomsen seine Tätigkeit. Zu Gute komme den Unternehmen die langjährige Erfahrung des „Coachs“ im Auslandsgeschäft.

An Erfahrung hat Knud Thomsen einiges vorzuweisen. In Berlin geboren und in Spanien aufgewachsen, ging er nach dem spanischen Abitur nach Deutschland und machte eine Lehre zum Exportkaufmann. Später war er zunächst für den Vertrieb der Firma Grundig in Norddeutschland zuständig, ehe ihn der Firmenchef ins Hauptwerk nach Fürth holte. Hier war Thomsen unter Max Grundig Vorstandsmitglied und für den Europavertrieb des Konzerns tätig. Zwischen 1982 und 1985 kam Thomsen nach Oberfranken und übernahm bei der Firma Loewe in Kronach als Mitglied der Geschäftsleitung den Gesamtvertrieb. Danach ging er als Europavertriebschef zurück zu Grundig, das zu diesem Zeitpunkt bereits zur Firma Philips gehörte. Im Alter von 55 Jahren machte er sich schließlich selbständig und beriet Firmen im Auslandsgeschäft. Das macht Thomsen, der mit seiner Frau in Erlangen wohnt, auch heute noch. Allerdings ist Geld keine Triebfeder mehr. Denn er erhält lediglich eine Aufwandsentschädigung vom AWZ.

Will ein Unternehmer von einem „Coach“ wie ihm betreut werden, wendet er sich an seine zuständige IHK, stellt einen Antrag für das Projekt „Go International“ und nennt das Zielland für den Export. Die IHK sucht den passenden „Coach“ aus – Thomsens Spezialgebiet sind zum Beispiel technische Produkte in ganz Europa – und dieser wird vom AWZ dem Unternehmen vermittelt. Der Unternehmer zahlt dabei lediglich eine kleine Anmeldegebühr.

„Ich vereinbare mit den Firmen einen Gesprächstermin und stelle fest, ob die Voraussetzungen für den Export gegeben sind“, sagt Thomsen. Mit seiner Erfahrung schätzt er dann die Chancen ein, ob das jeweilige Produkt für den Auslandsmarkt geeignet und das Unternehmen in der Lage ist, den Schritt auf den ausländischen Markt zu wagen. Wenn ja, erstellt er einen Strategieplan und bespricht die weiteren Aufgaben (geeigneter Auftritt im Netz, Suche nach Vertriebspartnern ...). Anschließend verfasst er einen Bericht mit Kostenplan und schickt ihn an die Projektträger IHK und AWZ. Förderfähig sind unter anderem Messe-Standmieten, Sprachkurse, Inserate in ausländischen Fachzeitschriften, aber auch die weitere Beratung.

Regionale Unternehmen, die die Hilfe von Knud Thomsen nutzten, sind zum Beispiel die Firmen Zeck in Scheßlitz oder Ebitsch-Solartechnik in Zapfendorf. Und geht es nach Thomsen, werden noch weitere hinzukommen: „Ich empfinde das nicht als Arbeit. ,Coach sein‘ ist für mich ein Elixier .“

(Quelle: Fränkischer Tag vom 26. April 2006, Ressort Regionales - Wirtschaft, www.fraenkischer-tag.de)