Aktuelles > Coface setzt Spanien und Rumänien auf negative Watchlist

Hinweis:
Diese Meldung stammt aus dem Archiv. In archivierten Meldungen sind möglicherweise nicht mehr funktionierende Links zu anderen Websites enthalten. Die Redaktion übernimmt keine Gewähr für die Funktionalität der Links.

Coface setzt Spanien und Rumänien auf negative Watchlist

Nürnberg (29. Oktober 2007) - Spanien steht in der Gefahr, von der Immobilienkrise angesteckt zu werden und somit in eine ähnliche Situation wie die USA und Großbritannien zu geraten. Diese beiden Länder stehen weiter unter neagtiver Beobachtung.

Spanien ist die dritte große Industrienation, die im Länderrating der Coface in 2007 auf die negative Watchlist gesetzt wurde. Das Land steht in der Gefahr, von der Immobilienkrise angesteckt zu werden und damit in eine ähnliche Situation zu geraten wie die USA und Großbritannien, die bereits im April bzw. Juli unter negative Beobachtung gestellt wurden. Alle drei Länder bleiben aber in der höchsten Stufe A1. Allerdings geriet auch die Bewertung von Rumänien mit A4 auf die negative Watchlist. Der rumänische Leu ist die Währung eines emerging countries (aufstrebendes Land), die am meisten in Gefahr ist. Dies macht Rumänien anfällig für eine Vertrauenskrise.

In Spanien erreicht die Verschuldungsrate der Haushalte mit 130 Prozent der verfügbaren Einkommen Ausmaße, die denen in Großbritannien (163 Prozent) und in den USA (138 Prozent) vergleichbar sind. Unternehmerische Investitionen leiden unter der Kreditdrosselung, zumal hier ebenfalls die hohe Verschuldung belastend wirkt. So ist Spaniens Wachstum rückläufig und sollte sich im Vergleich zu 3,8 Prozent in diesem Jahr in 2008 auf 2,9 Prozent reduzieren. Dies ist vor allem auf den Rückgang im Immobilienmarkt zurückzuführen, der wesentlich zu Wachstum und Beschäftigung beiträgt, sowie auf den Rückgang des privaten Konsums von 3,2 Prozent auf 2,7 Prozent. Das Zahlungsverhalten, das bislang zufriedenstellend war, droht sich zu verschlechtern. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die vom Immobilienmarkt abhängen, wie Immobilienmakler, Hersteller und Händler von Baumaterialien und Ausstatter, deren Anzahl gerade in den letzten Jahren zugenommen hat, sind oft verschuldet und sehen sich mit einem nur zögerlichen Wachstum konfrontiert. 'Spanien teilt den gefährlichen Cocktail aus Immobilienblase und Verschuldung der privaten Haushalte mit den USA und Großbritannien', erläutert Yves Zlotowski, Chefökonom der Coface.

Rumänien hat besonders hart mit der Finanzkrise, die diesen Sommer in den USA ausgelöst wurde, getroffen. Der Leu ist deutlich gefallen und damit in den aufstrebenden Ländern die am stärksten gefährdete Währung. Die Anfälligkeit für eine Vertrauenskrise ist besonders hoch. Die rapide ansteigende Verschuldung privater Haushalte lässt auch bei den Unternehmen mit einer Verschlechterung des Zahlungsverhaltens rechnen. Bei einem weiteren Verfall der Währung oder einem Konjunkturabschwung würden die Unternehmen ernsthaft geschwächt. Schließlich haben Uneinigkeiten in der Regierungskoalition Reformen verzögert, die gerade auch solche im Governance-Bereich betreffen.

Die USA verbleibt auf der negativen Watchlist, auf die sie im April gesetzt wurde. Coface unterstreicht damit die Anzeichen für eine Verlangsamung des amerikanischen Wachstums, die Schwierigkeiten auf dem Immobilienmarkt sowie die Kreditdrosselung und deren mögliche Auswirkungen auf die Bonität der Unternehmen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Großbritannien ab, dessen negative Beobachtung vom Juli daher aufrecht erhalten wird. Die Wirtschaftsexperten von Coface vertreten die Auffassung, dass der Rückgang der amerikanischen Konjunktur in 2008 noch anhalten wird. Insbesondere solche Unternehmen könnten geschwächt werden, die mittels einer Übernahme durch Investoren (LBO) finanziert werden, und zwar vor allem dann, wenn sie mit einer Kreditverknappung konfrontiert sind. Eine Wachstumsverlangsamung droht auch Großbritannien. Am stärksten gefährdet sind der Einzelhandel und nahestehende Sektoren.

Die Coface-Bewertungen berücksichtigen insbesondere das Zahlungsverhalten der Unternehmen in den jeweiligen Ländern, aber auch Rahmenfaktoren wie geopolitische und regierungspolitische Risiken, konjunkturell bedingte Verwundbarkeit, das Risiko einer Devisenliquiditätskrise und die Höhe der Auslandsverschuldung. Das Rating ist ein guter Indikator für Unternehmen, die mit oder in diesen Ländern Geschäfte machen. Die Bewertungen folgen einer ähnlichen siebenstufigen Skala wie die der Ratingagenturen: A1 bis A4 (Investmentgrades entsprechend), B, C und D (mittleres bis hohes Risiko).