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Usbekistans Pharmaindustrie baut ihre Kapazitäten aus

Taschkent (17.08.2015) Die usbekische Pharmaindustrie hat seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 einen sichtlichen Sprung nach vorne gemacht. Dennoch bleibt sie weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das Investitionsgeschehen in der Branche bestimmen Betriebe, die unter dem Dach der Staatlichen Aktionärsgesellschaft O´zfarmsanoat tätig sind. Deren Projektportfolio beträgt etwa 300 Mio. $ und umfasst die Produktion von Arzneimitteln und von medizinischen Verbrauchsartikeln.

Die in den letzten mehr als 20 Jahren erzielten Ergebnisse bei der Herausbildung einer eigenen Pharmaindustrie in Usbekistan können sich sehen lassen. Sie zeigen aber auch, dass der Industriezweig noch viel Luft nach oben hat.

Bis 2016 sollen mehr Investitionen fließen als erwartet

Das mittelfristige Investitionsprogramm von O´zfarmsanoat für 2014 bis 2016 umfasst 56 überwiegend kleine Projekte mit einem Gesamtwert von 168 Mio. $. Das zentrale Investitionsprogramm der Regierung für 2015 gibt das aktuelle Projektportfolio für den Konzern mit 223 Mio. $ an. Die Realisierungsquote der dort aufgeführten Vorhaben betrug zum 1.1.15 rund 33%. Im Jahr 2015 wollen die Unternehmen etwa 113 Mio. $ in die Projekte investieren. Darüber hinaus sollen in den zwölf Provinzen des Landes im Rahmen regionaler Entwicklungsprogramme bis 2016/17 neue Betriebe der pharmazeutischen Industrie entstehen, vorwiegend für die lokale Versorgung mit Infusionslösungen und anderen Erzeugnissen.

Das Management von O´zfarmsanoat prognostiziert für 2016 einen Kapitalzufluss von 110 Mio. bis 120 Mio. $ in die Fortsetzung und den Start von 26 Projekten. Im Zeitraum 2014 bis 2016 sollen die Investitionen ein Volumen von mehr als 300 Mio. $ erreichen. Sie werden damit deutlich über dem im mittelfristigen Branchenprogramm avisierten Kapitalbetrag liegen. Ferner wird erwartet, dass die Investoren 2016 mindestens 1.100 neue Arbeitsplätze schaffen (2014 bis 2016: 3.100).

Für Projekte der Pharmaindustrie gelten Vorzugsbedingungen

Bisher umgesetzte und neue Vorhaben kommen in den Genuss von besonderen Vorzugsbedingungen. Generell winken ausländischen Investoren heute je nach Höhe ihres Kapitaleinsatzes Steuerferien für drei bis sieben Jahre (Befreiung von der Gewinn- und Vermögensteuer sowie der Abgabe für die Entwicklung des Städtebaus und der sozialen Infrastruktur). Auch können sie von Zollbefreiungen für den Import von Ausrüstungen, Rohstoffen und Materialien für den Bedarf der Produktion profitieren.

Alle Betriebe der Pharmaindustrie sind von der Mehrwertsteuer für importierte Rohstoffe und Materialien befreit. Für den Import technologischer Ausrüstungen zahlen sie keine Zölle und keine Vermögensteuer. Einheimische Hersteller genießen Privilegien in internationalen Ausschreibungen für den Kauf von Pharmazeutika durch den Staat.

Die pharmazeutische Industrie Usbekistans stellt heute rund 1.500 Arzneimittel und Substanzen sowie 150 verschiedene medizinische Verbrauchsartikel her. Der Anteil der einheimischen Arzneimittelproduktion am mengenmäßigen Absatz im Land (bemessen in Mio. Einheiten) betrug 2014 etwa 32%. Die Lizenzierung und Zertifizierung der Produktion und des Absatzes von pharmazeutischen Erzeugnissen und medizinischen Verbrauchsartikeln liegt im Kompetenzbereich von Behörden, die dem Ministerium für Gesundheitswesen direkt unterstehen.

Der Produktionswert der Pharmaindustrie insgesamt betrug 2014 umgerechnet 233 Mio. $ nach 191 Mio. im Vorjahr. Davon entfielen über 70% auf Arzneimittel. Der Zuwachs basiert hauptsächlich auf medizinischen Verbrauchsartikeln. Zu den größten Produzenten zählen die Unternehmen Jurabek Laboratories, Nika Pharm und Nobelpharmsanoat.

Realisierung der Branchenprogramme noch unzureichend

Bereits in der Vergangenheit haben die Regierung und der Konzern Programme zur forcierten Entwicklung der Branche verabschiedet. Deren Umsetzung blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. So wurde keines der im "Industrieprogramm 2011 bis 2015" angekündigten Großprojekte mit einem Wert von jeweils 100 Mio. bis 150 Mio. $ realisiert (Produktion von Insulin, Infusionslösungen, Antibiotika, immunbiologischen Präparaten und biologisch aktive Zusätzen). Diese sollten mit ausländischen Partnern aus der Schweiz (Ival AG), Deutschland (Diecon GmbH) und Ungarn (Omnivest KFT/Omnivest Asia) umgesetzt werden.

Die Realisierung von Vorhaben in dieser Größenordnung ist aufgrund der schwierigen geschäftlichen Rahmenbedingungen im Land trotz steuerlicher Anreize nicht einfach. Chancen für die Umsetzung kleinerer Projekte sind dagegen besser. Die unter dem Dach von O´zfarmsanoat tätigen Betriebe haben ihre jährlichen Investitionen zwischen 2010 und 2013 von 35 Mio. $ auf 76 Mio. $ mehr als verdoppelt. Von dem im gleichen Zeitraum insgesamt investierten Kapital entfielen knapp 100 Mio. $ auf ausländische Direktinvestitionen (Angaben für 2014 liegen nicht vor). O´zfarmsanoat ist besonders interessiert an ausländischen Direktengagements für die Produktion von Präparaten zur Heilung von Asthma, Tuberkulose, onkologischen, Herz-Kreislauf- und psychoneurologischen Erkrankungen sowie von Antiretrovirus-Präparaten.

Über 60% der usbekischen Pharmahersteller für O´zfarmsanoat tätig

Heute umfasst die Pharmaindustrie Usbekistans 136 Hersteller von Arzneimitteln und medizinischen Verbrauchsartikeln. Darunter sind 114 usbekische Betriebe, 18 Unternehmen mit einer ausländischen Kapitalbeteiligung und vier ausländische Firmen. Sieben wissenschaftliche Forschungsinstitute haben einen direkten oder engen Bezug zur Pharmabranche. Etwa die Hälfte der Unternehmen ist in der Hauptstadt Taschkent angesiedelt.

O´zfarmsanoat gehören fast 90 Wirtschaftssubjekte an. Das sind rund 40 Hersteller von Pharmazeutika und medizinischen Verbrauchsartikeln, fünf Produzenten von Diagnostika und drei Forschungsinstitute. Acht Betriebe sind im Anbau, in der Sammlung, Aufbereitung und Verpackung von Heilpflanzen tätig. Neun Firmen betreiben Großhandel oder sind Zulieferer von Rohstoffen und Materialien. Etwa zwei Dutzend Betriebe stellen Hilfsmaterialien her. Von der produzierten Menge aller usbekischen Pharmahersteller, gemessen in Mio. Einheiten, entfallen etwa 70% auf die Unternehmen von O´zfarmsanoat. Weit über 90% der Produktion sind Generika.

 

(Quelle: gtai)