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Tschechiens Bauwirtschaft wieder mit starkem Wachstum - deutsche Firmen profitieren

Prag (26.10.2015) - Dank der florierenden Binnennachfrage rückt in Tschechien die Bauwirtschaft wieder in den Fokus. Schon 2014 war der Wert der Bauleistungen erstmals seit fünf Jahren ins Plus gedreht. Von Januar bis August 2015 kletterte das Bauvolumen um 9 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode.

Für das Gesamtjahr erwarten die Marktteilnehmer einen Zuwachs von fast 7 Prozent. Dafür spricht auch der steigende Auftragseingang. Deutsche Unternehmen haben sich für den neuen Aufschwung gut positioniert.

Tschechiens Baubranche profitiert zurzeit von mehreren Faktoren. Zum einen hat die Regierung ihre Sparpolitik aufgeweicht und steckt mehr Geld in Infrastruktur, Schulen oder Krankenhäuser. Zum anderen ist die Verbraucherstimmung dank steigender Löhne und sinkender Arbeitslosigkeit positiver. Die Privathaushalte modernisieren ihre Wohnungen, kaufen Immobilien oder bauen ein Eigenheim. Und dank der guten Wirtschaftsverfassung investieren auch die Unternehmen wieder vermehrt in neue Fabrikhallen, Lagergebäude und Produktionsanlagen.

Beim deutschen Baustoffhersteller Xella in Hrusovany bei Brno ist der Aufschwung der Baubranche angekommen. "Wir haben im Moment Schwierigkeiten, Lagerbestände aufzubauen, weil die Nachfrage so groß ist", erklärt Patrik Polakovic, Geschäftsführer für Mittel- und Osteuropa bei Xella. Das Unternehmen zielt mit seinem Porenbeton in erster Linie auf den Wohnungsbau, in dem es noch viel Potenzial gibt. Erst 2014 war der Bau von Eigenheimen auf ein Mehrjahrestief gefallen. Seit 2015 geht es aufwärts. Das Statistikamt registrierte im 2. Quartal 2015 etwa 3.900 Baustarts und damit 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Neue Autobahnen und Gleise quer durchs Land

Doch für eine langfristige Rückkehr der Baubranche auf den Wachstumspfad sind große Infrastrukturprojekte nötig. Die für Schnellstraßen und Autobahnen zuständige Gesellschaft RSD will 2015 die Arbeiten an 31 Streckenabschnitten mit einer Gesamtlänge von 124 km beginnen. Für die Dauerbaustelle D3, die einmal Prag und Linz verbinden soll, wurden in den vergangenen Monaten Aufträge für mehrere Teilabschnitte vergeben. Für den Ausbau der Schnellstraßen R4 (Prag-Strakonice) und R7 (Prag-Chomutov) sind PPP-Modelle geplant (Public Private Partnerships).

Beim Ausbau der Schienenwege sieht die zuständige Behörde SZDC 2015 eine Verdreifachung ihrer Investitionen auf über 40 Milliarden Kronen (1,5 Milliarden Euro) vor. In Prag wurde der Bau der U-Bahn-Linie D endgültig beschlossen, die mindestens 2 Milliarden Euro kosten wird. Außerdem hat das Verkehrsministerium im Sommer eine Streckenvariante für die Bahnverbindung zwischen Hauptbahnhof und Prager Flughafen ausgewählt. Kostenpunkt: über 700 Millionen Euro.

Öffentliche Vergabeverfahren nicht immer optimal

Problematisch am Vergabeverfahren bei öffentlichen Bauprojekten ist, dass es keine Standardausschreibungen gibt. Ob Vertragsstrafen, Zahlungsziele, vorzuweisende Sicherheiten oder Abrechnungsmodalitäten - jede öffentliche Ausschreibung habe andere Anforderungen. Hinzu kämen sehr spezielle Referenzanforderungen,  die viele Wettbewerber von vornherein vom Tender ausschliessen.

Für kleinere Baufirmen wirkt sich noch eine Besonderheit negativ aus: Auftraggeber behalten einen Teil der Auftragssumme ein und zahlen diese erst nach Ablauf einer Garantiezeit. Außerdem komme es häufig zu ungeplanten Mehrleistungen am Bau, die bei der Ausschreibung nicht absehbar waren und viele Projekte verzögerten, weil mit dem Auftragnehmer neu über die Bezahlung verhandelt werden müsse.

Süddeutscher Tunnelbohrer bei Plzen im Einsatz

Gerade bei komplizierten öffentlichen Bauprojekten kommt häufig deutsche Technik zum Einsatz. So kämpft sich seit Februar bei Plzen ein 114 m langer Bohrschild der Firma Herrenknecht durch das Schiefer- und Basaltgestein. Dort entsteht bis 2017 der mit über 4.100 m längste Eisenbahntunnel Tschechiens.

Anders als in Deutschland wird das Baugeschäft von großen Konzernen geprägt. Auf die zehn führenden Unternehmen entfällt fast ein Viertel der Gesamtumsätze. Dabei sind ausländische Baufirmen stark vertreten.

>>> Ausführliche Meldung von GTAI.