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Thailands Textil- und Bekleidungsindustrie im Umbruch

Berlin/Bangkok (13.1.2015) - Thailands Textil- und Bekleidungsbranche durchläuft einen Strukturwandel zu mehr Kreativität und Innovation, flankiert von einem politisch gestützten Langzeitplan. Deutsche Technik ist dabei sehr begehrt.

Der Export konnte sich 2013 wieder stabilisieren und erreichte 7,5 Millarden US-Dollar im Textil- und 2,5 Milliarden US-Dollar im Bekleidungssegment. Wichtigste Absatzmärkte für Bekleidung sind die USA und die EU, während Textilien mehr nach Japan und Südostasien gehen. Bei Textilmaschinen war Deutschland 2014 mit einem Importanteil von 26 Prozent marktführend.
 
Die thailändische Textil- und Bekleidungsindustrie scheint sich langsam von ihrem Schock zu erholen, auch wenn größere Sprünge sich noch nicht abzeichnen. Hatte die Jahrhundertflut Ende 2011 viele Fabriken zerstört mit Schäden in Milliardenhöhe, löste die Einführung des Mindestlohnes Anfang 2013 einen Strukturwandel aus. Teile der Massenproduktion verlagerten sich in die weit günstigeren Nachbarländer Kambodscha, Laos, Myanmar oder Vietnam. Entsprechend waren auch die  thailändischen Lieferungen in die USA und die EU 2012 stärker rückläufig.
 
Vor diesem Hintergrund setzte ein Umdenkprozess ein, der die Industrie in der Wertschöpfungskette nach oben anheben soll. Dies geschieht über die Umstellung auf anspruchsvollere Textilfasern, wie auch eine aggressivere Ausrichtung auf neue Modetrends. Anstelle der früheren Massenproduktion auf der Basis von Niedriglöhnen tritt der Anspruch auf höherwertige Produkte durch mehr Innovation und Kreativität. 2013 verbesserte sich die Situation bereits spürbar - die Produktion stieg bei Textilfasern und -geweben um 14 Prozent% und bei Bekleidung um 7%.
 
Gegenüber anderen Niedriglohnländern werden Thailand generell weiterhin Wettbewerbsvorteile konzediert - gestützt auf moderne Technologie und qualifizierte Arbeitskräfte wie auch Qualität, Perfektion oder die Liebe zum Detail. Hinzu kommt, dass bei Kunst- oder Naturfasern die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Endprodukt im Land verfügbar ist und alle Verarbeitungsebenen technologisch beherrscht werden mit entsprechend entwickelten Kapazitäten.
 

Ehrgeiziger Langzeitplan für Mode und Design
Die Regierung will sich stärker engagieren - über Instrumente wie Exportkredite, Förderung der Berufsbildung oder Heranziehung von Spezialisten aus der ganzen Welt für neueste Technologien. So bereitet das Thailand Textile Institute (THTI) einen Langzeitplan vor, um das Land bis 2030 führend in Mode und Textildesign zu etablieren. In der ersten Phase bis 2016 will das THTI die Position als regionales Zentrum für Mode und Textilhandel festigen. Die zweite Phase bis 2021 soll Thailand zum Zentrum für Produktdesign und weltführende Marken entwickeln mit einer Schlüsselrolle für die Distribution in asiatische Länder. In der letzten Phase bis 2030 wird der Sprung zum Weltmarktführer in Mode und Textildesign durch Integration der eigenen zeitgenössischen Kultur in die Branche angestrebt.
 
Ein Handicap besteht im Mangel an Arbeitskräften, die überdies bei einer äußerst niedrigen Arbeitslosenquote von 0,8 Prozent andere Sektoren wie den Tourismus oder das Gastgewerbe favorisieren.  Es existieren auch nur wenige große ausländische Faserproduzenten. Das Gros der rund 4.000 Unternehmen sind einheimische KMU mit rund einer Million Beschäftigten - womit die Branche der zweitgrößte Arbeitgeber in der verarbeitenden Industrie ist.
 
Ein wichtiges Signal setzte in diesem Zusammenhang der lokale Petrochemie-Konzern Indorama Ventures IVL), der Anfang 2014 im Joint Venture mit der japanischen Toyobo (80:20) den deutschen Kunstfaserproduzenten PHP Fibers übernahm. Das Wuppertaler Unternehmen produziert Polyamid- und Polyesterfasern, unter anderem für Airbags, Sicherheitsgurte oder Autoreifen. IVL zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Polyesterfasern, daneben PTA, PET und andere Grundstoffe. Toyobo fertigt Kunststofffasern für Automobile sowie Kunststofffolien, Textilien und medizinische Produkte.
Partner für die Zukunft
 
Die Privatindustrie arbeitet gleichfalls intensiver mit der Regierung zusammen. Zwölf Unternehmen schlossen sich zu einer Partnerschaft zusammen namens Thai Tex Trend oder kurz "T3". Das Ziel besteht darin, Innovationen in der Textilindustrie anzustoßen, sowie moderne Technologien in den Bereichen Weben, Stricken, Färben, Veredelung und Drucken einzuführen. Die Produkte der "T3" werden auf Trade Shows weltweit präsentiert. Überdies gibt es eine Reihe von interessanten Nischenmärkten mit hoher Wertschöpfung. Das THTI nennt als Beispiele kugelsichere Westen, nanotechnologische Hemden und Betttücher, feuerfeste Sofabezüge oder mückenabweisende Kleidung für Mönche.
 
"Made in Germany" spielt in diesem neuen Konzept der "Up-to-date Technology" ganz vorn mit. In den ersten zehn Monaten 2014 lieferte Deutschland nach Thailand Textilmaschinen im Wert von umgerechnet rund 87 Millionen US-Dollar - also bereits deutlich mehr als im Gesamtjahr 2013 mit 61 Millionen US-Dollar. Bei einem Gesamtimport von 335 Millionen US-Dollar war Deutschland 2014 mit einem Importanteil von 26 Prozent wichtigstes Lieferland vor der Konkurrenz aus Japan (20 Prozent), der VR China (16 Prozent), Taiwan (11 Prozent) und Italien (7 Prozent).
 
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(Quelle: GTAI)