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Russland ist drittwichtigster Auslandsmarkt für deutsche Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen

Moskau (12.2.2015) - Russland boykottiert Lebensmittel aus der EU und baut die eigene Nahrungsmittelverarbeitung aus. Das hat die deutschen Exporte von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen beflügelt. Die Ausfuhren nach Russland stiegen in den ersten elf Monaten 2014 um knapp 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - entgegen des allgemeinen Negativtrends im deutsch-russischen Handel. Deutsche Branchenunternehmen bleiben trotz des schwierigen Umfeldes 2015 am Ball.

Selten war so viel Bewegung in den Regalen russischer Lebensmitteleinzelhändler. Das liegt nicht etwa daran, dass sich der Warenumschlag drastisch erhöht hätte. Im Gegenteil: Die Realeinkommen in Russland sinken und somit die Kaufkraft. Bewegung ist vielmehr ins Sortiment gekommen. Käse aus Deutschland, Lachs aus Skandinavien und österreichische Grillwürstchen sind seit 7.8.2014 tabu. Denn an diesem Tag ist das Embargo der Russischen Föderation gegen eine ganze Palette von Lebensmitteln aus der EU, Norwegen, den USA, Kanada und Australien in Kraft getreten. Statt dessen finden sich in den Auslagen mehr Waren aus der Schweiz, Lateinamerika, Belarus und Serbien.

Außerdem gibt es natürlich mehr russische Produkte. Das ist billiger als importierte Ware, sofern diese überhaupt zugelassen ist. Auch ausländische Materialien zur Verpackung und Beschriftung dieser Lebensmittel sind teurer geworden. Während fertig konfektionierte Sonderprodukte wie beispielsweise Lebensmittelfarben noch vor wenigen Monaten importiert wurden, ist das spätestens seit Dezember 2014 zu teuer. Mittlerweile bestellen russische Lebensmittelproduzenten etwa Farben zum Bedrucken von Lebensmittelverpackungen lieber in Russland. Kleine und mittelgroße russische Firmen importieren verstärkt Großtanks mit Lebensmittelfarben und füllen sie vor Ort ab. Angesichts des extrem schwachen Rubels senkt das die Endabnehmerpreise - und verschafft deutschen Verpackungsmaschinenherstellern zusätzliche Absatzchancen.

Deutsche Firmen exportierten 2014 mehr Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen nach Russland

Für deutsche Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen ist es 2014 noch richtig rund gelaufen in Russland. In den ersten elf Monaten 2014 sind die deutschen Exporte um 5,8 Prozent auf rund 457 Millionen Euro gestiegen, sagt Vera Fritsche vom VDMA-Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen. Besonders positiv entwickelten sich die deutschen Lieferungen von Brauereiausrüstungen (+94 Prozent) und Abfüllanlagen (+51 Prozent). "Der Markt hat sich 2014 noch recht gut gestaltet", sagte Vera Fritsche Ende Januar 2015 auf einer Pressekonferenz während der Fachmesse "Upakovka" in Moskau. Das lag aber zu großen Teilen an Altaufträgen. In Deutschland gibt es etwa 600 Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen. Rund 85 Prozent ihrer Umsätze erzielen sie durch den Export. Davon entfallen 6 Prozent auf Russland - den drittwichtigsten Auslandsmarkt 2013 nach den USA und der VR China.

Finanzierungsklemme und Unsicherheit prägen 2015 das Marktgeschehen

Ob sich das gute Ergebnis von 2014 auch im laufenden Jahr 2015 wiederholen lässt, ist ungewiss. Denn die Anfragen gingen zurück, ebenso die Neuaufträge. Rund 70 Prozent ihrer Fachunternehmen seien nach eigenen Angaben von der Krise betroffen, erzählt Branchenexpertin Vera Fritsche. Das größte Problem ist die Projektfinanzierung. Und aufgrund der hohen Unsicherheit am Markt träfen viele russische Unternehmen der Abnehmerbranchen derzeit keine Investitionsentscheidungen, sagt Fritsche. Allerdings: Die Projekte seien nicht verloren, sie würden nur aufgeschoben.

Deutsche Firmen bleiben am Ball trotz Wirtschaftskrise

Daher der Rat der VDMA-Expertin: Am Ball bleiben "und die Kontakte zu den Kunden halten". Genau das tun die deutschen Branchenunternehmen. Im Januar 2015 präsentierten 44 deutsche Unternehmen auf der Fachmesse "Upakovka" ihre Produkte - genauso viele wie im Vorjahr.

Eines von ihnen ist die Würschum GmbH, ein Hersteller von Abfüll- und Verschließmaschinen aus Baden-Württemberg. Das Unternehmen hatte bereits das dritte Jahr in Folge einen eigenen Stand auf der Leitmesse für Verpackungstechnik in Russland. "Wir gehen davon aus, dass diese Kontinuität für langfristige Kundenbeziehungen entscheidend ist und zu Aufträgen führt", rechtfertigt Exportmanager Christopher Frank den Aufwand. Denn: "Wer heute als russischer Hersteller zwar seinen Maschinenpark zu modernisieren plant, aber aufgrund unsicherer wirtschaftlicher Indikatoren noch abwartet, der investiert eventuell im nächsten oder übernächsten Jahr." Da wolle Würschum wieder genauso erfolgreich sein wie von 2013 bis Mitte 2014: In diesem Zeitraum hat die Firma einige sehr gute Geschäfte in Russland abgeschlossen.

Russische Lebensmittelfirmen bringen sich jedenfalls schon heute in Stellung. An Projekten hat es nie gemangelt. Zur wichtigsten Lebensmittel-Leistungsschau in Russland, der Messe "ProdExpo" Mitte Februar 2015, werden Dutzende neue russische Firmen aus dem Lebensmittelsektor erwartet. Diese neu gegründeten Unternehmen benötigen moderne Technik.

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(Quelle: GTAI)