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Rumänien – Wirtschaftsstandort mit Potenzial, zwischen Kronstädter Oktoberfest und Draculas Schloss

München/Bukarest (29.10.2015) - Anfang September reiste eine Delegation des Export-Clubs Bayern nach Siebenbürgen in Rumänien , um als Pate der Gründung des Export Clubs Bucuresti Brasov Bayern (ECBBB), beizuwohnen. Rumänien ist eines der Länder in Südosteuropa, über das wir recht wenig wissen. Dabei ist das Land zwischen dem Schwarzen Meer und den Karpaten landschaftlich sehr reizvoll und wirtschaftlich interessant.

Vor allem Siebenbürgen mit den Wirtschaftszentren Hermannstadt (Sibiu) und Kronstadt (Brasov) ist eine aufstrebende Region. „Für Deutschland ist Rumänien ein interessanter Wirtschaftspartner nicht zuletzt deshalb, weil gerade in Siebenbürgen viele Menschen Deutsch sprechen, neben Rumänisch und Englisch“, erläutert Michael Schmidt, Inhaber der größten BMW-Vertretung in Rumänien und Mitglied in beiden Export Clubs.

Export-Club Bayern – Pate bei der Gründung des Export Clubs Bukarest Kronstadt Bayern

Der Vorsitzende des ECBBB, Dr. Alex Todericiu, begrüßte die Delegation aus Bayern und erläuterte die Motivation der Gründung des ECBBB: „Der ECBBB ist hauptsächlich für kleine und mittelständische Unternehmen gedacht, um ihnen den Zugang zum deutschen und europäischen Markt zu erleichtern.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Export-Clubs Bayern (ecb), Bernd-Joachim Pantze sagte anlässlich der Gründung des ECBBB: „Wir waren von der Idee der Partnerschaft sehr angetan.“ Bernd-Joachim Pantze gilt als Mentor des rumänischen Partnerclubs. Er hat sich die letzten 25 Jahre durch seine Tätigkeit im bayerischen Wirtschaftsministerium intensiv mit Rumänien beschäftigt, wo er für die osteuropäischen Länder zuständig war.

Das Beste aus zwei Ländern: Der Erfolg von Michael Schmidt

Nach der Zeremonie stellten zehn der Gründungsmitglieder jeweils ihr Unternehmen vor. Hierzu gehören z.B. IT-Unternehmen wie UTI, das Bauunternehmen ICSH, die Alexandrion Group und die Michael Schmidt Group, die größte BMW-Vertretung in Rumänien. Der Inhaber, Michael Schmidt, ist gebürtiger Siebenbürge. In den Achtzigerjahren ist er mit seinen Eltern aus dem damals sozialistischen Rumänien ausgereist und hat  in München Elektrotechnik  studiert. Nach dem Fall des Ceau?escu-Regimes kehrte Michael Schmidt in seine ursprüngliche Heimat zurück und machte eine kleine BMW-Werkstatt auf. Diese Werkstatt war die Basis für seinen wirtschaftlichen Erfolg. Heute ist Michael Schmidt an insgesamt 11 BMW/MINI Standorten in Rumänien aktiv und verfügt über acht Standorte als Importeur von MAN Fahrzeugen. In Bayern hat er vier BMW Autohäuser sowie eine Rolls Royce Niederlassung in München.

Neben dem wirtschaftlichen Aufbau Rumäniens liegt ihm vor allem der Erhalt der deutschen Kirche in seinem Heimatort Deutschkreuz (Crit) am Herz, die er über seine Michael Schmidt-Stiftung großzügig unterstützt. Das dazugehörige Pfarrhaus hat er originalgetreu wieder errichten lassen und nutzt es als Wohn- und Gästehaus. Aber auch Management-Trainings und Seminare für seine Mitarbeiter finden dort statt.

Toleranz, Engagement und Weltoffenheit – Beste Voraussetzungen für die globalisierte Welt

Auf die Frage, warum gerade Rumänien geeignet ist für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen, antwortet Michael Schmidt: „Die Menschen hier sind gut ausgebildet, sehr motiviert und weltoffen. Dazu kommt, dass viele zwei bis drei Sprachen sprechen. Das sind beste Voraussetzungen in unserer globalisierten Welt.“ Das Interesse an anderen Sprachen ist zum Teil sicher auch auf die Geschichte zurückzuführen. Schon seit mehr als 800 Jahren leben Siebenbürger Sachsen, Rumänen, Ungarn, Araber und Griechen friedlich in den Städten und Dörfern zusammen und profitieren von einander.

Kronstadt bewirbt sich als europäische Kulturhauptstadt 2021

Kronstadt mit seiner zauberhaften Altstadt, den mittelalterlichen Häusern und romantischen kleinen Gassen bewirbt sich 2021 als europäische Kulturhauptstadt. Zwar ist noch viel zu tun, aber die Stadt hat gute Chancen, das Rennen zu machen: Ein Grund ist die historische Substanz. Im Zentrum der historischen Altstadt befindet sich die spätgotische Schwarze Kirche. Durch ihre einzigartige, sehr wertvolle orientalische Teppichsammlung gehört sie zu den bedeutendsten Kirchen ihrer Art in Südosteuropa. „Vor allem aber ist die Stadt ein Musterbeispiel für gelebten Multikulturalismus“, so Cristian Macedonschi, Stadtrat in Kronstadt und Vizepräsident des ECBBB, „und für mich so etwas wie die Wiege der modernen europäischen Idee.“

Kronstadt, Ende des 12. Jahrhunderts gegründet, liegt mitten in den Karpaten, etwa zwei Autostunden von der Hauptstadt Bukarest entfernt, hat rund 260.000 Einwohner und ist ein Technologie-Standort. Vor allem die Automobil- und Zuliefererindustrie mit Unternehmen wie Continental und Dräxlmaier sind hier vertreten sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie, wie z.B. Airbus Helicopters. Kronstadt hat eine deutsche Schule, eine eigene Universität mit mehr als 23.000 Studierenden und eine Berufsschule. Über die nach deutschem Vorbild eingeführte duale Ausbildung werden z.B. Fachkräfte im Bereich Mechatronik ausgebildet. Und nicht zuletzt richtet die Stadt unter der Federführung des Stadtrats und Vizepräsidenten des ECBBB, Cristian Macedonschi, seit nunmehr sieben Jahren in Folge das Kronstädter Oktoberfest aus. Sehr professionell aufgezogen – und mit mehr als 300.000 Besuchern in diesem Jahr – ist das Oktoberfest in Siebenbürgen ein echter Exportschlager.

Schloss Dracula bietet Raum für eigene Phantasien

Und dann ist da schließlich noch der Mythos um das Schloss des Grafen Dracula. Das Törzburger Schloss, rumänisch Schloss Bran, wunderschön gelegen in den Bergen Siebenbürgens – ist Schauplatz des 1897 erschienen Vampir-Romans des irischen Schriftstellers Bram Stoker. Schloss Bran ist in Rumänien als Touristenattraktion vergleichbar mit Schloss Neuschwanstein in Bayern. Wenngleich die wahre Geschichte mit der des Schauerromans nichts gemein hat, beschert sie dem Schloss 700.000 Besucher im Jahr. Rumänien hat viel zu bieten: wirtschaftlich, landschaftlich und kulturell. Ein echter Geheimtipp mit viel Potenzial. Es lohnt sich, dieses Potenzial noch genauer in Augenschein zu nehmen.

(Quelle: Andrea Bockholt-Krug/Bayern International)