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Quo vadis Südeuropa - deutsche Exporte nach Spanien und Portugal ziehen deutlich an

Lissabon/Madrid/Rom (12.5.2015) - Harte Reformen, Konsumverzicht und hohe Exportanstrengungen haben Spanien und Portugal den Weg zur Erholung geebnet. Als Geschäftspartner und Investitionsstandorte positionieren sich die beiden Länder neu. Die deutschen Ausfuhren nach Spanien sind laut Eurostat 2014 um 14 Prozent und nach Portugal um 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Die Wirtschaft in Italien kommt dagegen nur langsam aus der Krise.

Erst drei Jahre ist es her, dass Spanien Teile seines Bankensektors nur mit externer Finanzhilfe der Europäischen Union (EU) zu halten vermochte. Im Jahr 2011 hatte Portugal, am Rand des Staatsbankrotts, ganz Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchen müssen. Durch eine strikte Spar- und Reformpolitik und die allgemeine Beruhigung der Märkte gewannen beide Länder das Anlegervertrauen zurück und finanzieren sich seit 2014 am Kapitalmarkt wieder selbst.

Die Unternehmen suchten sich ihren Weg durch die Krise. Viele traten angesichts des eingebrochenen Binnenmarktes die Flucht nach draußen an, auf neue Märkte im Ausland. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ende 2014 war die spanische Wirtschaft auf Vorquartalsebene sechs Quartale hintereinander gewachsen. In Portugal waren es ebenfalls sechs, wenn auch mit einer Unterbrechung im 1. Quartal. Das Drama der zwei aufeinanderfolgenden Rezessionen, das beide Länder zwischen 2008 und 2013 hatten durchstehen müssen, liegt hinter ihnen. Langsam beginnt auch die Arbeitslosigkeit zu sinken, die mit für 2015 prognostizierten 22,2 Prozent besonders Spanien, mit 13,4 Prozent aber auch Portugal weiterhin herausfordert.

Steigende Inlandsnachfrage lässt Importe anziehen

Es ist die Inlandsnachfrage, die nach Jahren des Rückzugs seit 2014 das Wachstum trägt - belebt durch den privaten Konsum und die Investitionen von Unternehmen. Dadurch sprangen die Einfuhren wieder an, wovon deutsche Anbieter 2014 kräftig profitierten. Portugal importierte Eurostat zufolge Waren im Wert von 7,3 Milliarden Euro aus Deutschland - ein Plus von 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Deutsche Lieferungen nach Spanien zogen um 14,0 Prozent  auf 35,6 Milliarden Euro an. Besonders gefragt waren dabei Maschinen, Fahrzeuge, Komponenten und chemische Erzeugnisse. Für die Iberer ist Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner. Bei Spanien steht Frankreich an erster Stelle, für Portugal ist es Spanien.

Die Warenausfuhren, die in der Rezession so prächtig aufblühten, haben 2014 zwar an Dynamik verloren. Dennoch konnten Spanien wie Portugal auf ihrer Ausfuhrseite neue Rekorde erzielen. Die Regierungen fördern gezielt die weitere Industrialisierung und Internationalisierung durch Anreize wie niedrigere Körperschaftsteuern und Steuernachlässe. Hinzu kommt, dass beide Länder in der Krise die Arbeitsgesetze flexibilisiert, Kosten und Löhne gesenkt und an Produktivität gewonnen haben. Doch viel hängt von der Konjunktur in der EU ab, dem wichtigsten Absatzmarkt. Von großer Bedeutung für die Handelsbilanz ist auf der Dienstleistungsseite der Tourismus, der weiterhin boomt.

Krise als Exportmotor- Spaniens Unternehmen richten Blick nach außen

Als viertgrößte Volkswirtschaft des Euroraums mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von über einer Billion Euro entwickelt Spanien besondere Schubkraft. Es gibt deutlich mehr Exportunternehmen als vor der Krise. Die Warenexportquote am BIP kletterte von 18 auf fast 24 Prozent. Einst überdimensioniert, steht die Bauwirtschaft nach einem schmerzhaften Schrumpfungsprozess heute mehr als halbiert mit 7 Prozent des BIP da. Viel Antrieb kommt aus den exportorientierten Industriebranchen. Spaniens Automobilindustrie, die zweitgrößte in der EU nach Deutschland, hat nach 2014 auch 2015 weiter hochgeschaltet und will 2,6 Millionen Fahrzeuge vom Band rollen lassen, im Jahr 2017 dann sogar 3 Millionen. Bis zu 5 Milliarden Euro will der Sektor in den kommenden Jahren investieren.

Auf höheren Touren liefen 2014 unter anderem die Herstellung von Computern, elektronischen und optischen Erzeugnissen, die Chemieindustrie oder die Nahrungsmittel- und Getränkeherstellung. Für Zulieferer und Subunternehmer lohnt der Blick auf die Liste international gewonnener Ausschreibungen der großen spanischen Infrastrukturkonzerne. Durch sie gehört das Land zur Spitze im weltweiten öffentlichen Konzessionsmarkt. Im Inland könnte die Bauwirtschaft nach siebenjähriger Talfahrt 2015 ein erstes leichtes Wachstum verbuchen. Der Staat weitet Hochgeschwindigkeitszugstrecken aus, wirbt für einen Ausbau zum alternativen Gas-Hub in Europa und forciert die Digitalisierung.

Portugals internationale Wettbewerbsfähigkeit hat sich verbessert

Anders als Spanien, das aus dem Höhenflug eines Immobilienbooms in die Krise stürzte, schwächelte Portugal schon länger. Auch hier kommt der Aufschwung aus dem Exportsektor, mit besonderer Dynamik bei der Leder- und Schuhindustrie, dem Kraftfahrzeugbau, dem Chemie- und Pharmasektor. In der Rezession ist die Wettbewerbsfähigkeit gewachsen. Unter 144 Ländern des Global Competitive Index 2014/2015 rückte Portugal um 15 Plätze auf Rang 36 vor und steht damit gleich hinter Spanien.

Gute Noten erhielten Infrastruktur, Innovationskapazität - etwa die Verfügbarkeit von Wissenschaftlern und Ingenieuren -, technologische Bereitschaft, die Qualität von Hochschulausbildung und Forschungsstätten. Unternehmen wie SAP oder Siemens haben das Potenzial schon länger erkannt und Kompetenz-, Entwicklungs- oder Kundenbetreuungszentren dort angesiedelt. Der Trend nimmt zu, unterstützt durch den Fachkräftemangel in anderen Ländern.

Italien kommt nur langsam aus der Krise

Während es nach einer doppelten Rezessionswelle in Spanien und in Portugal wirtschaftlich allmählich wieder bergauf geht, kommen die Reformanstrengungen in Italien nur langsam voran. Die Konjunktur in der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist schwach. Die EU-Kommission ging im Mai 2015 von einem BIP-Zuwachs Italiens im laufenden Jahr von 0,6 Prozent aus, nach einem Minus von 0,4 Prozent im Vorjahr.  Viel hängt auch von der Konjunktur in der EU ab, die für alle drei Länder wichtigster Absatzmarkt ist.

Die hochentwickelte Exportwirtschaft Italiens bleibt der wichtigste Wachstumstreiber. So stützen sich alle Prognosen vor allem auf die Erholung der Auslandsnachfrage. Wegen des schwachen Euros, niedriger Erdölpreise und der verbesserten Aussichten in wichtigen Abnehmerländern wird im Jahresverlauf 2015 mit einem Anstieg der Ausfuhren gerechnet. Zugleich könnte diese Entwicklung sowohl den Einfuhren als auch den Investitionen in Maschinen und Anlagen einen positiven Impuls verleihen. Erwartet wird auch ein leichter Anstieg der Binnennachfrage. Allerdings muss auch damit gerechnet werden, dass viele Italiener nach den Krisenjahren wieder mehr Geld auf die hohe Kante legen.

Deutsche Produkte kommen an

Deutsche Unternehmen engagieren sich nach wie vor auf dem italienischen Binnenmarkt, die Bilanzen ihrer Niederlassungen bereiten aber oft Sorgen. Viele der vor Ort ansässigen Firmen beurteilen die makroökonomische Lage negativ. Dennoch schätzen über zwei Drittel die eigene Geschäftssituation als "befriedigend" oder "positiv" ein. Zum Ausdruck kommt, dass deutsche Produkte und Dienstleistungen in Italien gut positioniert sind und deutsche Unternehmen nicht so stark unter der strikten Kreditvergabepolitik der Banken leiden wie ihre italienischen Mitbewerber.

Bei der Beurteilung der künftigen Entwicklung des Investitionsstandortes Italien herrscht insgesamt betrachtet vorsichtiger Optimismus. Die Reformvorhaben der Regierung, gekoppelt mit der Erholung der Wirtschaft, lassen auf höhere Investitionen hoffen. Die Realität zeigt jedoch, dass die strukturellen Schwächen des Landes kurzfristig nur schwer zu beheben sind. Arbeitsmarktreformen, eine Neuordnung des Justizwesen und eine Verbesserung der Effizienz der öffentlichen Behörden - allesamt grundlegend für eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit - können nur schrittweise umgesetzt werden und allenfalls mittelfristig Wirkung zeigen.

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(Quelle: GTAI)