Aktuelles > Trauer um Horst Brandstätter: Playmobil-Papa ist tot

Trauer um Horst Brandstätter: Playmobil-Papa ist tot


Zirndorf (8.6.2015) - Sie haben die Welt erobert, allerdings friedlich und stets mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Doch heute dürften auch sie traurig schauen, wenn sie könnten, die Playmobil-Figuren, denn Horst Brandstätter, Inhaber der Herstellerfirma geobra Brandstätter ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

1974 auf der Nürnberger Spielwarenmesse begann der Siegeszug der kleinen Spielfiguren, die ein internationaler Erfolg wurden. 2,8 Milliarden von ihnen bevölkern heute die Welt rund um den Globus. Jährlich kommen rund 100 Millionen neue Figuren hinzu, das liegt deutlich über dem Zuwachs der Menschheit. Die Männchen werden heute vor allem in Malta produziert, in der fränkischen Heimat aber beispielsweise auch noch Tierfiguren. Weltweit gibt es vier Produktionsstandorte, von den 4069 Mitarbeitern sind 2303 in Deutschland beschäftigt. Ein Erfolg sind auch die Playmobil Fun Parks, einer befindet sich am Stammsitz in Zirndorf, weitere befinden sich in Paris, auf Malta, in Athen und Palm Beach. Im Gegensatz zu vielen Freizeitparks gibt es hier jedoch keine Fahrgeschäfte, vielmehr sollen Kinder animiert werden, selbst zu spielen und ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.

Plastikfiguren aus Zirndorf

Die Geburtsstunde verdanken die Playmobil-Figuren, die ursprünglich Klickies hießen, einer Krise. Der internationale Erfolg von Brandstätter belegt eine alte Weisheit, in Krisen können große Geschäftsideen entstehen. In diesem Fall jedoch ist diese Idee nur siebeneinhalb Zentimeter groß gewesen. Der eigentliche Vater der Playmobil-Figuren ist der bereits verstorbene Mustermacher Hans Beck. Er hatte bereits zu Beginn der 70er Jahre die Idee zu den Männchen. Auf dem Höhepunkt der Ölkrise brachte Horst Brandstätter die Idee auf den Markt und stellte sie auf der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg vor. Und schon bald traten die Figuren ihren Siegeszug rund um den Globus an. Bislang hatte die Firma großformatiges Spielzeug, Wasserski, Deckenverkleidungen und Kindermöbel aus Kunststoff produziert. Die kleinen Figuren jedoch brauchten viel weniger des teuren Rohstoffs.
Bei der Gestaltung der Figuren orientierte sich Beck daran, wie Kinder Menschen zeichnen, etwa mit überdimensioniertem Kopf als wesentliches Merkmal. Typisch für Playmobil ist auch das Lächeln der Figuren. Alles in allem sehen sie nach Kindern aus, die Erwachsenen-Rollen spielen und genau das war die Überlegung hinter diesen Männchen. Was man bei Playmobil hingegen nicht finden wird, sind Gewaltdarstellungen. Historische Ritter und Piraten sind zwar mit Waffen ausgestattet und auch Polizisten habe ihre Pistole, doch moderne Soldaten und Waffen gibt es nicht im Sortiment. Die kleinen Männchen haben die Welt friedlich erobert, dabei waren sie fast überall erfolgreich.In den USA jedoch lässt der Umsatz etwas zu wünschen übrig, für den dortigen Geschmack fehlen blinkende Lichter, Geräusche und Sound-Effekte. Doch genau das soll ja der kindlichen Fantasie überlassen bleiben.

Zweites Standbein

Horst Brandstätter rettete mit der Einführung von Playmobil den Familienbetrieb vor dem Aus. Doch der Erfolg von Playmobil ist nicht der einzige, ein weiterer gelang ihm mit der im Jahr 2000 gründeten aus Kunststoff bestehenden Lechuza-Pflanzsysteme inklusive Erdbewässerung. Wie heute bekannt wurde, verstarb Horst Brandstätter am vergangenen Mittwoch.