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Papua-Neuguinea plant Ausbau der Stromversorgung

Port Moresby (15.12.2015) Die Regierung von Papua-Neuguinea will die Stromversorgung ausbauen. Pläne dazu liegen schon in der Schublade, sind jedoch noch nicht spruchreif. Ziel ist es, 70% der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität zu bieten. Aktuell haben gerade einmal 15% Strom. Es bedarf aber gesetzlicher Reformen, um eine bessere Partizipation des privaten Sektors zu erreichen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, würden gute Marktchancen für erneuerbare Energien entstehen.

Die Regierung von Papua-Neuguinea (PNG) hat ehrgeizige Pläne bekannt gegeben: Bis zum Jahr 2030 sollen 70% der Bevölkerung Zugang zur Stromversorgung haben. Aktuell liegt der Anteil bei gerade einmal 15%. Zum Vergleich: In Kambodscha sind es 30%, in Laos 65%, in den Philippinen 80%, in Vietnam 95% und in Thailand 100%. Trotz einer Bevölkerungsanzahl von rund 8 Mio. hat PNG nur ein Drittel der Stromerzeugungskapazität von Tasmanien mit seinen knapp 500.000 Einwohnern.

Aktuell wird Elektrizität zu 40% durch Dieselgeneratoren und zu 37% durch Wasserkraft erzeugt. Es gibt zwei Stromnetze: Eines versorgt den Großraum um Port Moresby, das andere die Gegend um Lae und Mt. Hagen. Städte und Dörfer in anderen Gegenden bekommen ihren Strom durch Einzelanlagen, die oft Bergwerksunternehmen oder größere landwirtschaftliche Betriebe versorgen. Bei der ländlichen Bevölkerung liegt der Anteil der Personen mit Stromversorgung sogar nur bei 7,6%.

Einen flächendeckenden Zugang zu Elektrizität zu ermöglichen ist allerdings kompliziert. Denn die schwierigen topografischen Gegebenheiten und die zum Teil sehr dünne Besiedelung machen es ökonomisch kaum vertretbar, das Netz auszubauen. Das heißt, ein Großteil der zusätzlich benötigten Elektrizität muss dezentral erzeugt werden. Dafür bieten sich, nicht nur aus Kostengründen, erneuerbare Energien aus Wasserkraft, Geothermie, Biogas oder Solarkraft an.

Privatinvestoren benötigen Investitionsanreize

Es muss dringend mehr Wettbewerb sowohl bei der Stromproduktion als auch der -distribution entstehen. Und die Strompreise müssten dem Markt überlassen werden, um Anreize für private Investoren zu schaffen. Wenn der dominierende staatliche Anbieter Powering PNG einer stärkeren Konkurrenz ausgesetzt werden würde, dürfte sich das mittelfristig in niedrigeren Preisen für die Verbraucher bemerkbar machen.

Wichtige Projekte sind angedacht, wie etwa der Bau eines neuen Wasserkraftwerkes bei Mort Moresby, eines Gaskraftwerkes in der Nähe von Mt. Hagen und einer Biogasanlage südlich von Lae. Bei den beiden letztgenannten Projekten wird die Firma Oilsearch zu den Investoren gehören. Die Pläne sind aber nur der Anfang eines dringend benötigten Ausbaus der Kapazitäten.

Die ANZ-Bank kommt in einer ausführlichen Studie zum Schluss, dass bis zu 5 Mrd. US$ bei der derzeitigen Stromerzeugung in PNG eingespart werden könnten. Dazu müssten vor allem neue dezentrale Anlagen gebaut werden, die hauptsächlich auf erneuerbaren Energien basieren. Diese würden den ineffizienten und teuren Strom ersetzen, der durch Dieselgeneratoren und sonstige veraltete Anlagen generiert wird.

Um das ehrgeizige Ziel der Regierung zu erreichen, müsste die installierte Kapazität jährlich um 7,2% wachsen, so die Experten der ANZ-Bank. Potenzial zur Kostenreduktion sehen sie unter anderem in der Nahrungsmittelverarbeitung. Denn wenn in diesem Sektor der Strom durch Dieselgeneratoren erzeugt wird, ist er um bis zu 150% teurer, als wenn er aus Biomasse entsteht, die ohnehin als Abfall anfällt.

Exportchancen verbessern

Selbst bei der Stromversorgung abgelegener Dörfer errechnen die ANZ-Experten einen Preisvorteil erneuerbarer Energien von 20% bis 150% gegenüber Strom aus Dieselgeneratoren. Dezentrale Anlage könnten besser den individuellen Bedürfnissen angepasst werden und würden weniger Instandhaltung benötigen. Zudem wären sie umweltfreundlicher und würden den CO2-Ausstoß verringern.

Fazit: Erneuerbare Energien sind für PNG unverzichtbar, um die Chancen des asiatischen Wachstums nutzen zu können. Das Land könnte laut ANZ bis 2030 seine Rohstoffexporte (vor allem Flüssiggas; LNG) um das Vier- bis Sechsfache auf 36 Mrd. $ pro Jahr steigern. Zudem könnte PNG, ähnlich wie Australien und Neuseeland, stärker an der Lebensmittelversorgung der wachsenden Mittelschicht Asiens teilhaben.

 

(Quelle: GTAI)