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Marktchancen in Kenia

Nairobi (18.2.2015) - Die kenianische Wirtschaft wuchs 2014 nach Schätzungen der Economist Intelligence Unit (EIU) um 5,2 Prozent. Im Dienstleistungen ist ein überdurchschnittliches Wachstum zu erwarten. Gegen das Bevölkerungswachstum und die schwachen staatlichen Strukturen hat das kenianische Wirtschaftswachstum bislang keine Chance. Die Regierung setzt auf mehr Schulden und vertagt Reformen. Ölfunde und nachfolgende Petro-Dollars sollen das Problem eines Tages lösen. Bis es soweit ist, gibt es allerdings noch viele Fragezeichen.

In den nächsten beiden Jahren sind gemäß EIU Wachstumszahlen von 5,7 und 5,5 Prozent wahrscheinlich. Die Weltwirtschaft habe sich insgesamt belebt, billigere Konsumentenkredite und eine halbwegs stabile Inflationsrate führten zu einem höheren privaten Verbrauch, sagen die Wirtschaftsforscher. Hinzu kämen umfangreiche Infrastrukturinvestitionen sowohl von öffentlicher wie von privater Seite. Weitere positive Einflussfaktoren sind eine weiter wachsende Mittel- und Oberschicht, eine zunehmende Verstädterung, eine bessere Integration in die Ostafrikanische Staatengemeinschaft (EAC) und, wenn auch nur bescheidene, Strukturreformen.

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung steigen. Die Regierung setzt auf schuldenfinanzierte Investitionen statt Reformen. Durch den Export des umfangreich gefundenen Öls soll das Geld in Zukunft wieder in die Kasse kommen. Nicht nur angesichts des derzeitigen Ölpreises bleiben viele Fragezeichen.

Wirtschaftsstruktur

Überdurchschnittliches Wachstum ist im Dienstleistungssektor zu erwarten, der von der Fernmeldeindustrie, dem Transportgewerbe und Finanzdiensten beflügelt wird. Das verarbeitende Gewerbe ist bislang nur auf bescheidenem Wachstumskurs. Dies könnte sich spätestens ab 2017 ändern, wenn die versprochenen neuen Kraftwerke ans Netz gehen und die Strompreise, wie erhofft, deutlich und nachhaltig sinken.

Das Wachstum in der Landwirtschaft, dem wichtigsten Arbeitgeber des Landes, stagniert bei Wachstumszahlen von unter 5 Prozent - 2014 sind es vermutlich nur 3,5 Prozent. Kenia bleibt weiterhin von zeitigen und ergiebigen Regenfällen abhängig, statt verstärkt in moderne Bewässerungstechniken zu investieren. Moderne Agrartechnik ist kaum im Einsatz. Es fehlt an ausreichender Düngung und ergiebigem Saatgut. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung geht abends hungrig ins Bett. Der Weg aus der Armut in eine nachhaltige Prosperität geht nur über eine leistungsfähige Agrarwirtschaft, glauben Entwicklungsexperten. Die Landwirtschaft müsste sehr viel kommerzieller arbeiten. Die Prioritäten der Regierung sind bislang andere.

Im Global Competitiveness Index des World Economic Forum (WEF) für 2014/15 konnte Kenia immerhin um sechs Positionen nach oben klettern. Das WEF lobt die innovativen Kapazitäten Kenias, die hohen Ausgaben für Forschung und Technologie sowie die guten, mit der Industrie zusammenarbeitenden wissenschaftlichen Forschungsinstitutionen. Kenia bekommt auch gute Noten für sein Ausbildungswesen, sein Finanzwesen und seinen vergleichsweise effizienten Arbeitsmarkt. Besonders schlecht steht Kenia mit seinem Gesundheitswesen da, das für die geringe Lebenserwartung der Bevölkerung (weniger als 58 Jahre) und die geringe Produktivität der Arbeitskräfte verantwortlich gemacht wird. Sorgen bereitet dem WEF die Sicherheitslage. Der politische Wille und erfolgversprechende Maßnahmen, um das Wirtschaftspotenzial nachhaltig auszuschöpfen, sind bislang kaum zu erkennen. Bürokratie, Korruption und Kriminalität, ein Mangel an Facharbeitern sowie eine unzureichende Infrastruktur stehen dem im Wege. 

Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland ist in Kenia nicht gut positioniert. Kenia ist in Ostafrika zwar der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands, aber noch kein echter Markt für deutsche Produkte. Die Lieferchancen für die hochspezialisierten deutschen Fachbetriebe sind begrenzt, aber es gibt sie: gut verdienende lokale Betriebe, zum Beispiel in der Nahrungsmittelverarbeitung, die sich deutsche Technik vom Feinsten leisten können und wollen. Es gibt zudem Großprojekte, die zwar nicht von deutschen Unternehmen gebaut werden, aber auch nicht ohne zuverlässige Spezialtechnik auskommen.

Fazit: Es ist relativ einfach, die wenigen leistungsstarken verarbeitenden Betriebe des Landes zu identifizieren und den Kontakt aufzunehmen. Wer in Ostafrika keinen Handelsvertreter hat, sollte seinen Agenten oder seine Agentin aus Dubai vorbeischicken oder die aus Südafrika - auch wenn dies Überredungskunst erfordern mag: Wer in Dubai oder Kapstadt sitzt, schaut gerne hochnäsig auf Nairobi oder Mombasa herunter. Ohne Probleme läuft auch nur selten ein Liefergeschäft. Dafür sind die Margen oft besser und der Konkurrenzdruck ist niedriger als in den Touristenzentren am Golf oder Kap. Oder man lädt potenzielle Kunden zu einer Messe nach Dubai ein.

Auch die großen Infrastrukturprojekte lassen sich leicht identifizieren. Mit Hilfe einer Suchmaschine kann man oft herausfinden, wer im Geschäft ist. Wenn ein chinesisches Unternehmen, wie häufig der Fall, den Zuschlag bekommen soll, ist dies ein Fall für den eigenen Handelsvertreter in China. Schon bevor große internationale Unternehmen für kenianische Großprojekte bieten, sollten deutsche Firmen ihren Fuß in der Türe haben. Die Bewerber schmücken gerne ihre Angebote mit dem Hinweis, auch deutsche Technik komme zum Einsatz.

Den ausführlichen Bericht inklusive der Darstellung einzelner Branchen finden Sie hier.

(Quelle: GTAI)