Aktuelles > Hoher Investitionsbedarf in Perus Wasserversorgung

Hoher Investitionsbedarf in Perus Wasserversorgung

Lima (23.10.2015) Die Wasserreserven in Peru sind ungleich verteilt. An der Küste ist der Mangel sehr ausgeprägt. Ein Trinkwasseranschluss in angemessener Qualität steht 76% der Bevölkerung zur Verfügung, in Lima sogar nur 60%. Um Zugänge zur Wasserversorgung zu gewährleisten, braucht Peru kurz- und langfristige Lösungen. Auch die Nachfrage nach Entsorgungsleistungen lässt nicht nach. Für deutsche Wassertechnologiefirmen ist Peru das zweitwichtigste Exportland in Lateinamerika.

An Wasservorkommen mangelt es Peru nicht. Allerdings befinden sich 97% der Reserven im Osten der Anden, während 80% der Peruaner an der Pazifikküste, westlich der Kordilleren leben. Wegen der Gebirgsbarriere sind der Amazonas und die Nebenflüsse nur durch Tunnel zugänglich, deren Bau teuer ist. Zudem ist Peru eines der fünf Länder, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Dadurch sinkt das Angebot an Wasser, während die Nachfrage durch das Wachstum von Bevölkerung und Industrie steigt.

Lima braucht 400 Mio. US-Dollar für Bewässerungsprojekt

Diese Entwicklung wird in der Metropolregion, die Lima mit der angrenzenden Hafenstadt Callao bildet, besonders deutlich. Nur 60% der insgesamt fast 10 Millionen Einwohner verfügen über sauberes Trinkwasser. An der Pazifikküste ist die Bevölkerungsdichte ebenfalls hoch, so dass die Situation kaum besser ist. Um Lima mit Trinkwasser aus den Anden zu versorgen, sind 400 Millionen US-Dollar für das Bewässerungsprojekt "Obras de Cabecera y Conducción para el Abastecimiento de Agua Potable para Lima" veranschlagt, das die Vergrößerung von Talsperren sowie ein Stausee- und Wasserleitungssystem, einen Andentunnel und neue Kanäle und Rohre umfasst. Eine weitere Ausdehnung des Ballungszentrums würde eine zusätzliche Leitung durch die Gebirgskette erfordern.

Landesweit erreicht die Trinkwasserversorgung laut des Programms der deutsch-peruanischen Entwicklungszusammenarbeit Proagua (Programa de Agua Potable y Alcantarillado) nur 76% der Peruaner. Die Rate der Abwasserentsorgung liegt bei lediglich 56%. Berechnungen der gleichen Institution zufolge fließen 78% des Abwassers direkt und ungeklärt in den Pazifik oder Flüsse.

Langfristige Investitionen in Infrastruktur erforderlich

Laut dem Plan Nacional de Inversiones 2014-2021 en Agua y Saneamiento ist ein Investitionsvolumen von rund 16,6 Milliarden US-Dollar erforderlich, um bis 2021 die gesamte Bevölkerung Perus an Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung anzuschließen. In den Monaten ab dem Sommer 2015 will die peruanische Regierung mehr als 900 Millionen US-Dollar für circa 470 Projekte im Sanitärbereich bereitstellen, vor allem im Rahmen des Programmes "Wasser für alle (Agua para todos)".

Darüber hinaus verpflichtet ein 2015 verabschiedetes Dekret industrielle beziehungsweise nicht-häusliche Wassernutzer dazu, bestimmte Grenzwerte in den Abwässern einzuhalten. Peruanische Betriebe müssen deshalb in eine innerbetriebliche Abwasser(vor)klärung investieren.

Neben Lokalregierungen und Kommunen liefern etwa 50 Unternehmen Trinkwasser. Etwa die Hälfte davon bietet die Aufbereitung und -klärung von Abwasser an, so die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik Cepal in einer Studie von 2012. Diese Anbieter verfügen insgesamt über 143 Kläranlagen. Die am häufigsten verwendete Technologie sind Stabilisierungsbecken.

Die peruanische Regierung vergibt seit einigen Jahren Konzessionen und Lizenzen, unter anderem für Wassertransportsysteme und -leitungen. Ausländische Unternehmen wurden beim Ausbau des Trinkwassersystems und Abwasserbehandlungsanlagen eingebunden. Für deutsche Wassertechnologiefirmen ist Peru das zweitwichtigste Exportland in Lateinamerika.

Vor Ort sind unter anderem die Unternehmen Festo und Herrenknecht sowie die Technische Universität Berlin, die Universität Stuttgart, das Technologiezentrum Wasser, das Karlsruhe Institut für Technologie und das Institut für Automation und Kommunikation IFAK tätig. Die German Water Partnership e.V. beabsichtigt, diese Präsenz durch die Entwicklung intensiver Kooperationen mit der peruanischen Wasserwirtschaft zu erweitern.

Wasserversorgung auch wichtig für Landwirtschaft, Bergbau und Elektrizitätserzeugung

Die Wasservorhaben, die für die wichtigen Branchen Bergbau und Landwirtschaft umgesetzt werden müssen, umfassen den Bau von Staubecken, Bewässerungskanälen, Tunneln zur Umleitung natürlicher Quellen sowie Wasserkraftwerken.

Die Mehrzahl der aktuellen Großprojekte wird von öffentlichen Trägern und der Privatwirtschaft finanziert, oft zu gleichen Teilen. Ein Beispiel ist die Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen und deren Bewässerung in der Provinz La Libertad, wo staatliche Institutionen seit 1986 mehr als 1 Mrd. US$ investiert haben. Nach der Fertigstellung der ersten beiden Abschnitte (Chavimochic I und II) soll Chavimochic III bis 2019 abgeschlossen sein. Zu dem Volumen von insgesamt 715 Millionen US-Dollar will die peruanische Regierung 373 Millionen US-Dollar beisteuern. Durch das Mammutprojekt werden 63.000 Hektar Wüstenfläche für die Landwirtschaft erschlossen. Bewässerungskanäle, Kontrollsysteme, die Automatisierung der Wassernutzung sowie die Optimierung der Zufuhr bereits bewirtschafteter Flächen stehen auf dem Programm.

Auch das Bewässungsvorhaben Majes Siguas II soll Wüsten- in Agrarfläche umwandeln. Für insgesamt 400 Mio. US$ sind ein Staudamm am Fluss Apurimac, ein 18 km langer Wassertunnel durch die Anden sowie zwei Wasserkraftwerke am Fluss Siguas mit insgesamt 550 MW vorgesehen. Ein neues Wärmekraftwerk erzeugt seit Jahresbeginn 2015 Strom und Trinkwasser. Dieses Großkraftwerk des Unternehmens Fenix Power wandelt durch Entsalzung und Filterung pro Tag 2.000 cbm Meer- in Trinkwasser um.

Engagement der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Die Projekte der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH haben unter anderem die Anpassung der städtischen Wasserwirtschaft an den Klimawandel zum Ziel. Auch das Ressourcenmanagement im Einzugsgebiet der Flüsse Chillón, Rímac und Lurín soll darauf ausgerichtet werden. Um die Kapazitäten des Wassersektors zu optimieren, steht der Schutz von natürlichen Flussökosystemen und Grundwasserquellen ebenso im Fokus wie Wasserspartechnologien, Aufbau und Erhalt von Bewässerungsinfrastruktur, künstliche Grundwasseranreicherung und Systeme zur Wiederverwendung behandelter Abwässer, unter anderem für Grünanlagen.

Das Dresdner Unternehmen DAS Environmental Expert bildet mit der GIZ bereits eine Entwicklungspartnerschaft zur Ausbildung von Abwasser- und Umwelttechnikern in Peru. "Die von der DAS Environmental Expert GmbH mitfinanzierte Ausrüstung, insbesondere die Versuchsanlagen, bleiben den Ausbildungszentren auch nach Projektende erhalten", wird René Reichardt, Leiter des Geschäftsbereich Wasserbehandlung in einer Pressemitteilung zitiert. "Die zukünftigen Abwassertechniker lernen auch Anlagen für die Entsorgung von Industrieabwässern korrekt zu bedienen, Investitions- und Betriebskosten nachhaltig zu optimieren und Betriebsmittel ressourcenschonend einzusetzen."

Messe und Konferenz Expo Agua Peru im Oktober 2015

Vom 21. bis 23. Oktober 2015 findet in Lima die Expo Agua Peru statt. Der Wasser- und Sanitärversorger Limas, Sedapal, veranstaltet diese Konferenz mit Messe. Deutschland ist offizielles Gastland. Nach Kenntnisstand vom August 2015 bieten die German Water Partnership (GWP) und die AHK Peru Messeflächen für deutsche Wassertechnologiefirmen an. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die Konferenz konzeptionell und präsentiert das neue duale Ausbildungssystem für Wasser- und Abwassertechniker, das im September/Oktober 2015 eingeweiht werden soll.

Hinweis: Dieser Artikel wurde gekürzt. Internetadressen sind in der Vollversion abrufbar.

Kontakt: Anne Litzbarski amerika@gtai.de

(Quelle: gtai)