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Deutschlands Exportindustrie profitiert vom Freihandelsabkommen zwischen EU und Südkorea

Bonn/Seoul (26.1.2015) - Das Freihandelsabkommen (FHA) zwischen der EU und Korea (Rep.) findet seit Mitte 2011 Anwendung. In den ersten drei Jahren der Anwendung des FHA wuchsen die deutschen Exporte nach Südkorea, angeführt vom steigenden Absatz deutscher Pkw, in fast allen wichtigen Warengruppen kräftig. Dennoch machen europäische Firmen seltener von den Präferenzzöllen Gebrauch als die koreanischen Unternehmen.

Korea (Rep.) ist der viertgrößte Käufer deutscher Waren außerhalb Europas. Die deutschen Ausfuhren nach Südkorea überschritten 2010 erstmals die Schwelle von 10 Milliarden Euro. 2014 könnten es bereits 15 Milliarden Euro werden. Auch dank des seit Juli 2011 angewandten Freihandelsabkommens (FHA) zwischen der EU und Korea (Rep.) hat die Bandbreite der von Deutschland nach Südkorea ausgeführten Produkte zugenommen.

Alle Zölle auf Industriegüter entfallen

Das Abkommen sieht einen vollständigen Abbau der Zölle auf alle Industriegüter innerhalb von sieben Jahren (bis Mitte 2018) vor. Bei Agrargütern tritt die völlige Zollfreiheit oft erst nach zehn bis 15 Jahren, in Einzelfällen erst nach 18 oder 20 Jahren ein.

Für viele Maschinenarten entfielen bereits ab Mitte 2011 die Einfuhrzölle nach Korea (Rep.). Zu den Ausnahmen zählen im Segment der Werkzeugmaschinen Bearbeitungszentren und Laser- Werkzeugmaschinen mit Übergangszeiten von fünf bis sieben Jahren. Bei Pumpen, Kompressoren, Lagern und Wellen sollen die letzten Zölle fünf Jahre nach dem Inkrafttreten des FHA entfallen; bei Ventilen, Armaturen dauern die Übergangsfristen drei bis sieben Jahre.

Die Zölle bei Pkw in Höhe von 8 (Südkorea) und 10 Prozent (EU) entfielen für Fahrzeuge mit einem Hubraum von mehr als 1.500 ccm drei Jahre nach dem Wirksamwerden des Abkommens und für Fahrzeuge mit einem Hubraum von bis zu 1.500 ccm nach fünf Jahren. Bei Kfz-Teilen (ZT-Position 8708) mussten sofort mit der Anwendung des Abkommens keine Zölle mehr entrichtet werden.

Mit dem fast vollständigen Wegfall der Zölle auf Waren steigt die Bedeutung nichttarifärer Handelshemmnisse wie beispielsweise in der Kfz-Industrie. Auch hier setzt das FHA unter anderem mit einer besseren gegenseitigen Anerkennung von Normen und schnelleren Streitbeilegungsmechanismen an.

Erleichterung bei Dienstleistungen

Im Dienstleistungsbereich fallen ebenfalls zahlreiche Beschränkungen weg. Dies gilt beispielsweise für Marktzugangsbarrieren in der Telekommunikation, bei Umwelt-, Finanz-, Rechts-, Buchhaltungs-, Audit- und Steuerdienstleistungen.

Auf koreanischer Seite profitieren vor allem die Kfz-Hersteller vom Wegfall des 10-prozentigen Zollsatzes. Aber auch bei Textilien, Flachbildschirmen oder Videogeräten entfallen die Zölle. Die meisten IT-Produkte wie etwa Halbleiter oder Computer wurden aber bereits vor dem FHA zollfrei in die EU geliefert. Im Dienstleistungsbereich erhalten koreanische Anbieter dank des FHA unter anderem Zugang zu den Märkten für Architektur-, Ingenieurs- und Stadtplanungsdienstleistungen, Druck- und Verlagswesen, Telekommunikation, Bau, Finanzen und Verkehr.

 

Deutsche Ausfuhren wachsen in ersten drei Jahren des Freihandelsabkommens

Aus deutscher Sicht ist die Entwicklung des bilateralen Handels seit dem FHA eine Erfolgsgeschichte. So sind die Ausfuhren im dritten Jahr der FHA-Anwendung (Juli 2013 bis Juni 2014) im Vergleich zum Zeitraum Juli 2010 bis Juni 2011 vor der Anwendung des FHA um mehr als 30 Prozent gestiegen.

Die deutschen Lieferungen nach Südkorea fielen 2013/14 gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2012/13 mit 5,3 Prozent erneut größer aus als die weltweiten Ausfuhren Deutschlands (+1,5 Prozent). Das deutsche Exportwachstum nach Korea (Rep.) war auch größer als das in andere wichtige außereuropäische Märkte wie die USA oder Japan, während die Ausfuhren nach Brasilien und Indien sich rückläufig entwickelten.

Nicht alle Firmen nutzen Zollvorteile des FHA

Interessant ist, dass nach Angaben der EU-Kommission im Zeitraum von März bis Juni 2013 nur etwa zwei Drittel der europäischen Lieferanten die Zollvorteile des FHA nutzten. Umgekehrt nahmen koreanische Lieferanten bereits 2012 für 77 Prozent der Waren, für die laut FHA Präferenzzölle in Anspruch genommen werden können, diese auch in Anspruch. Somit schrecken offenbar mehr europäische als koreanische Firmen davor zurück, den Aufwand für den Ursprungsnachweis ihrer Waren zu betreiben.

Trotz des FHA bestehen nach wie vor nichttarifäre Handelshemmnisse. Eine Umfrage der IHK Region Stuttgart zum FHA aus dem Jahr 2013 zeigt darüber hinaus, dass vor allem kleinere und mittlere Firmen unzufrieden mit dem Dokumentationsaufwand sind, den sie für die Zulassung als "Ermächtigter Ausführer" betreiben müssen und deshalb zum Teil lieber auf Zollvorteile verzichten. Bemängelt wird auch, dass die koreanische Zollverwaltung zumindest in Einzelfällen zusätzliche Informationen zum Nachweis des EU-Ursprungs bei den EU-Unternehmen abzufragen scheint. Laut dem Abkommen ist die Kontrolle Aufgabe der Zollbehörden des entsprechenden Mitgliedstaates der EU.

(Quelle: GTAI)