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Deutsche Firmen erfolgreich bei EU-Ausschreibungen

Brüssel (23.09.2015) Die EU setzt ihre Entwicklungsvorhaben auch mittels Unternehmen und Institutionen um, denen sie über Ausschreibungen Aufträge erteilt und Zuschüsse gewährt. Im Jahr 2013 schloss die EU im Rahmen ihrer Außenhilfeprogramme Verträge mit einem Gesamtwert von über 3 Mrd. Euro ab.

Auf deutsche Akteure entfielen dabei 7% des Auftragswerts. Besonders in den Beitrittsländern und der östlichen Nachbarschaft hatten deutsche Firmen die Nase vorn.

Im aktuellen Finanzrahmen von 2014 bis 2020 sieht die EU 90 Mrd. Euro für ihr Außenhandeln vor. Das entspricht 8% des gesamten Haushalts der Union. Die Europäische Kommission publiziert eine Vielzahl an Informationen. So veröffentlichten die Generaldirektionen Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (GD DEVCO) sowie Nachbarschaftspolitik und Erweiterung (GD NEAR) Statistiken zu den Gewinnern von Zuschüssen und Aufträgen, die 2013 vergeben wurden. Die Angaben sind an vielen Stellen unvollständig, da laut Kommission die einzelnen EU-Delegationen im Ausland die Publikation verantworten und die Umsetzung unterschiedlich gut funktioniert. Eine stärkere Transparenz der Auftragswerte schaffen erst umfassende Analysen verschiedenster Quellen, die einzelne EU-Mitgliedstaaten wie Frankreich auch veröffentlichen.

Auftragsvergaben zur Umsetzung von Entwicklungsvorhaben

Bei ihrer Vertragsvergabe unterscheidet die EU zwischen Zuschüssen (Grants) und Aufträgen (Tenders). Zuschussverträge vergibt die EU im Rahmen von Ideenwettbewerben (Call for proposals) an nicht gewinnorientierte Institutionen. Im zweiten Fall werden Leistungsverträge (Dienstleistungen, Bauvorhaben, Lieferungen) ausgeschrieben und an Unternehmen vergeben.

Die Projekte finanziert die EU über ihre vier geographischen Außenhilfeprogramme: Instrument für Heranführungshilfe (IPA II), Europäisches Nachbarschaftsinstrument (ENI), Instrument für Entwicklungszusammenarbeit (EZI) und Europäischer Entwicklungsfonds (EEF); die Verwaltung liegt bei unterschiedlichen Generaldirektionen (eine Übersicht finden Sie hier.

Hohe Vergabesummen über EU-Außenhilfen

Im Jahr 2013 wies die EU Entwicklungsbudgets in Höhe von 8,9 Mrd. Euro für ihre Partnerländer an (200 Mio. Euro mehr als 2012). Dabei vergab sie Zuschüsse (Grants) über 1,81 Mrd. Euro und Aufträge (Tenders) in Höhe von 1,56 Mrd. Euro. Weitere 2,23 Mrd. Euro vergab sie als Mittelzuweisung an internationale Organisationen (besonders Vereinte Nationen), die ihre jeweils eigenen Vergabebestimmungen anwenden. Direkte Haushaltshilfen machten 2,05 Mrd. Euro aus. Diese Form der direkten Zuweisungen an öffentliche Kassen der Partnerländer will die EU künftig noch stärker nutzen.

Verschiedene Verwaltungsverfahren bedingen Unterschiede bei der Auftragsvergabe und deren statistischer Erfassung. Bis einschließlich 2013 unterschied die EU zwischen zentralisierter und dezentralisierter Verwaltung. Bei der ersten Methode sind die EU-Kommission, ihre Delegationen in den Partnerländern oder EU-Agenturen die Vertragspartner. Rund 85% der Zuschüsse und 47% der Aufträge vergab die EU 2013 auf diese Weise. Die übrigen Vorhaben, also auch mehr als die Hälfte aller durch Ausschreibungen vergebenen Dienstleistungs-, Liefer- oder Bauaufträge, wurden durch dezentralisierte Verwaltung umgesetzt.

Hier ist das Partnerland samt Agenturen für die Auftragsvergabe zuständig. Während bei dezentralisiert verwalteten Projekten oft Vergabeverfahren des Empfängerlandes Anwendung fanden, wurden bei zentralisierter Verwaltung die Vergaberegeln der EU-Außenhilfen angewendet, die für Auftragnehmer in der Regel vorteilhafter sind. Seit 2014 gelten neue Managementmethoden (direkt, indirekt, geteilt), und die EU setzt verstärkt auf Projektrealisierung durch Partnerländer.

Regionale Verteilung der Auftragsvergabe

Von den 2013 für Aufträge und Zuschüsse ausgezahlten 3,37 Mrd. Euro gewannen Unternehmen und Institutionen aus den EU-Mitgliedstaaten mit 1,89 Mrd. Euro. Bei den Aufträgen (Tenders) gingen dabei drei Viertel des Auftragswertes von 1,5 Mrd. Euro an Unternehmen aus der EU; vom restlichen Viertel profitierten besonders in den Empfängerländern ansässige Unternehmen (433 Mio. Euro).

Rund 38% des gesamten Ausschreibungswertes vergab die EU über den EEF für Vorhaben vor allem in Subsahara-Afrika; hier war der Anteil von Bauvorhaben besonders hoch. Insgesamt wurden bei allen Außenhilfeinstrumenten vor allem Aufträge für Dienstleistungen ausgeschrieben.

Besonders erfolgsträchtige Regionen für deutsche Firmen

Unternehmen und nicht gewinnorientierte Akteure aus Deutschland gewannen 2013 Aufträge und Zuschüsse über 237 Mio. Euro, d.h. 7% der gesamten Vergabesumme. Hierbei entfielen circa zwei Drittel auf Aufträge und ein Drittel auf Zuschüsse. Deutschland lag damit auf Platz drei hinter Frankreich (430 Mio. Euro, 12,8%) und dem Vereinigten Königreich (265 Mio. Euro, 8%). Jeweils ein Drittel der Ausschreibungssumme, die Deutschland erreichte, kam über den EEF und das EZI herein.

Bei den Vergaben zeigten sich geographische Bieter- und Erfolgsmuster. Bei IPA II schnitten deutsche Akteure in den EU-Beitrittsländern als erfolgreichste Bieter für Aufträge und Zuschüsse ab, gefolgt von Italien und Österreich. In der europäischen Nachbarschaft - Programm ENI - war Deutschland ebenfalls das erfolgreichste Bieterland bei Aufträgen, und dies mit besonderer Stärke in der östlichen Nachbarschaft.

Bei Zuschüssen hingegen lagen französische Institutionen und Einrichtungen der Zivilgesellschaft weit vorn, besonders in der südlichen Nachbarschaft der EU. Im Programm EZI (Asien, Lateinamerika) schnitten Akteure aus Großbritannien auf Platz Eins ab, gefolgt von Belgien und Deutschland sowie Frankreich und Italien. Die Vergabewerte des EEF (Afrika, Karibik und Pazifik) bestätigten die traditionelle Stärke französischer Akteure; auf den folgenden Plätzen lagen Portugal, Deutschland Großbritannien und Belgien.

Internet:

GTAI-Datenbank zu Entwicklungsprojekten und Ausschreibungen

Gewinner der Aufträge und Zuschüsse der EU

TED - Tenders electronic daily

European Commission - Funding recipients

Europäische Kommission - EU-Auftragnehmer und Empfänger von Finanzhilfen aus dem EU-Haushalt

Guides to EU-Funding

European Commission - A Beginner's Guide to EU Funding

European Commission - International Cooperation and Development - About Funding

European Commission - Doing business with the EU Commission

Représentation Permanente de la France auprès de l´Union européenne:

Lettre d´information du Pole Entreprises et Coopération Nr. 24, Mai/Juni 2015

Ansprechpartner: 

Heike Hoffmann

tender@gtai.de


(Quelle: gtai)