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Chinesische Firmen drängen in den GUS-Raum

Moskau (28.07.2015) Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in sogenannte Transformationsländer sind 2014 regelrecht eingebrochen: Die Zuflüsse schrumpften um mehr als die Hälfte auf 48,1 Milliarden US-Dollar. Die Länder der GUS kommen gerade einmal auf 3,9 Prozent der weltweiten FDI-Zuflüsse. Besonders stark getroffen hat es Russland mit einem Zufluss von 21 Milliarden US-Dollar - 70 Prozent weniger als im Vorjahr. Die wichtigsten Investoren in den Transformationsökonomien sind Chinesen. Auf sie entfallen vier der fünf größten Projekte.

Russland und die Ukraine sind die großen Verlierer bei der Akquise von ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2014. Das geht aus dem World Investment Report 2015 der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) hervor. Lagen die ausländischen Direktinvestitionen in die Ukraine 2013 noch auf einem Level von 4,5 Milliarden US-Dollar waren es 2014 nur noch 410 Millionen US-Dollar - der Krieg in der Ostukraine hat ausländische Firmen nachgerade verschreckt. Doch die Annexion der Krim, die anhaltenden Kämpfe in der Ostukraine, die Wirtschaftssanktionen und die eingebrochene Konjunktur haben auch die Attraktivität Russlands stark beeinträchtigt. Die ausländischen Direktinvestitionen schrumpften 2014 um 70% auf 21 Milliarden US-Dollar.

Wesentlich glimpflicher kamen Serbien mit -2,7% auf zwei Milliarden US-Dollar Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen und Kasachstan mit -6,4% auf 9,6  Milliarden US-Dollar davon. Turkmenistan zog 2014 sogar mehr Investoren als im Vorjahr an. Die höchste Dynamik unter allen Transformationsökonomien verbuchte Aserbaidschan. Die ausländischen Direktinvestitionen in das ölreiche Land stiegen um über 68% auf 4,4  Milliarden US-Dollar.

Politische Risiken hemmen den Investitionsfluss

Die Herausgeber der Studie von UNCTAD geben den politischen Risiken und regionalen Konflikten die Hauptschuld an den miserablen Investitionszahlen in den GUS-Ländern. Und auch für 2015 sind die Erwartungen düster. Prognostiziert werden weiter sinkende Investitionen mit einer anhaltenden Rezession sowie einem niedrigen Ölpreis. Zudem arbeitet UNCTAD einen weiteren Trend heraus: Immer mehr multinationale Konzerne aus (ehemaligen) Entwicklungsländern investieren in Transformationsökonomien.

Im Jahr 2014 waren das vor allem chinesische Konzerne. Vier der fünf größten FDI-Projekte in Transformationsländern kommen aus China. Sie stammen von China Triumph International Engineering, der Hawtai Motor Group, Hareon Solar Technology und Great Wall Motors. Drei dieser Vorhaben befinden sich auf russischem Territorium, eines (Hareon Solar Technology) in Bosnien und Herzegowina. Germany Trade and Invest hat diesen Trend in der Ausgabe 03/2015 des Außenwirtschaftsmagazins Markets ausführlich thematisiert und kommentiert.

Chinesen verwirklichen Russland-Projekte für 20 Milliarden US-Dollar

Der Investitionszug chinesischer Firmen im GUS-Raum zeigt sich am deutlichsten in Russland. Dort fand Mitte Juni 2015 das Sankt Petersburger Wirtschaftsforum statt. Es stand ganz im Zeichen der neuen russisch-chinesischen Partnerschaft. So hat ein russisch-chinesisches Gemeinschaftsunternehmen einen Vertrag mit der russischen Staatsbahn RSchD unterschrieben zur Projektierung der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau nach Kasan. Die Kosten für den gesamten Bau der 770 km langen Strecke belaufen sich auf 1,1 Bio. Rbl (17,8 Mrd. Euro; EZB-Wechselkurs vom 2.7.2015: 1 Euro = 61,66 Rbl). Das meldet die Nachrichtenagentur Tass.

Dem Nachrichtendienst zufolge hätte die russisch-chinesische Regierungskommission auf dem Wirtschaftsforum 29 neue Projekte mit einem Investitionsvolumen von über 20 Milliarden US-Dollar bewilligt. Damit überwacht das Gremium zurzeit 58 Projekte. Dazu gehört auch ein russisch-chinesisches Gemeinschaftsunternehmen zum Leasing des Kurzstreckenflugzeuges Sukhoi Superjet, ein Holzindustriecluster in der Region Tomsk für 880 Millionen Euro sowie Projekte zum Erschließen von Goldlagerstätten und anderen Rohstoffen. Außerdem beteiligen sich chinesische Firmen in Russland in der Chemieindustrie, an der Produktion von Baumaterialien, in der Metallurgie sowie im Landwirtschaftssektor.

Agrarprojekte aus dem Land der Mitte

Apropos Landwirtschaftssektor: In der russischen Region Transbaikalien will das chinesische Unternehmen Huae Sinban 115.000 ha Weideland und Brachflächen pachten. Das entspricht knapp der Hälfte des Saarlandes. Ein entsprechendes Memorandum haben das Unternehmen und die Behörden in Tschita bereits unterschrieben. Der eigentliche Pachtvertrag soll in einem Jahr unterzeichnet werden. Medienberichten zufolge sind Investitionen in Höhe von 24 Mrd. Rbl geplant (knapp 390 Mio. Euro). Huae Sinban will in der Region Getreide, Futterkulturen und Heilpflanzen anbauen und Molkereien, Tierzucht- sowie Fleischverarbeitungsbetriebe errichten.

Das chinesische Engagement beschränkt sich keineswegs auf den sibirischen Teil Russlands. In der Republik Tatarstan plant das chinesische Unternehmen Zsi Sin 400 Millionen US-Dollar in einen Tierzucht- und fleischverarbeitenden Betrieb zu investieren. Dazu will der Investor 65.000 ha landwirtschaftlicher Flächen betreiben und dort Futter anbauen.

Neben der Landwirtschaft gibt es jetzt auch erste gemeinsame Projekte im Energiesektor. So haben der russische Direct Investment Fund, die Regierung der Republik Karelien, Nord Hydro und zwei Töchter der China Railway Construction Corporation eine Absichtserklärung zum Bau von zwei kleinen Wasserkraftwerken in Karelien unterschrieben. Die Kapazitäten sollen jeweils bei 24,9 MW liegen. Diese Kraftwerke Beloporoschskaja 1 und 2 gelten als Lackmustest. Sollten sie von Erfolg gekrönt sein, könnte China in Russland auf diesem Sektor auch künftig eine noch größere Rolle spielen.

(Quelle: GTAI)