Aktuelles > Außenwirtschaft von A bis Z: Heute A wie Allgemeines Präferenzsystem (APS)

Hinweis:
Diese Meldung stammt aus dem Archiv. In archivierten Meldungen sind möglicherweise nicht mehr funktionierende Links zu anderen Websites enthalten. Die Redaktion übernimmt keine Gewähr für die Funktionalität der Links.

Außenwirtschaft von A bis Z: Heute A wie Allgemeines Präferenzsystem (APS)

Nürnberg (1.9.2015) - Das Allgemeine Präferenzsystem regelt Zollermäßigungen beziehungsweise -befreiungen für bestimmte Entwicklungsländer, welche die EU bei Vorlage von Präferenznachweisen für gewerbliche und landwirtschaftliche Produkte gewährt.

Nach der Meistbegünstigungsklausel der Welthandelsorganisation (WTO), müssen alle Handelsvergünstigungen, die mit einem Land ausgehandelt wurden, auch allen anderen WTO-Ländern eingeräumt werden. Von dieser Regel gibt es zwei Ausnahmen. Präferenzmaßnahmen.
 
  • Präferenzmaßnahmen im Rahmen von Freihandelszonen oder Zollunionen.Eine Form dieser Präferenzabkommen ist auch der Europäische Binnenmarkt.
  • Präferenzmaßnahmen für Entwicklungsländer.

Allgemeines Präferenzsystem (APS) der EU stellt solche Maßnahmen der zweiten Kategorie dar. Entwicklungsländern werden Abschläge auf Zollsätze eingeräumt beziehungsweise die Zölle ganz erlassen. Damit soll diesen Ländern der Zugang zum Weltmarkt und die Entwicklung erleichtert werden.

Seit 2014 hat die EU ihr Präferenzsystem angepasst. Es werden nun vor allem die bedürftigsten Länder bevorzugt. Andere, die bislang in die Vorzüge des Präferenzsystems kamen, aber nach einer Einstufung der Weltbank drei aufeinanderfolgende Jahre hohes Einkommen oder mittleres Einkommen/obere Einkommenskategorie aufweisen, sind hingegen nicht mehr im Rahmen des APS begünstigt.

Bei der Einfuhr wird zwischen nicht-empfindlichen und empflindlichen Waren unterschieden. Letztere stehen in Konkurrenz zu EU-Waren. Nicht empfindliche Waren sind zollbefreit, bei empfindlichen Waren wird der Meistbegünstigungssatz um 3,5 Prozentpunkte reduziert. Abweichend gilt für Textilwaren, dass hier der Zollsatz um 20 Prozent gesenkt wird. Bei spezifischen Zöllen beträgt die Senkung 30 Prozent des Zollsatzes. Rund 90 Länder profitieren von diesem Allgemeinen Präferenzsystem.

Eine Besonderheit gilt für die 49 am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries =  LDC), hier dürfen alle Waren zollfrei in die EU eingeführt werden, ausgenommen Waffen und Munition (Everything but arms = EBA).

Daneben gibt es noch für das 2005 eingeführte APSplus (Sonderregelung für nachhaltige Entwicklung und verantwortungsvolle Staatsführung). Auf Antrag erhalten in Frage kommende Länder weitgehende Präferenzen mit kompletter Zollbefreiung, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen. 

  • Das Land gilt als gefährdert, weil es unzureichend in den Welthandel eingebunden ist und eine es an Diversifizierung fehlt.
  • Wenn es 27 aufgeführte internationalen Konventionen zu Menschenrechts- und Arbeitsrechtstandards, Umweltstandards und verantwortungsvoller Regierungsführung ratifizierthat und anwendet.

Präferenzrechte können auch zeitweise entzogen werden, etwa wenn das Land in Drogengeschäfte verwickelt ist oder gegen internationale Abkommen verstößt.

Hier gelangen Sie zu unserem Export-Lexikon.