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Algerische Baubranche bietet Chancen für deutsche Unternehmen

Berlin/Algier (15.1.2015) - In Algerien besteht ein großes Potenzial an technisch anspruchsvollen Bauvorhaben. Für deutsche Unternehmen ergeben sich hier Beteiligungschancen. Der Markt ist lukrativ, birgt jedoch auch relativ hohe Risiken. Nur ein gründlich vorbereitetes, langfristiges Engagement, bei dem auch Rückschläge einkalkuliert sind, verspricht geschäftlichen Erfolg. Die Realisierung von Projekten ist oft abhängig von politischen Gegebenheiten, die kaum berechenbar sind.

In Algerien besteht ein enormes Potenzial für bautechnisch anspruchsvolle Vorhaben wie Staudämme, Überschwemmungsschutz oder Pumpwerke für den Wassertransfer. Im Bereich der Stromversorgung ist die Umspanntechnik, im Schienenbau die Gleis- und Signaltechnik sowie rollendes Zugmaterial gefragt. Bei Flughäfen stehen Modernisierungsmaßnahmen an, die Marktchancen für die Flughafentechnik eröffnen. Hier ist eine zuverlässige und nicht-manipulierte Sicherheits- und Überwachungstechnik sehr gefragt.

Die Chancen für eine Beteiligung deutscher Unternehmen an Bauvorhaben in Algerien ist umso größer, je technisch komplexer das Bauvorhaben. Die sich über den gesamten Norden Algeriens erstreckende Berglandschaft ist insbesondere für den Tunnel- und Brückenbau eine ingenieurstechnische Herausforderung.

Aufgrund einer größeren Planungskomplexität und höherer Bedarfsansprüche fallen die Beteiligungschancen deutscher Architektur- und Ingenieurbüros bei Projekten im Kultur-, Krankenhaus- und Hotelbau günstiger aus als beim Bau von Wohnsiedlungen. Im Zusammenhang mit dem Krankenhausbau bestehen zudem Marktchancen bei medizinischen Ausrüstungsgütern.

Ungenutzte Beteiligungschancen für deutsche Unternehmen gibt es mittlerweile aber auch im Wohnungsbau. Aufgrund geringer eigener Kapazitäten sucht die algerische Regierung ausländische Partner. Beim Bau von Stadtsiedlungen sind deutsch-algerische Partnerschaften zur Herstellung von Fertigbauteilen, bei Betonwerken und weiteren Bereichen der Baustoffindustrie eine vielversprechende Option. Die Produktion von Bauteilen und Komponenten für den Hochbau sowie für die Infrastruktur in Partnerschaft mit algerischen Unternehmen ermöglicht den Zugang zu einem dann "geschützten Megamarkt".

Standards für erdbebensicheres Bauen sind im Norden des Landes zu beachten. Der algerische Bausektor richtet sich ansonsten nach internationalen Mindeststandards. Insofern sind Standardlösungen für Hochbauten nicht zwingend, sondern vom Einzelprojekt abhängig.

Nur langfristiges Engagement verspricht geschäftlichen Erfolg

Algerien ist ein hoch lukrativer, aber auch risikobehafteter Markt. Der oftmals aufwändige Aufbau stabiler und persönlicher Geschäftsbeziehungen mit algerischen Partnern ist in Algerien unerlässlich. Für den Geschäftserfolg ebenso unentbehrlich ist eine gründliche Vorbereitung, aber auch eine flexible Angebotsgestaltung. Das Engagement muss langfristig ausgerichtet sein und mögliche Rückschläge einbeziehen. Deutsche Unternehmen sollten von Beginn an eine politische Flankierung und die Unterstützung der Deutsch-Algerischen Industrie-und Handelskammer in Anspruch nehmen.

Bauprojekte sind in Algerien immer auch politische Projekte. Die Anbahnung von Aufträgen erfolgt oftmals im Rahmen politischer Besuche. Gute Kontakte zu Entscheidern in den zuständigen Ministerien beziehungsweise den Ministern selber sind von zentraler Bedeutung. Wünsche wie der Know-how-Transfer oder die Ausbildung von lokalen Fachkräften sollten deutsche Unternehmen ernst nehmen. Zu überprüfen ist, ob bei Angeboten ein Input von algerischen Fabrikaten, Dienstleistungen etc. möglich ist. Oftmals sind algerische Inputs vorgegeben.

Algerien bleibt weiterhin tief in einer nationalistischen Industriepolitik verwurzelt. Seit Mitte 2009 gibt es ein Einfuhrverbot für Gebrauchtmaschinen, eine Akkreditivpflicht und ein Verbot von Verbraucherkrediten. Algerische Unternehmen dürfen bei öffentlichen Ausschreibungen ihre Leistungen um 25 Prozent teurer anbieten. Seit November 2009 können ausländische Gesellschaften nur noch Tochterfirmen mit einem Kapitalanteil von maximal 49 Prozent gründen.

Zu den allgemeinen Geschäftshindernissen in Algerien gehören eine fehlende Transparenz bei größeren Ausschreibungen und die teilweise sehr langen Bearbeitungszeiten. Ausschreibungen liegen zum Teil nicht exakte Studien oder Spezifikationen zugrunde, die dann Streitigkeiten um Vertragsinhalte nach sich ziehen. Angeschobene Projekte können auch in Widerspruch zu Vorhaben konkurrierender Segmente in der Bürokratie stehen und aus diesem Grund liegen bleiben. Zudem sind die Zahlungsmodalitäten kompliziert, langwierig und von hohem Bürokratieaufwand gekennzeichnet. Das Wirtschaftsrecht ist nicht immer eindeutig geregelt. In den diversen Länderrankings, wie dem Doing Business Report oder dem Transparency International Index, schneidet Algerien unbefriedigend ab. Bezüglich der Sicherheitslage herrschen oftmals übertriebene und diffuse Ängste vor. Aus diesem Grund sollte vor allem bei Reisen innerhalb des Landes eine zeitnahe Erkundigung über die örtliche Sicherheitslage eingeholt werden.

Politische Faktoren bestimmen den Fortschritt von Projekten

Die Realisierungschancen von Projekten in Algerien aufgrund der Investitionspläne einzuschätzen ist schwierig, da sie von internen politischen Gegebenheiten abhängen, die kaum berechenbar sind. Verzögerungen oder Stopps geplanter oder auch im Bau befindlicher Projekte sind immer möglich. Andererseits können, sobald die politischen Weichen tatsächlich und nicht nur gemäß Regierungsverlautbarungen gestellt sind, Projekte zügig in Angriff genommen werden. Beispiel hierfür ist eine Welle von Auftragsvergaben zum Bau von Kraftwerken im Jahr 2013.

Spätestens mit der im September 2012 gebildeten Regierung unter dem Premier Abdelmalek Sellal ist eine Beschleunigung bei der Realisierung der vielen Infrastrukturprojekte vor allem beim Straßenbau, dem Schienenverkehr und beim Bau von Wohnsiedlungen zu verzeichnen. Die erhöhte Umsetzung seit 2012 wird sich auch 2015 insbesondere auf liegen gebliebene Projekte aus dem Fünfjahresplan 2009 bis 2014 beschränken. Ein neuer Fünfjahresplan 2015 bis 2019 ist noch in Bearbeitung.

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(Quelle: GTAI)