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Mehr als nur Safari: Geschäftschancen in Südafrika

Nürnberg (18.07.2013) - Erfahrungsbericht: Josef Neumeier, gebürtiger Oberpfälzer, über seine Arbeit bei einer südafrikanischen Kammer und Chancen für Unternehmer in Südafrika:

 

Südafrika bietet nicht nur Sonne, Strand und Safari und ist damit ein Traumziel für viele Urlauber; Südafrika ist auch ein wichtiger Handelspartner Deutschlands. Seit der politischen Wende 1994 hat sich der Handel mehr als verdoppelt: 2012 betrug das bilaterale Handelsvolumen 14 Milliarden Euro. Südafrika exportierte vor allem Rohstoffe und Metalle, Deutschland lieferte Autos und KFZ-Teile, Maschinen sowie chemische und elektrotechnische Produkte nach Südafrika. Derzeit sind mehr als 600 deutsche Unternehmen in Südafrika niedergelassen und beschäftigen etwa 90.000 Arbeitnehmer.

Die GIZ in Südafrika
 
Unter diesen Vorzeichen unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mit Hauptsitz in Bonn und Eschborn, Südafrika. So entsendet die GIZ etwa Fachkräfte in lokale Institutionen wie Kammern oder Ministerien. Eine dieser Fachkräfte ist Josef Neumeier. Der gebürtige Oberpfälzer ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und arbeitet seit 2010 beim Afrikaanse Handelsinstituut (AHI). Mit über 20.000 Mitgliedern aus kleinen, mittleren und multinationalen südafrikanischen Unternehmen ist das AHI eine der grӧßten nationalen Kammern in Südafrika. Landesweit sind über 100  vor allem örtliche Kammern mit dem AHI affiliiert. Auch mit der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das Südliche Afrika bestehen eine Kooperation und regelmӓßiger Austausch über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
 
Gemeinsam mit dem Ministerium für „Cooperative Governance“ initiierte und unterstützt von der GIZ initiierte das AHI das Pilotprojekt  „Kleinstadtfӧrderung“. Ziel des Pilotprojekts ist es, den Dialog zwischen der Gemeindeverwaltung und der Industrie zu fӧrdern und gemeinsam eine Vision für die sechs ausgewählten Pilot-Städte, Bela Bela, Graaff Reinet, Harrismith, Malalane,Tzaneen und Upington  zu entwickeln. Hierbei tun sich auch Geschäftschancen für deutsche Unternehmen auf, die sich in Südafrika engagieren wollen. Ein Schwerpunkt ist, die Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Unternehmen zur Entwicklung von sektorspezifischen Industrien zu stärken.
 
„Going Green“ – Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch
 
 In vielen Regionen Südafrikas drängt sich mit über 300 Sonnentagen die Errichtung von Solaranlagen geradezu auf, in Küstennähe entstehen auch viele Windkraftwerke. Der Ausbau der Solarenergie in Form von Kraftwerken als auch integriert in Wohnhäuser, Fabriken oder Hotels ist in verschiedenen Regionen in vollem Gange. „Going green“ ist gerade bei innovativ vorausdenkenden Unternehmern der Slogan der Zeit. In der Region rund um Upington, im Bundesland Northern Cape werden derzeit mehrere Solaranlagen gebaut – auch mit deutschen Fabrikaten. Die Gemeindeverwaltung von Upington sah sich innerhalb kurzer Zeit mit dieser Entwicklung überfordert. Bislang lebte die Region vor allem vom Anbau von Tafeltrauben, Citrusfrüchten und Gemüse. Jetzt steht sie vor Fragen wie: Was bedeutet die Entwicklung der Solarenergie für unsere Region wirtschaftlich? Welche rechtlichen Herausforderungen kommen auf die Gemeindeverwaltung zu? Welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf den Tourismus? Wie, wenn überhaupt, kӧnnen lokale Unternehmen an der Wertschӧpfungskette teilnehmen? Welche Einkommensstrӧme resultieren daraus für die Gemeinde und wie kӧnnen diese für das Allgemeinwohl investiert werden? Die GIZ unterstützte diesen Prozess mit Experten-Know How, Vermittlung von Erfahrungen aus Deutschland und einem Workshop, um die regionale Entwicklungsstrategie neu auszurichten. Derzeit werden in unmittelbarer Naehe zu Upington zwei Solarturmkraftwerke von spanischen Unternehmen gebaut. Fuer das Bundesland „Northern Cape“ sind mindestens fünf weitere Kraftwerke in Planung. Ein Unternehmen spezialisiert auf die Planung und Installation von Kleinanlagen bis zu 500 KWp hat sich in Upington bereits etabliert. Grosse deutsche Solar-Unternehmen bauen noch keine Kraftwerke in dieser fuer Solarenergie praedestinierten Region.
 
Öffentlicher Nahverkehr
 
Ein weiterer Schwerpunkt ist Transport und Logistik von Personen und Gütern – hier vor allem der Ausbau des Schienenverkehrs. Harrismith im Bundesland „Free State“. ist verkehrstechnischer Knotenpunkt zwischen den Metropolen Johannesburg und Durban sowie Bloemfontein. Gemeinsam wurde festgelegt dass ein Logistikzentrum in dieser Region entstehen wird. Der Grundstein hierfür ist bereits gelegt.
In absehbarer Zeit werden die Metropolen Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt auch nicht ohne ein integriertes Nahverkehrsnetz auskommen. Konkrete Pläne sind noch nicht veröffentlicht – dennoch - es ist nur eine Frage der Zeit. Staedteplanerisches Know How – vor allem hinsichtlich der Integration eines jeweiligen Nahverkehrssystems in die bestehende Infrastruktur - als auch spezialisierte Ingenieurdienstleistungen duerften hier in Zukunft gefragt sein. So war beispielsweise ein deutsches Unternehmen spezialisiert in der Tunnelvortriebstechnik beim Bau des „Gautrain“ zwischen Pretoria und Johannesburg involviert.
 
Dann doch in den Urlaub? Potenzial beim Ausbau der Tourismusinfrastruktur 
 
Der Ausbau der Tourismusinfrastruktur ist noch lange nicht erschöpft. Beispielsweise gibt es in der Provinz Ostkap noch riesiges Potenzial und ganz aktuell sucht die provinzielle Entwicklungsgesellschaft noch einen Co-Investor für ein auf erneuerbare Energieversorgung ausgelegtes Hotel am Nkanya-Fluss. Die Bereitstellung von Wasser und dessen Management ist neben der Stromerzeugung wohl die größste Herausforderung für die nahe Zukunft und bestimmt in hohem Maße den weiteren Ausbau der Tourismusindustrie, der Agrar- und Forstwirtschaft und anderer Industrien. Hiezu hat die deutsch-südafrikanische Handelskammer bereits vor zwei Jahren eine Analyse herausgegeben. Diese umfasst alle Lӓnder des südlichen Afrika und bietet detaillierte Informationen hinsichtlich zukünftiger Projekte zum Thema „Wasser“. Genauso wichtig ist die Klärung von Abwasser. In vielen Townships gibt es nach wie vor keine vernünftige Abwasseraufbereitung und in East London im Bundesland „Eastern Cape (Ostkap) fliesst noch heute  nahzu ungeklärtes Abwasser direkt ins Meer. In diesem Sektor etablierte sich in Durban vor knapp zwei Jahren ein Unternehmen aus Mitteldeutschland. Für eine Schule im Norden Durbans baute es eine Biogasanlage und für einen Truck-Stop in Harrismith ist ebenfalls eine Anlage in Planung. Weitere Projekte im Bundesland Kwazulu Natal und Eastern Cape sind derzeit in Planung. Der Bedarf ist riesig!
 
Innovationen? Ein Forschungszentrum schafft die Basis   
 
So wichtig der Ausbau der Basis-Infrastruktur wie Wasser, öffentliche Verkehrsmittel oder Stromerzeugung ist. Südafrika weiß, dass es auch auf dem Gebiet der Forschung nicht stehenbleiben darf. Hier hat beispielsweise die „East London Industrial Development Zone“ vor wenigen Monaten ein neues Forschungszentrum erbaut in dem sich erste Firmen ansiedeln um dort innovativ tätig zu sein und angewandte Forschung betreiben. Südafrika ist auf jeden Fall eine Reise wert – ob als Tourist oder als Unternehmer – am besten ist es, man verbindet beides.
 
Zum Autor: Josef Neumeier ist Mitarbeiter der GIZ und derzeit zur AHI entsandt. Von 2004 bis 2010 unterstützte er die Provinzregierung im Ostkap in Fragen der Investitions- und Handelsförderung. Seit August 2010 betreut er das Projekt „Small Town Development“ bei der AHI.
 
Ansprechpartnerin:
Almuth Dörre, M.A
Verbindungsreferentin Entwicklungszusammenarbeit
Telefon: 0911-23886-46