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Deutsch-Ägyptische Wirtschaftsbeziehungen

Nürnberg (24.9.2013) - Die wirtschaftliche Lage Ägyptens hat sich im vergangenen Jahr zugespitzt. Die Inflation erreichte im Mai 2013 8,4%.

Die Arbeitslosigkeit hat auf 13% zugenommen, die Jugendarbeitslosigkeit liegt sogar bei über 70%. Für den dringend herbeigesehnten wirtschaftlichen Aufschwung bedarf es dringender Reformen. Für diese Reformen fehlen dem Staat jedoch die politische Stabilität und die finanziellen Mittel. Potenzielle Investoren aus dem In- und Ausland kämpften schon vor Mursis Absetzung mit überbordender Bürokratie, Korruption und fehlender Rechtssicherheit. Die aktuellen Geschehnisse lassen die Verunsi-cherung noch wachsen. Die finanziellen Hilfen der letzten Wochen, vor allem aus den Golfstaaten, und die angekündigte weitere Unterstützung Saudi-Arabiens stützen das Land kurzfristig, bewirken aber kein nachhaltiges Wachstum.


Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Ägyptens ist der Tourismus. Von ihm sind direkt und indirekt ca. 3 Mio. Arbeitsplätze abhängig und damit etwa 13% aller Beschäftigten des Landes. Während vor der Revolution 2010 noch 14,7 Mio. Touristenankünfte gezählt wurden, brach die Zahl im Folgejahr drastisch ein auf nur noch knapp 10 Mio. Die deutschen Touristen machten dabei mit jeweils ca. 10% in den Jahren 2010 und 2011 einen nicht unerheblichen Teil aus. 2012 erholte sich der Tourismus wieder leicht: Mit 11,5 Mio. Reisenden machte der Sektor etwa 11,3% des ägyptischen BIP aus. Im ersten Halbjahr 2013 stieg die Zahl der Touristen erneut um knapp 10% gegenüber dem Vorjahr.


Kaum Auswirkungen auf den Welthandel hat Ägypten mit einer Produktion von etwa 730.000 Barrel Erdöl am Tag und Reserven von rund 4,3 Mrd. Barrel und steht damit nur auf Platz 26 der weltweiten Erdöl-produktion. Ägyptens Anteil am weltweiten BIP beträgt lediglich 0,35%.
 

Ägypten ist mit seinen rund 84 Mio. Einwohnern Deutschlands dritt-wichtigster Handelspartner in der MENA-Region. Das Handelsvolumen betrug insgesamt 2012 etwa 4 Mrd. Euro, davon 1,4 Mrd. Euro deut-sche Einfuhren und 2,6 Mrd. Euro deutsche Ausfuhren. Im ersten Halbjahr 2013 blieben die deutschen Exporte im Vergleich zum Vorjahr stabil (0,1%), während die Importe zurückgingen (-16%).
 

Rund 80 deutsche Unternehmen sind mit Niederlassungen in Ägypten vertreten, davon 20 mit Produktionsstätten und 60 mit Handelsvertretungen. Die Niederlassungen u. a. aus den Bereichen Kfz, Petrochemie, Medizintechnik und Sanitäranlagen beschäftigen insgesamt ca. 24.000 Arbeitnehmer. Die Gesamtzahl von Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung beläuft sich auf etwas 700.
 

Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren viel in die Aus- und Weiterbildung ihrer Beschäftigten investiert und sind auch daher eng mit ihren Niederlassungen verbunden. Sie wollen an ihren Standorten und ihrem Mitarbeiterstamm festhalten, um nicht in einigen Wochen im Land wieder neu anfangen zu müssen. Allerdings werden möglicherweise angesichts der politischen Instabilität geplante Investitio-nen sicherlich vorerst zurückgehalten oder neu bewertet. Während der Handel weitergeht und bei wieder einkehrender Stabilität kurzfristig wieder gesteigert werden kann, dürfte das Vertrauen potenzieller Investoren schwieriger zurückzugewinnen sein.

 

(Quelle: DIHK)