Aktuelles > Life Science Unternehmen setzen auf München

Hinweis:
Diese Meldung stammt aus dem Archiv. In archivierten Meldungen sind möglicherweise nicht mehr funktionierende Links zu anderen Websites enthalten. Die Redaktion übernimmt keine Gewähr für die Funktionalität der Links.

Life Science Unternehmen setzen auf München

München (26. April 2006) - Erste Studie bestätigt Spitzenstellung in Europa

Die Wirtschaftsregion München ist mit rund 300 Unternehmen und acht renommierten Forschungseinrichtungen ein Top-Standort für die Biotechnologie- und Pharmaindustrie in Europa. Über 25.500 Beschäftigte erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp neun Milliarden Euro. Dabei sind knapp die Hälfte der Mitarbeiter Akademiker. Die Unternehmen sehen optimistisch in die Zukunft. Das gilt auch für die Biotechnologie, die drei schwierige Jahre hinter sich hat.

Zu diesem Ergebnis kommt die erste Studie zum Biotechnologie- und Pharmastandort München, die die IHK München und die Landeshauptstadt München bei der Bio M AG, Martinsried, in Auftrag gegeben haben. Ziel der Studie war es, erstmals die Wirtschaftskraft, Entwicklungstrends und Besonderheiten aller zum Life Science Bereich gehörenden Branchen zu untersuchen. Dazu wurden neben den Biotechnologie- und Pharmaunternehmen auch die Auftragsforschungsunternehmen, relevante Zulieferer, Pharmagroßhändler und Beratungsunternehmen sowie die Forschungslandschaft berücksichtigt. Die Analyse bezieht sich auf den Großraum München, der neben der Stadt München die Landkreise München, Freising, Ebersberg, Erding, Starnberg, Landsberg, Fürstenfeldbruck und Dachau sowie die Standorte Penzberg und Bernried beinhaltet.

Geschäftslage sehr positiv

Bei den Life Science Unternehmen herrscht Zuversicht: Sehen knapp 50 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage heute schon positiv, sind sie für die Zukunft noch zuversichtlicher: 67 Prozent aller Befragten rechnen mit einer Verbesserung im nächsten Jahr und sogar 77 Prozent mit einem Aufwärtstrend innerhalb der nächsten fünf Jahre. Vor allem auf zwei Stärken Münchens können sich die Unternehmen stützen - zum einen die hohe Forschungsintensität, zum anderen die gesunde Mischung aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Niederlassungen globaler Unternehmen.

Hohe Konzentration auf 'Rote Biotechnologie'

'Die einzelnen Branchen der Life Science Industrie sind höchst unterschiedlich strukturiert, sowohl was Größe, Umsatz, Mitarbeiter als auch Investitionen betrifft', sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler vor der Presse. So erzielten die insgesamt 115 Biotechnologieunternehmen im vergangenen Jahr mit 2.950 Mitarbeitern einen Umsatz von 520 Millionen Euro. Dabei betrug der Umsatz pro Mitarbeiter bei den 96 KMU-Betrieben gut 100.000 Euro, die 19 Niederlassungen der größeren ausländischen Unternehmen brachten es auf 384.000 Euro je Mitarbeiter. Die meisten Unternehmen konzentrieren sich auf die Rote Biotechnologie - die Entwicklung von Arzneimitteln und Diagnostika. 'Damit ist an keinem anderen deutschen Standort die Rote Biotechnologie so stark wie in München', sagte Dörfler.

Völlig andere Größenordnungen bestimmen dagegen die Pharmaindustrie, die in München zumeist mit Vertriebsniederlassungen ausländischer Konzerne vertreten ist. Die 43 Unternehmen beschäftigten im Jahr 2005 über 10.500 Mitarbeiter und generierten einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro oder 424.000 Euro pro Mitarbeiter.

Noch eine junge, aber internationale Branche sind die 37 in München ansässigen Auftragsforschungsunternehmen. Viele wurden erst in den letzten Jahren gegründet und haben sich auf die weltweite Organisation und Durchführung von klinischen Studien spezialisiert. Mit 900 Mitarbeitern erzielten sie in 2005 einen Umsatz von rund 90 Millionen Euro, knapp 100.000 Euro pro Mitarbeiter. Nur knapp ein Viertel ihrer Kunden sind in der Region München. Über 40 Prozent der Kunden sitzen dagegen im Ausland, 23 Prozent in Europa, 18 Prozent in den USA.

Die 21 Zulieferer, 27 Handelsunternehmen und 46 sonstigen Life Science Unternehmen tragen mit 2.200 Mitarbeitern und einem Umsatz von 3,9 Milliarden Euro ebenfalls erheblich zur Wirtschaftskraft des Standorts München bei.


Forschung auf dem Vormarsch

Der gesamte Life Science Bereich ist forschungsintensiv. Wie die Studie ergab, investierten die Unternehmen im vergangenen Jahr rund 560 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung (F&E). Die Pharmaindustrie in München steuerte dazu insgesamt rund 310 Millionen Euro bei, das sind 29.000 Euro pro Mitarbeiter. 'Diese Summe', so Dörfler, 'ist überraschend hoch, bedenkt man, dass in der Region München vorwiegend Vertriebsniederlassungen internationaler Konzerne ansässig sind'. Die Biotechnologieunternehmen brachten es auf insgesamt 250 Millionen Euro an F&E-Ausgaben. Davon entfielen allein auf die KMU rund 220 Millionen Euro oder 100.000 Euro pro Mitarbeiter, die damit ebenso viel in F&E investieren wie sie Umsätze erzielen. 'Das untermauert die hohe Forschungsintensität der Münchner Biotechnologieunternehmen und macht klar, dass die jungen Firmen in der Gesamtheit noch nicht profitabel sind', sagte Horst Domdey, Vorstand der Bio M AG. Aber nach drei schwierigen Jahren sei die Branche speziell in München wieder im Aufwind 'und ist heute stark wie nie', so Domdey. Vor allem Finanzierungen und große Deals hätten viele der Firmen entscheidend vorangebracht.

Neben den Unternehmen tragen die Forschungseinrichtungen der Region wesentlich zu der führenden Position Münchens im Life Science Bereich bei. Fast 9.000 Mitarbeiter, davon 5.500 Wissenschaftler und 3.400 technische Assistenten, arbeiten im Bereich der Lebenswissenschaften an der TU München, der LMU, den Max-Planck-Instituten für Biochemie, Neurobiologie und Psychiatrie, dem Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) und den Fachhochschulen München und Weihenstephan. Diese Forschungseinrichtungen warben 2005 über 150 Millionen Euro an Drittmitteln ein. Zudem sind aus dem Wissenschaftsbetrieb bislang fast 60 Unternehmen im Life Science Bereich entstanden.

Kostenfaktor Mieten

Entsprechend hoch bewerten die Unternehmen die Qualität des Forschungsstandortes München. So zeigte sich die große Mehrheit der Befragten (73 %) mit dem Kontakt zu den Forschungseinrichtungen 'sehr zufrieden' oder 'zufrieden'. Auch die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern schätzen die Unternehmen als Standortvorteil ein. 'Gerade in der Biotechnologie- und Pharmaindustrie werden die Stärken Münchens als Stadt des Wissens besonders deutlich', sagte Reinhard Wieczorek, Referent für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München. Die höchsten Noten allerdings erteilten die Befragten der hohen Lebensqualität. Kostenrelevante Faktoren wie Mieten, Steuern und Gehaltsniveau sahen sie dagegen kritischer.

Cluster

Erstmals wurde in der Untersuchung auch der Clustereffekt bewertet, also inwieweit die Unternehmen die vorhandenen Netzwerke nutzen und davon profitieren. 'Wie die Studie zeigt, schätzen besonders junge und forschungstreibende Unternehmen die Branchendichte und die Nähe zur Forschung am Standort München hoch ein', betonte Wieczorek.

Die Studie 'Biotechnologie- und Pharmastandort München 2005' der IHK München und der Stadt München ist kostenlos beim Informations- und Servicezentrum der IHK unter Tel. 089 5116-0 oder E-Mail: iszihkmail@muenchen.ihk.de erhältlich.
Weitere Daten zur Biotechnologieindustrie liefert der 3. Industriereport von Bio M, der unter http://www.bio-m.de heruntergeladen werden kann.