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Chancen für mittelständische Unternehmen aus Bayern in Osteuropa

München (20. Oktober 2005)

Chancen für mittelständische Unternehmen aus Bayern in Osteuropa

Der Freistaat Bayern möchte die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit osteuropäischen Ländern weiter ausbauen. Zum Auftakt der heutigen Finanzierungskonferenz der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) in München sagte der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu,  der Informationsaustausch solle auf wirtschaftlicher Ebene mit osteuropäischen Ländern intensiviert werden. Beispielsweise seien kleine und mittelständische Unternehmen aus Bayern immer noch zu wenig oder teilweise gar nicht über die neuen Instrumente der EBRD bezüglich Exportgeschäfte in Osteuropa informiert.

Wichtige Ländergruppe

Die osteuropäischen Länder zählen nach Angaben Wiesheus zu den wichtigsten Ländergruppen für den bayrischen Außenhandel. Das jährliche Handelsvolumen beträgt seinen Angaben zu Folge knapp 33 Milliarden Euro, der Anteil des bayrischen Handels mit Osteuropa mache an der gesamten Ein- und Ausfuhr 15,3 Prozent aus. Die Rolle des Freistaats als Drehscheibe zu den Ländern Osteuropas schlage sich im bundesdeutschen Vergleich in einer überdurchschnittlichen Dynamik wieder: Rund 19 Prozent  des bundesdeutschen Handelsaustauschs mit den Ländern Osteuropas werden mit Bayern abgewickelt. Insgesamt gibt es 13 bilaterale Regierungskommissionen und Gesprächsgruppen wie etwa die Bayerisch-Ukrainische oder Bayerisch-Bulgarischen Regierungskommission, welche die politischen und Wirtschaftlichen Beziehungen Bayerns zu Osteuropa festigen. Die EBRD-Finanzierungskonferenz sei nach Angaben des Ministers ein weiterer Baustein zur Intensivierung der Zusammenarbeit mit dieser Ländergruppe.

Die EBRD

Bei der eintägigen Finanzierungskonferenz mit über 160 Teilnehmern stehen die vier Länder Russland, die Ukraine sowie Rumänien und Bulgarien im Mittelpunkt. Schwerpunkt der Veranstaltung sind Vorträge von Finanzexperten über verschiedenen Förderprogramme und Finanzierungsmöglichkeiten  für Investitionen in den einzelnen Ländern sowie Workshops mit Referaten über Fallbeispiele. Die EBRD wurde 1991 mit dem Ziel gegründet, die Länder Mittel- und Osteuropas sowie der GUS beim Übergang in demokratische Strukturen und zur Marktwirtschaft zu unterstützen. Die heutige EBRD-Konferenz wurde vom Außenwirtschaftszentrum Bayern zusammen mit der IHK für München und Oberbayern organisiert.

Chancen und Risiken

Als eine „Art der Aufbauhilfe“ für die Staaten Mittel- und Osteuropas hat der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Randolf Rodenstock, Investitionen aus dem Westen bezeichnet. In seinem Referat betonte er, für den Westen entstünden durch die Öffnung zum Osten neue und interessante Absatzmärkte. Durch die EU-Osterweiterung sei der Binnenmarkt auf 450 Millionen Verbraucher angewachsen. Prognosen deuteten seinen Worten zu Folge darauf hin, dass die neuen EU-Mitgliedstaaten in diesem Jahr zehn Prozent der deutschen Ausfuhren aufnehmen werden und die USA als Exportmarkt überrunden werden.

Umfragen zu Folge haben bereits über 40 Prozent der bayerischen Metall- und Elektroindustrie Produktionsstätten oder Beteiligungen im Ausland, davon ein Drittel in den neuen EU-Staaten. Rodenstock betonte aber auch die Risiken in diesen Ländern wie etwa eine unzureichende Rechtssicherheit, eine ineffiziente Infrastruktur, bürokratische Hürden, ein schwer durchschaubares Ausschreibungs- und Vergabepraxis, Korruption und ein kaum transparentes Bankenwesen in den osteuropäischen Ländern. Für Auslandsgeschäfte seien umfassende Informationen über das jeweilige Zielland und starke Partner – wie Verbände und Handelskammern - unabdingbar.

Die Vorträge der Referenten für die heutige EBRD-Konferenz finden Sie ebenfalls rechts im Anhang zum Herunterladen.

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Hintergrund:

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat, um verstärkt den Mittelstand zu fördern, neue Instrumente zur Projektfinanzierung in Osteuropa aufgebaut:

  • Beteiligung an Mikrofinanzierungsbanken und lokalen Banken, die Kleinkredite an lokale Unternehmen bzw. Tochterfirmen ausländischer Unternehmen vergeben;
  • Gründung von Länder- und Branchenfonds, die Kredite an lokale Unternehmen und ausländische Töchter vergeben
  • Unterstützung von Exportgeschäften durch das „Trade Facilitation Programme“.

Auch mittelständische Consultingfirmen können bei Beratungsleistungen zur Vorbereitung und Durchführung von EBRD-finanzierten Projekten durch den „Technischen Kooperationsfonds“ unterstützt werden.