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Ruanda als "Anker der Sicherheit" in Ostafrika

Kigali (19.01.2016) Ruanda hat aus seiner Geschichte gelernt und sich zu einem Vorzeige-Staat entwickelt. Es gibt wenig Korruption und Kriminalität, die administrativen Rahmenbedingungen sind geradezu vorbildlich. An seiner Binnenlage und den teuren Handelsrouten durch die wenig effizienten Nachbarländer Uganda, Kenia und Tansania aber kann das Land wenig ändern. Die hohe Bevölkerungsdichte sorgt für erheblichen Druck.

Ruanda ist ein politisch vergleichsweise stabiles Land und in einer unsicheren Region geradezu ein "Anker der Sicherheit", so der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Kigali Ende Februar 2015. Der ruandische Staatspräsident Paul Kagame wird international dafür gelobt, dass unter seiner Ägide die Armut drastisch reduziert, die Korruption spürbar zurückgedrängt und ein hohes Wirtschaftswachstum erreicht werden konnte. Beobachter gehen davon aus, dass Kagame 2017 auch für eine dritte, von der Verfassung allerdings nicht vorgesehenen Amtszeit zur Verfügung stehen wird.

Mit Uganda und Kenia pflegt Ruanda derweil ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis, nicht zuletzt weil Ruanda als kleines Binnenland auf den ungehinderten Zugang zum kenianischen Hafen Mombasa angewiesen ist. Die Lage in Burundi stellt nach Einschätzung der britischen Economist Intelligence Unit (EIU) ein nennenswertes Sicherheitsrisiko für Ruanda dar. In Folge von Unruhen flohen zuletzt mehr als 50.000 Burundier nach Ruanda.

Ambitionierte Investitionspläne der Regierung

Wirtschaftspolitisch verfolgt Ruanda höchst ambitionierte Investitionspläne, bei denen es allerdings fraglich ist, ob sie sich in dem angestrebten Umfang finanzieren lassen. Im Rahmen der 2013 verabschiedeten Second Economic Development and Poverty Reduction Strategy strebt Ruanda für die Jahre 2013 bis 2018 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 11,5% an, realistisch dürften derweil höchsten 7% per annum sein. Der Internationale Währungsfond (IWF) ist dennoch mit Ruanda zufrieden, was als eine wichtige Voraussetzung für die finanzielle Unterstützung durch die internationale Gebergemeinschaft ist.

Die nächsten wichtigen Meilensteine sind für Ruanda eine ausreichende, sichere und bezahlbare Stromversorgung. Bis 2018 soll die Erzeugung von aktuell 161 MW auf 563 MW steigen. Realistischer ist da ein umfangreicher Import von billigem Wasserkraft-Strom aus Äthiopien, der ab 2018 möglich sein soll. Der nächste Meilenstein ist dann eine Eisenbahnanbindung. Gleich zwei Linien sollen gebaut werden, eine vom kenianischen Hafen Mombasa über Nairobi und die ugandische Hauptstadt Kampala nach Ruanda und eine zweite vom tansanischen Hafen Daressalam nach Ruanda. Während der Streckenabschnitt nach Nairobi rasanten Fortschritt macht, ist mit einer schnellen Anbindung von Ruanda vorerst wohl nicht zu rechnen.

Grundlage der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung Ruandas bleibt ansonsten unverändert die Landwirtschaft, die künftig dank künstlicher Bewässerung wetterunabhängiger werden soll. Modernes Saatgut, mehr Düngemittel, bessere Anbaumethoden, eine zeitgemäße Lagerhaltung und eine Mechanisierung sollen das Land von Lebensmittelimporten unabhängiger machen und die Exportchancen für Kaffee und Tee erhöhen. Eine moderne Nahrungsmittelverarbeitung und -verpackung könnte die weiterhin zu hohen Verluste nach der Ernte vermindern.

Deutsches Lieferpotenzial gering

Der ruandische Außenhandel wird sich den nächsten Jahren mehr oder weniger analog zum Wirtschaftswachstum steigen. Für 2016 erwartet die EIU einen Zuwachs bei den Exporten von 7,5% auf 781 Mio. $ und bei den Importen von 5,8% auf 2.025 Mio. $. Das Handelsbilanzdefizit steigt damit um 4,8% auf 1.244 Mio. $. Auf der Importseite hält der steigende Zustrom von Kapital- und Konsumgütern an, der die nationale Volkswirtschaft vorantreibt. Die hohen Zuwächse werden durch die niedrigen internationalen Öl- und Nahrungsmittelpreise zum Teil gemindert. Die Exportzuwächse erklären sich derweil durch steigende Reexporte und steigende (offizielle) Ausfuhren von Bergbauprodukten. Hintergrund sind steigende Investitionen in eine Erschließung der ruandischen Bergbauschätze und das Bemühen der Behörden, eigene Bergbauprodukte zu zertifizieren. Damit soll Kritikern begegnet werden, die vermuten, dass ein Teil der ruandischen Bergbauexporte tatsächlich aus kongolesischen Minen in Konfliktregionen stammen könnte. Die Ausfuhrerlöse werden auch durch steigende Tee- und Arabica-Kaffeepreise sowie eine moderat erhöhte Exportmenge der beiden landwirtschaftlichen Erzeugnisse gestützt.

Bei der Dienstleitungsbilanz sind steigende Kosten für eingekauftes Experten-Know-how zu erwarten, das für die ambitionierten öffentlichen Investitionsprojekte benötigt wird. Hinzu kommen steigende Kosten für Zinszahlungen auf Auslandsschulden und Gewinntransfers ausländischer Investoren. Steigende Tourismuseinnahmen können dies nur zum Teil ausgleichen. Nach Einschätzung der EIU wird der Zufluss von Gebergeldern 2016 spürbar fallen, Beobachter in Kigali erwarten das allerdings nicht. Unter dem Strich könne Ruanda 2016 mit einem auf 12% steigenden Leistungsbilanzdefizit rechnen, sagt die EIU. Das Defizit werde vornehmlich durch Vorzugskredite bilateraler und multilateraler Kreditgeber ausgeglichen und nur zum kleineren Teil durch ausländische Direktinvestitionen.

Deutsches Lieferpotenzial gering

Nach den noch vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2014 für lediglich 29 Mio. Euro Waren nach Ruanda, 11% weniger als im Jahr zuvor. Die deutschen Importe aus Ruanda - nahezu ausschließlich metallurgische Erze (17 Mio. Euro) sowie Kaffee und Tee (5 Mio. Euro) - lagen bei 22 Mio. Euro, 174% mehr als 2013.

Die deutschen Exportzahlen geben die Realität allerdings nur unzureichend wieder. Viele ruandische Händler decken ihren Bedarf im Handelszentrum Dubai, das visatechnisch leicht und flugtechnisch äußerst preiswert zu erreichen ist. Dort kann man dann zum Beispiel einen Sammelcontainer füllen und nach Ruanda verschiffen lassen. Zu den so importierten Waren gehören auch solche Made in Germany. 2014 importierte Ruanda beispielsweise für 32 Mio. $ Maschinen und Fahrzeuge aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, obwohl diese kein nennenswerter Hersteller solcher Güter sind.

(Quelle: gtai)