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Nigeria auf dem Weg zur Demokratie

Abuja (02.11.2015) Nigeria ist mit rund 180 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas und zugleich die größte Volkswirtschaft in Subsahara-Afrika. Nach jahrzehntelangen ethnischen Konflikten und wechselnden Militärregierungen scheint das Land den Übergang zur Demokratie zu bewältigen - mit friedlichen demokratischen Wahlen im Jahr 2015. Dennoch steht der westafrikanische Staat vor großen Herausforderungen, etwa bei der Bekämpfung der Terrororganisation "Boko Haram".

Wie archäologische Funde belegen, beheimatete das Gebiet des heutigen Nigeria die ältesten und am weitesten entwickelten Kulturen Westafrikas, wie beispielsweise die Nok-Kultur. Ende des 15. Jahrhunderts entdeckten die Portugiesen das Land und entwickelten einen regen Handel mit der einheimischen Bevölkerung. Im 17. und 18. Jahrhundert blühte im Nigerdelta unter portugiesischer Herrschaft das Geschäft mit den Sklaven. Ende des 19. Jahrhunderts eroberten schließlich die Briten das Staatsgebiet des heutigen Nigeria und übernahmen die Herrschaft.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Ruf der einheimischen Bevölkerung nach einer Beteiligung an der Verwaltung der Kolonialregierung lauter. Zwischen 1944 und 1951 wurden die ersten politischen Parteien gegründet, die vorwiegend auf ethnisch-regionalen Zugehörigkeiten basierten. Am 1. Oktober 1960 erlangte Nigeria die Unabhängigkeit. Erster Präsident wurde Nnamdi Azikiwe, der weit über Nigeria hinaus als leidenschaftlicher Fürsprecher eines freien Afrikas bekannt wurde.

Die Unabhängigkeit führte jedoch nicht zur inneren Einheit unter den Volksgruppen. Im Gegenteil: Aufgrund regionaler Konflikte, die durch ethnische Differenzen hervorgerufen wurden, übernahm das Militär 1966 die Macht. In den darauffolgenden Jahrzehnten erlebte der junge Staat wechselnde Militärdiktaturen, ethnische Spannungen und Bürgerkriege, die zahlreiche Opfer forderten.

Bei den ersten formal demokratischen Wahlen im Februar 1999 wurde Olusegun Obasanjo zum Präsidenten gewählt. Mit seiner Amtseinführung wurde eine neue Demokratie, die sogenannte Vierte Republik Nigerias, aus der Taufe gehoben. Obasanjos Regierung stieß politische und wirtschaftliche Reformen an, beispielsweise zur Korruptionsbekämpfung, Privatisierung des Energiesektors oder zur Konsolidierung des Bankensektors.

Während die 2007 durchgeführten Präsidentschaftswahlen noch von Betrug und Manipulation gekennzeichnet waren, kam es 2015 zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit Nigerias zu einem demokratischen Machtwechsel nach internationalen Standards. Die Wahlen wurden von der internationalen Öffentlichkeit als transparent, glaubwürdig und friedlich gelobt. Bei diesem Urnengang besiegte der frühere Militärmachthaber und Kandidat der Opposition, Muhammadu Buhari, den bisherigen Amtsinhaber Goodluck Jonathan.

Präsident Buhari hat den Kampf gegen die islamistisch-terroristische Gruppierung "Boko Haram", die noch immer das größte Sicherheitsproblem des Landes darstellt, zur Priorität seiner Regierung erklärt. "Boko Haram" sorgt insbesondere im Norden Nigerias für terroristische Anschläge und Gräueltaten und bekannte sich im März 2015 dazu, formell der Terror-Miliz "Islamischer Staat" anzugehören. Die anhaltende Armut und Perspektivlosigkeit der Bevölkerung im Norden erschwert trotz Anstrengungen seitens der Regierung die Eindämmung des Einflussbereichs der Terrorgruppe.

Bevölkerung

Mit einer Bevölkerung von knapp 180 Mio. Einwohnern und einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 3,2% gilt Nigeria als der bevölkerungsreichste Staat Afrikas und stellt fast die Hälfte der gesamten Einwohner Westafrikas (circa 45%). Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei 51,7 Jahren. Die Stadt Lagos ist mit ihren rund 14 Mio. Einwohnern das wirtschaftliche Zentrum des Landes und die zweitgrößte Stadt des Kontinents. Nigerias Hauptstadt ist Abuja. Etwa 51% der nigerianischen Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten, wo sie mehrheitlich in der Landwirtschaft tätig sind.

In ethnischer Hinsicht ist Nigeria ein Vielvölkerstaat: Mehr als 400 unterschiedliche Sprach- und Volksgruppen verteilen sich auf die verschiedenen Regionen des Landes. Die größten ethnischen Gruppen sind die Hausa-Fulani (33%) im Norden, die Yoruba (21%) im Südwesten und die Igbo (18%) im Südosten. Die ethnische Zugehörigkeit spielt in Nigeria eine große Rolle. Die meisten Nigerianer identifizieren sich eher mit ihrer ethnischen Zugehörigkeit als mit ihrer Nationalität. Die bedeutendsten Religionen sind mit circa 50% der Islam und mit rund 45% das Christentum, Naturreligionen gehören rund 5% der Bevölkerung an.

Geografie und Klima

Nigeria grenzt im Süden an den Atlantischen Ozean, im Westen an Benin, im Norden an Niger, im Nordosten an den Tschad und im Osten an Kamerun. Die Landschaft besteht im Küstengebiet überwiegend aus Mangrovensümpfen, geprägt von Wasserläufen und Lagunen. Landeinwärts wurde der ursprünglich rund 100 km breite Gürtel von tropischem Regenwald vielerorts gerodet.

In der Landesmitte geht die Landschaft in höher gelegene Plateaus und vereinzelte Berge über. Während hier die Feuchtsavannenvegetation vorherrscht, schließen sich im Norden trockene Steppen- und Halbwüstenregionen an. Der Niger, der dem Land seinen Namen gab, durchfließt Nigeria von Nordwesten nach Süden auf einer Länge von 1.170 km und fächert sich mit seiner Mündung in den Atlantik zum Nigerdelta auf.

Das Klima Nigerias wird bestimmt durch den Wechsel von Regen- und Trockenzeit. Während die Regenzeit im Norden nur vier Monate andauert, ist diese an der Küste mit neun Monaten ausgeprägter. Im Küsten- und Regenwaldgebiet herrscht ein feuchtwarmes, im Landesinneren und im Norden ein trockenheißes Klima mit Temperaturen von bis zu 40C.

Die Erdöl- und Gasförderung hat einen erheblichen Einfluss auf die Vegetation Nigerias. Besonders gravierend sind die Zerstörung von Ackerflächen und Mangrovenwäldern im Nigerdelta, die Verseuchung fischreicher Gewässer und die zunehmende Luftverschmutzung.

 

(Quelle: gtai)