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Namibia will Meerwasserentsalzungsanlagen bauen

Windhoek (22.12.2015) Namibia soll zwei neue Entsalzungsanlagen zur Frischwassergewinnung bekommen. Neben einer Großanlage des staatlichen Versorgers Namwater verfolgen auch die Betreiber der Rössing-Uranmine entsprechende Pläne. In der Bergbauregion Erongo wird Wasser zunehmend knapp. Auch die Hauptstadt Windhuk investiert in die Wasserinfrastruktur und hat dabei die kommunalen Kläranlagen im Blick. Die Finanzierung soll über eine Teilprivatisierung erfolgen.

Das namibische Wasserunternehmen Namwater plant den Bau einer neuen Entsalzungsanlage. Es gehe um ein Projekt von nationaler Bedeutung, erklärte Firmensprecher Johannes Shigwedha in der namibischen Presse. Als staatlicher Großversorger stellt Namwater das Trink- und Nutzwasser für das gesamte Land bereit. Abnehmer sind neben den Kommunen insbesondere die in der wasserarmen Region Erongo ansässigen Uranminen, wie Langer Heinrich (Paladin Energy), Rössing (Rio Tinto) sowie Husab (Swakop Uranium).

Eine Entsalzungsanlage für Namwater ist schon seit 1996 in Planung. Ein 2012 abgehaltenes Ausschreibungsverfahren für eine Anlage etwas nördlich von Swakopmund für 20 Mio. cbm pro Jahr wurde jedoch ohne Auftragsvergabe eingestellt. Nun eröffnen sich neue Perspektiven. Die französische Nuklear-Gruppe Areva, Betreiber der derzeit eingemotteten Trekkopje-Uranmine, will die bislang einzige Entsalzungsanlage des Landes in der Nähe von Swakopmund an Namwater verkaufen. Dem Vernehmen nach soll der Kaufpreis bei 3,5 Mrd. Namibia-Dollar (N$; rund 0,2 Mrd. Euro; 1 N$ = 0,06 Euro) liegen.

Die Anlage produziert 20 Mio. cbm Wasser pro Jahr und kann um weitere 5 Mio. cbm erweitert werden. Firmenvertretern der Areva zufolge ist die Salzwasserzuführung so ausgelegt, dass der Bau einer zusätzlichen Schwesteranlage für weitere 20 Mio. cbm möglich ist. Sollte der Deal erfolgreich vonstatten gehen, dürfte sich Namwater künftig auf den Ausbau der aufgekauften Anlage konzentrieren.

Trotz des Vorhabens von Namwater möchte Rössing jedoch das Heft in die eigene Hand nehmen und forciert den Bau einer weiteren Anlage. Die Betreiber der Mine erhoffen sich hiervon Kosteneinsparungen, insbesondere bei den derzeit niedrigen Weltmarktpreisen für Uran. Argumentiert wird darüber hinaus auch mit den jahrelangen Verzögerungen der Pläne von Namwater. Für die Anlage mit einer Kapazität von 3 Mio. cbm sind noch einige Hürden in Form von "Social und Environmental Impact Assessments" zu bewältigen. Die Kosten könnten sich auf rund 22 Mio. US$ belaufen.

Der Erongo-Küstenregion mit den stark wachsenden Zentren Walvis Bay und Swakopmund sowie den großen Uranminen droht ein akuter Wassermangel. Die lokalen Grundwasservorkommen sind bereits überlastet, sodass zusätzliche Meerwasserentsalzung dringend gebraucht wird.

Wasserverschwendung wird bestraft

Generell wird Wasser in Namibia - wie im gesamten südlichen Afrika - eine knappe Ressource. In der derzeit vorherrschenden Dürreperiode gibt es selbst in Städten wie Windhuk Versorgungsengpässe. Die Stadt musste den Einwohnern Beschränkungen auferlegen und Wasserverschwendung mit empfindlichen Strafen belegen. Der Wasserkonsum allein in Windhuk muss um rund 25% gesenkt werden. Nach Aussagen der örtlichen Behörden ist die Einsparungsanweisung aber nicht in den Köpfen der Bevölkerung angekommen. Windhuk benötigt rund 24 Mio. cbm Wasser pro Jahr.

Zur Bekämpfung der Wasserknappheit plant die Stadt eine teilweise Privatisierung der Abwasseraufbereitung. Hierüber sollen Investitionen von 1,2 Mrd. N$ gestemmt werden. Vorgesehen ist die Gründung eines Special Purpose Vehicle (SPV), an dem sich Privatinvestoren beteiligen können. Die drei städtischen Kläranlagen in Windhuk befinden sich in schlechtem Zustand und benötigen dringende Instandsetzungen.

Bei den Ausbau- und Rehabilitierungsvorhaben handelt es sich um die Gammans Waste Water Treatment Plant (560 Mio. N$), die Otjomuise Waste Water Treatment Plant für Haushaltsabwasser (125 Mio. N$) sowie die Goreangab Reclamation Works (25 Mio. N$). Die New Goreangab Reclamation Plant, welche vorbehandeltes Abwasser zur direkten Wiederverwendung aufbereitet, soll für 450 Mio. N$ ausgebaut werden. Die Anlage wird im Auftrag der Stadt von der Gesellschaft Wingoc betrieben. Mit Ujams und Elisenheim werden bereits zwei weitere Kläranlagen in Windhuk von privaten Betreibern geführt.

 

(Quelle: GTAI)