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Kenia verlängert Eisenbahn nach Naivasha

Mombasa (15.02.2016) Kenia will die im Bau befindliche Normalspureisenbahn von Mombasa nach Nairobi so schnell wie möglich bis nach Naivasha verlängern. Der Auftrag wird wie schon zuvor ohne eine ordentliche Ausschreibung an die China Roads and Bridge Corp. vergeben. Die Trassenverlängerung kostet umgerechnet etwa 1,5 Milliarden US-Dollar und ist für afrikanische Verhältnisse sehr aufwendig und schwierig. So müssen der zweitlängste Tunnel Afrikas gegraben und insgesamt 28 Kilometer lange Brücken gebaut werden.

Jeder Kilometer der weiterführenden Trasse von insgesamt 120 km kostet damit im Schnitt etwa 12,5 Mio. $. Für die 472 km lange Strecke von Mombasa nach Nairobi sind es 8,1 Mio. $. Nach Auskunft von Atenus Maina, geschäftsführendem Direktor der Kenya Railways Corp. (KRC), ist die Preissteigerung der Streckenführung geschuldet, bei der große Höhenunterschiede zu bewältigen und Brücken von insgesamt 28,2 km Länge zu bauen sind. Darüber hinaus gibt es einen 5,3 km langen Tunnel - dies wäre der zweitlängste in Afrika. Insgesamt verlaufen 8,5 km der Strecke unterirdisch.

Mit 40 km/h im Tunnel

Die neue Bahn soll bis auf Steigungs- und Gefällstrecken 80 km/h schnelle Fracht- und 120 km/h schnelle Passagierzüge erlauben. Im geplanten Tunnel dürfte die Spitzengeschwindigkeit nur bei 40 km/h liegen, sagte ein von der Wochenzeitschrift "The EastAfrican" befragter Spezialist. Mit dem Bau der Naivasha-Strecke soll 2017 begonnen werden. Nach Angaben der kenianischen Regierung war der Verzicht auf eine Ausschreibung eine Bedingung der VR China, die 85% der Kosten finanziert.

Nach Ansicht von Beobachtern ist die Streckenführung eine technische und sicherheitspolitische Herausforderung. So muss der lange Tunnelabschnitt beleuchtet, belüftet und wegen der Gefahr von Überfällen bewacht werden. Nach Ansicht von Experten sind mehrere separate Fluchttunnel nötig, da es auf der einspurigen Strecke keine Fluchtmöglichkeiten in einen Paralleltunnel gibt. Angesichts der unsicheren kenianischen Stromversorgung sind leistungsfähige Notstromaggregate notwendig. Kenia hat bislang nur einen etwa 1 km langen unbeleuchteten Eisenbahntunnel bei Limuru, in dem Züge ebenfalls ihre Geschwindigkeit stark reduzieren müssen. In der Folge gibt es dort häufige Überfälle, berichtet die kenianische Presse.

Anschluss an neue Sonderindustriezone

Ursprünglich war geplant, die Eisenbahn in einem Schritt von Nairobi über Naivasha und Kisumu bis nach Malaba an die Grenze mit Uganda weiterzuführen. Mit der Aufteilung in drei Baufortschritte will Kenia aber nun vor allem den Anschluss an eine geplante Sonderindustriezone am Naivasha-See beschleunigen. Den ersten Überlegungen zufolge können in unmittelbarer Nähe der Olkaria-Geothermie-Kraftwerke Industrien angesiedelt werden. Investoren sollen mit einer "garantiert unterbrechungsfreien und ausreichenden Stromversorgung zu subventionierten Tarifen" angelockt werden. Der amtierende Staatspräsident der VR China, Xi Jimping, hat nach Angaben aus dem kenianischen Statehouse bereits Interesse bekundet und Investitionen in Höhe von 1,5 Mrd. $ in Aussicht gestellt.

Sobald die Planung dieses Streckenabschnitts unter Dach und Fach ist, wird mit der Planung nach Kisumo begonnen. Dort ist ein Binnenhafen am Viktoriasee mit einer Kapazität von 3 Mio. jato geplant - antizipierte Kosten: 230 Mio. $. Die mit der Eisenbahn gebrachten Güter sollen umgeladen und nach Tansania und Uganda verschifft werden. Nutznießer wären auch Ruanda und Burundi. Für die beiden weiteren Streckenabschnitte ab Naivasha gibt es bereits eine Rahmenvereinbarung mit der China Communications Construction Co., der Muttergesellschaft der China Road and Bridge Corporation. Wenn die Eisenbahn bis Malaba fertig sei, werde sie auch mit Eisenbahnstrecken in Uganda, Tansania, Ruanda, Burundi und Südsudan verknüpft, sagte eine Sprecher der China Communications Construction Co. Dass die Chinesen auch die Eisenbahnen in diesen Ländern bauen werden, gilt als gesetzt.

Mombasa-Nairobi-Strecke gut im Zeitplan

Die neue Strecke von Mombasa nach Nairobi ist aktuell zu 60% fertig. Mitte 2017 dürfte die Schienenlegung abgeschlossen sein. Die ersten kommerziellen Züge könnten Ende 2017 fahren, vielleicht sogar früher. Mit dieser neuen Eisenbahn sollen die Frachtkosten von derzeit 20 US-Cents pro Tonne und Kilometer auf 8 Cents gedrückt werden, sagt die Regierung. Kritiker sprechen von Wunschdenken und sehen angesichts der Bau- und Finanzierungskosten kein Einsparpotenzial. Die neue LAPSSET-Eisenbahn, die Lamu mit Südsudan und auf einer anderen Achse Nairobi mit Äthiopien verbinden soll, liegt derweil noch in weiter Ferne. Südsudan ist wegen des Bürgerkriegs kein verlässlicher Partner, während Äthiopien nicht länger auf Kenia warten will und deshalb alternative Verkehrsprojekte forciert.

Hoffnungen der kenianischen Wirtschaft, von den Eisenbahnprojekten profitieren zu können, haben sich derweil nicht erfüllt. Die Chinesen berufen sich auf Qualitätsmängel und importieren lieber aus der Heimat, trotz anders lautender Zusagen. Lokalen Presseberichten zufolge gehen der kenianischen Wirtschaft Aufträge von gut 913 Mio. $ durch die Lappen. Der kenianische Staatspräsident Uhuru Kenyatta sah sich Anfang Dezember 2015 genötigt, die Chinesen öffentlich an ihr Versprechen zu erinnern, 40% der Einsatzmittel, Arbeiter und andere Dienstleistungen in Kenia einzukaufen. Allerdings ist im EPC-Vertrag zwischen der kenianischen Regierung und der chinesischen Baufirma von einer solchen Bedingung keine Rede. Mehr als eine informelle Abrede gab es offenbar nicht, schreibt die kenianische Presse.

(Quelle: gtai)