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Subsahara-Afrika - Standort mit Zukunft

Bonn (14.7.2015) - Wandel, Wachstum, Chancen - das hört man oft, wenn von Afrika südlich der Sahara die Rede ist. Die Zuwachsraten und Prognosen sind vielversprechend, gerade im Vergleich zu vielen Industrieländern. Elf der zwanzig am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt waren in den vergangenen drei Jahren afrikanische.

Eine Säule des Wachstums ist die steigende Nachfrage: Die Einwohnerzahl Afrikas wird sich bis 2050 etwa verdoppeln, auf knapp zwei Milliarden Menschen. Es entstehen immer größere Märkte für den lokalen Verbrauch von Waren. Vieles wird fertig importiert, lokale Industrien haben sich in der Vergangenheit kaum entwickelt.

Das ändert sich. Nigeria beispielsweise fördert den Aufbau einer lokalen Nahrungsmittelproduktion. Einfuhrzölle auf fertige Lebensmittel wurden erhöht, solche für Nahrungsmittel- und Landmaschinen gesenkt. Diese Strategie scheint erfolgreich zu sein. Die Maschinenimporte verdreifachten sich zwischen 2003 und 2013 und legten damit stärker zu als die Einfuhr fertiger Lebensmittel. Das gelingt trotz ähnlicher Nachfrage aber nicht überall. In Ghana vervierfachten sich etwa die Nahrungsmittelimporte im selben Zeitraum, die der Nahrungsmittelmaschinen stiegen nur um die Hälfte an.

Äthiopien: Export für den eigenen Wohlstand

Anderswo setzt man auf den Export. Wo es Rohstoffe und qualifizierte Arbeiter gibt, kann dies gelingen. Der Aufbau einer Textil- und Lederindustrie in Äthiopien ist nicht für den lokalen Verbrauch gedacht. Man hofft hier, den Weg einiger asiatischer Länder gehen zu können und durch den Export den Wohlstand zu erhöhen. Der Zugang zum Weltmarkt spielt dabei eine entscheidende Rolle. So werden Investoren den Ausgang der Verhandlungen zum African Growth and Opportunity Act genau beobachten.

Das Abkommen sichert ausgewählten Produkten der beteiligten afrikanischen Staaten günstigen Marktzugang in den USA. Für die Textilindustrie in Äthiopien war dies ebenso ein Katalysator wie für die Automobilindustrie in Südafrika. Die afrikanischen Partner drängen vor allem auf eine längere Laufzeit des Abkommens, um Investoren Sicherheiten bieten zu können.

Planungssicherheit, Stabilität und Infrastruktur sind Themen, die in Afrika nach wie vor Fragen aufwerfen und einer Beschleunigung der Entwicklung noch im Wege stehen. Investoren verlassen sich deshalb nicht nur auf staatliche Programme - die mitunter bereits eindrucksvoll sind -, sondern sorgen selbst für eine zuverlässige Energieversorgung und Transportwege.

Ein Kontinent im Wandel

Diese Entwicklungen zeigen, dass Afrika vielfältig ist. Risiken, aber auch Chancen müssen in jedem der 49 Länder südlich der Sahara betrachtet werden. Die deutsche Außenwirtschaft profitiert nicht in dem Maße, wie sie es mit ihrer breiten Palette könnte. Andere Länder steigern ihre Marktanteile. Ob Textilien für den Weltmarkt, Automobile für die neue Mittelschicht oder Nahrungsmittel für den Massenmarkt: Moderne Maschinen, verlässliche Energielösungen und effiziente Logistikdienstleistungen werden in Afrika nachgefragt - mit steigender Tendenz.

Der Kontinent befindet sich in einem stetigen Wandel. Deutsche Lieferanten können am Wachstum teilhaben und mit ihrer Technologie noch dazu beitragen. Das ist eine Chance für beide Seiten, die Perspektiven in Afrika zu verbessern.

Veranstaltungshinweis: Afrika ist das neue Asien. Am 21. Juli in der IHK Nürnberg für Mittelfranken.

(Quelle: GTAI)