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Geschäfte in Afrika: Einschätzung von Coface

Nussloch (06.10.2014) - Afrika: Umfeld macht Geschäfte riskant: Der afrikanische Kontinent gilt für viele als Markt der Zukunft. Beileibe kein einheitlicher Markt: riesig, viele Länder, verschiedene Kulturen, unterschiedliche Entwicklungsstände und Rechtssysteme.

 

Wer Geschäfte nach oder in Afrika machen will, muss sich auskennen oder schlau machen. Wer deutsche oder europäische Gepflogenheiten voraussetzt, macht den ersten grundlegenden Fehler. Das Geschäft beginnt, gerade in Afrika, weit vor dem Geschäft. Information ist oberste Pflicht: über die potenziellen Geschäftspartner, über das Land, sein Rechtssystem, über vertragliche Grundlagen. In jeder Phase können Versäumnisse zu später nur schwer oder gar nicht mehr zu reparierenden Folgen führen.
 
Knackpunkt Verträge
 
Bezüglich Verträgen kann die dringende Empfehlung nur lauten, unbedingt Expertenrat einzuholen. Die IHK oder Fachanwälte helfen konkret für die einzelnen Länder weiter. Der zeitliche und finanzielle Aufwand rechnet sich. Das wird spätestens deutlich, wenn es zu Problemen kommt und es Streit um vertragliche Regelungen gibt. Die eigenen AGB und der Eigentumsvorbehalt werden vor einem Gericht in einem afrikanischen Land in der Regel wenig ausrichten. Daher gilt: Nicht wegen des schnellen Abschlusses eigene Regeln kopieren und darauf hoffen, dass diese später auch im Streitfall Bestand haben. Und: Nicht auf alles eingehen, was der Geschäftspartner verlangt. Mit „Bordmitteln“ ist die Vertragsgestaltung in der Regel nicht zu leisten.
 
Geschäfte absichern
 
Neben Kammern und Kanzleien sind auch die Kreditversicherer ein Ansprechpartner, wenn es um internationale Geschäfte geht. Für Afrika kommt dabei keineswegs nur mehr die staatliche Deckung infrage. Auch die privaten Kreditversicherer übernehmen das Forderungsausfallrisiko bei Lieferungen nach Afrika. Coface etwa deckt neben dem wirtschaftlichen Risiko – der Abnehmer zahlt nicht - auch das politische Risiko, wenn zum Beispiel der Staat Geldtransfers ins Ausland blockiert. Die Übernahme des politischen Risikos ist, entgegen immer wieder publizierter Annahmen, keine Domäne der staatlichen Kreditversicherung.
 
Geschäftsumfeld in Afrika kritisch
 
Eine Orientierungshilfe bietet Coface mit Länderbewertungen. Dabei wird nicht die Sicherheit von Staatsanleihen betrachtet, sondern neben vielen makroökonomischen Faktoren vor allem das Zahlungsverhalten der Unternehmen im jeweiligen Land. Die Länderbewertung dokumentiert dabei die Höhe des durchschnittlichen Risikos, das bei den Unternehmen des jeweiligen Landes im Rahmen von Geschäften mit kurzfristigen Zahlungszielen besteht.
 
Teil der Länderbewertung ist das Geschäftsumfeld. Gerade in Afrika ist dieser Aspekt relevant. Denn die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen weichen von der wirtschaftlichen Verfassung vieler Staaten noch deutlich ab. Das hat Auswirkungen zum Beispiel auf die Rechtssicherheit von vertraglichen Regelungen oder für die Durchsetzbarkeit von Ansprüchen, Forderungen oder Sicherheiten. Auch die Transparenz von Unternehmensdaten und Bilanzen spielt eine wichtige Rolle.
 
Bei gut der Hälfte der 160 von Coface weltweit betrachteten Länder (87 Länder bzw. 54 Prozent) stimmt die Bewertung des Geschäftsumfeldes mit der Länderbewertung überein. Bei 32 Ländern (20 Prozent) fällt die Bewertung für das Geschäftsumfeld schlechter als die Länderbewertung aus. Es handelt sich oft um Länder Afrikas, des Nahen oder des Mittleren Ostens, die aufgrund ihres Rohstoffreichtums und hoher Rohstoffpreise eine solide Finanzlage und eine starke wirtschaftliche Dynamik vorweisen können. Dennoch lässt das Geschäftsumfeld vielfach zu wünschen übrig. Gesetze werden nicht umgesetzt, was die Beitreibung von Forderungen erschwert. Es fehlt an Transparenz bei Unternehmensbilanzen. Korruption ist weit verbreitet. Mitunter kommt es auch vor, dass eine gute Wirtschaftslage, die auf dem Export natürlicher Ressourcen beruht, gerade wichtige Reformen zur Stärkung der Institutionen lähmt. Eine positive wirtschaftliche Entwicklung trägt somit nicht immer zu einer Verbesserung des Geschäftsumfeldes bei.
 
Fazit: Geschäfte in Afrika sind möglich
Sie bedürfen aber einer akribischen Vorbereitung und kritischen Reflexion aller Phasen des Geschäftsprozesses. Besonders hinsichtlich der Auswahl und Überwachung der Geschäftspartner und bei der Vertragsgestaltung ist professionelle Expertenhilfe anzuraten. 

Die Bewertungen der Länder und ihres Geschäftsumfeldes stehen im Internet auf www.coface.de unter der Rubrik „Economic Studies“ kostenlos zur Verfügung.

(Quelle: Coface)