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Afrika: Kontinent der unerkannten Chancen

Nürnberg/Würzburg (29.1.2015) - Entwicklungszusammenarbeit und Außenwirtschaft sollen künftig noch stärker ineinandergreifen. Dies betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), Hans-Joachim Fuchtel, bei einem Besuch des Nürnberger Unternehmens Gauff GmbH & Co. Engineering KG.

„Gauff ist ein Pionier auf diesem Gebiet“ erklärte Fuchtel. Weshalb man letztes Jahr bei einem Termin im Auswärtigen Amt diesen Besuch vereinbart habe. Unternehmen wie Gauff sollen stärker in den Fokus gerückt werden, auch um anderen Mittelständlern Mut zu einem Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern zu machen.

Ein Schwerpunkt für die Arbeit des Ministeriums bildet Afrika, ein Kontinent mit 54 Staaten, der hierzulande weitgehend unentdeckt ist, vor allem auch in seinen wirtschaftlichen Potentialen und Chancen. Seit Jahren verzeichnen die afrikanischen Länder ein durchschnittliches Wachstum von über sechs Prozent. Margen, von denen man in Deutschland nur träumen kann. China hat die Zukunftsperspektiven Afrikas schon lange erkannt und engagiert sich dort. Deutsche Unternehmen hingegen sind eher zögerlich. 

Perspektiven in der Heimat
Anders die Gauff Gruppe: Der Nürnberger Spezialist für Ingenieurdienstleistungen, Beratung, Materialbeschaffung, Vertragsabwicklung und Projekt Management ist nicht nur in Deutschland, sondern seit Jahrzehnten auch in Entwicklungsländern aktiv. Der jährliche Umsatz des Familienunternehmens liegt bei rund 50 Millionen Euro, in den letzten zehn Jahren entstanden allein am Hauptsitz Nürnberg 50 neue Arbeitsplätze. Vor allem aber bietet die Tätigkeit Gauffs auch in den Entwicklungsländern langfristige Perspektiven und sichere Arbeitsplätze. Für Staatssekretär Fuchtel ein wichtiger Aspekt, auch um Flüchtlingsbewegungen einzudämmen. Die Menschen bräuchten Chancen in ihrer Heimat.

Allerdings benötigt die Wirtschaft mehr Möglichkeiten zur Absicherung ihrer Geschäftstätigkeiten in diesen Ländern. Seit kurzem gibt es nun auch Hermesdeckungen für fünf weitere Länder in Afrika, nämlich Ghana, Äthiopien, Mosambik, Tansania und mit Nigeria auch für das größte afrikanische Land. Eine positive Entwicklung, so der Geschäftsführende Gesellschafter, Uwe Gauff. Doch dabei dürfe es nicht bleiben. Auch für andere Staaten, inbesondere die französisch-sprachigen müsste es solche Bürgschaften als Versicherung gegen politische Risiken geben, vor allem die Elfenbeinküste oder den Kongo hat er hierbei besonders im Blick. Diese Wünsche brachte Gauff auch im Gespräch mit Fuchtel vor: "Die Diskussion mit dem Staatssekretär war sehr bereichernd." Auch sei das Ministerium wesentlich wirtschaftsorientierter als oft angenommen.
 
EZ-Scouts beraten Unternehmen
Fuchtel bedankte sich bei Gauff für das jahrzehntelange Engagement und verwies auf die hohen Risiken, die das Unternehmen oft auf sich nehme. "Gauff hat weltweit viel bewegt", so Fuchtel. Die Notwendigkeit, eine weitere Verbesserung der Deckungspolitik bei den Exportkreditgarantien für das Gebiet Subsahara zu schaffen, sei dem Ministerium bewusst. Durch das Umschuldungsprogramm der 90er Jahre seien zwar viele Staaten von der hohen Verschuldung heruntergekommen. 80 Prozent der betroffenen Länder hätten aber den HIPC-Status und dürften so kaum neue Schulden aufnehmen. Auch dies bremse die Investitionen. Im Gespräch mit dem Staatssekretär hat Gauff hier weitere Ideen vorgeschlagen, um diesem Problem zu begegnen.
 
Eine sinnvolle Einrichtung, die noch von der Vorgängerregierung ins Leben gerufen wurde, seien die EZ-Scouts, so Fuchtel. Diese haben die Aufgabe, die Entwicklungszusammenarbeit und die Außenwirtschaft enger zu verknüpfen. Almuth Dörre, bayerischer EZ-Scout am Außenwirtschaftszentrum Bayern nahm daher ebenfalls an dem Gespräch bei der Gauff Engineering teil. Die EZ-Scouts sind seit 2012 vom BMZ an Verbände, Regionalvereine sowie IHKs entsandt. "Wir stellen unsere Expertise den interessierten Unternehmen zur Verfügung", erklärt Dörre ihre Aufgabe. So habe sie seit 2012 rund 160 bayerische Unternehmen zum Thema Entwicklungszusammenarbeit und Außenwirtschaft beraten. Auch sie hat dabei die Erfahrung gemacht, dass Afrika kaum oder falsch wahrgenommen wird.
Dem kann Senior-Chef Helmut P. Gauff nur zustimmen. Afrika müsse vielmehr in den Blick genommen werden, forderte er. Sein nächster Aufenthalt führe ihn nach Uganda, weil das Unternehmen dort ein weiteres Projekt plane. Helmut Gauff schwärmt regelrecht, wenn er von Afrika, seinen Landschaften und den Menschen dort berichtet. Wer einmal dort war, wolle immer wieder kommen. Er selbst habe drei- bis fünftausend Kinder in Afrika, berichtet er schmunzelnd. Denn immer wenn er zu Besuch sei, begrüßen ihn alle nur als "Papa". Afrika bietet nicht nur wirtschaftlich Chancen, sondern ist auch menschlich eine Bereicherung.