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Afrika: Handel statt Exporthilfe


Nürnberg (22.07.2015) Im Rahmen der 7. Afrika-Tage Nürnberg sprach FAZ-Redakteur Christian Hiller von Gaertringen über sein Buch "Afrika ist das neue Asien". Er kritisierte das Image von Afrika und zeigte ein Afrika mit beeindruckendem Wirtschaftswachstum .

" Nürnberger Initiative für Afrika" (NIfA) ist ein Netzwerk von Vereinen mit dem Ziel das Bild Afrikas differenzierter darzustellen. Die Initiative will die Vielfalt Afrikas präsentieren; zeigen, dass Afrika mehr ist als Bürgerkrieg, Hungernot und Leid. Im Rahmen der 7. Afrika-Tage hat NifA daher in Kooperation mit der IHK Nürnberg den Buchautor Christian Hiller von Gaertringen eingeladen, der mit seinem Buch "Afrika ist das neue Asien" ein Plädoyer für echte wirtschaftliche Zusammenarbeit statt Entwicklungshilfe verfasste.

Afrika: Land der Vorurteile

"Die letzten 12 Monate haben scheinbar wieder alle Vorturteile Afrikas bestätigt: Ebola, Flüchtlingswellen, Boko Haram", so Hiller von Gaertringen. Doch wenn von Afrika gesprochen wird, wird eins gerne vergessen: "Wir reden über einen Kontinent - kein Land." Afrika als wirtschaftliche Einheit zu betrachten, wäre seiner Ansicht nach mehr als fatal. "Flächenmäßig wäre das ungefähr so sinnvoll, wenn man sagt, ich investiere nicht mehr in München, da Athen pleite ist."

Das einzige Land, das noch wächst

Tatsächlich sprechen die Zahlen eine klare Sprache: Während Südafrika immerhin zwei Prozent Wachstum im Jahr verzeichnet, sind es im restlichen Subsahara-Afrika ganze sechs Prozent Wachstum und in Äthiopien sogar zehn Prozent. Im Jahr 2016 wird in ganz Subsahara-Afrika ein wirtschaftliches Wachstum von 6,2 Prozent erwartet. Zusätzlich ist Afrika der einzige Kontinent, der noch wächst. 2050 wird Afrika schätzungsweise 25 Prozent der Weltbevölkerung stellen. 50 Prozent der Einwohner sind davon heute noch nicht einmal geboren. Was das heißt? Die Notwendigkeit von Bildung, Urbanisierung und Infrastruktur. Das bedeute im Umkehrschluss auch neue Absatzmärkte für Unternehmen aus ganzer Welt, so Hiller.

Veränderungen von unten

Auch die Behauptung ohne Entwicklungshilfe würde Afrika untergehen, widerlegt Hiller. In Afrika selbst gäbe es zahlreiche Unternehmer, die sich karitativ engagieren. Peter Munga zum Beispiel, der 1984 die erste kenianische Volksbank "Equity Building Society" eröffnete und Mikofinanzierung für die durchschnittliche Bevölkerung schon ermöglichte, als der Begriff noch nicht einmal existierte. Oder Mo Ibrahim, ein Mobilfunkunternehmer aus dem Sudan, der sich intensiv für Good Governance einsetzt. Seine Stiftung vergibt einen Preis für vorbildliche ehemalige Staatschefs in Afrika, den Mo Ibrahim Prize for Archievement in African Leadership. Das Preisgeld: Eine Zahlung von fünf Millionen US-Dollar für die ersten zehn Jahre, danach eine lebenslange jährliche Rente von 200.000 US-Dollar. Seit 2007 nahmen ihn erst drei Staatschefs entgegen. Ein Kriterium: Die Person muss demokratisch gewählt worden sein. "Es gibt also auch Veränderungen von unten", betont Hiller.

Änderung in Visapolitik

Laut dem FAZ-Redakteur würden deutsche Unternehmer Chancen vertun, wenn sie nicht in Afrika investieren würden. Wer in Afrika investiere, investiere in die einzige Region, in der die Märkte noch wachsen. Wichtig sei zunächst einmal, afrikanische Abschlüsse leichter anzuerkennen. "Ich kenne viele Afrikaner, die in ihrer Heimat Professoren, Ärzte oder Lehrer sind und in Frankfurt dann Taxifahrer". Auch die deutsche Visapolitik müsse sich ändern, um die Kooperation deutsch-afrikanischer Kooperation zu stärken. Für afrikanische Geschäftsleute sei es schwierig, ein deutsches Visum zu erhalten. Sogar Aliko Dangote, der reichste Mann Afrikas mit einem Vermögen von 14,7 Milliarden US-Dollar, erhalte kein Visum für Deutschland. "Er könnte sich ja in Deutschland absetzen und Hartz IV beantragen", scherzt Hiller.

Handel statt Exporthilfe

Rund 60 interessierten Zuhörer nahmen die Möglichkeit wahr mit Christian Hiller von Gaertringen und zahlreichen Afrikanern in den Räumen der IHK Nürnberg zu diskutieren. Das allgemeine Fazit: Statt Entwicklungshilfe bedarf es zur Entwicklung Handel und Investitionen in Afrika. Lesen Sie hierzu auch das Interview des Außenwirtschaftszentrum Bayern zum Thema. (Cornelia Schmidmeier)