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Äthiopien plant neuen Mega-Flughafen

Addis Abeba (11.12.2015) Äthiopien hat ein neues Prestigeprojekt beschlossen: ein neuer, mindestens vier Milliarden US-Dollar teurer Flughafen für jährlich 120 Millionen Passagiere. Das Vorhaben dürfte in seiner Komplexität Äthiopiens aktuellem Vorzeige-Infrastrukturprojekt, dem im Bau befindlichen und bislang 4,8 Milliarden US-Dollar teuren Grand Ethiopian Renaissance Dam, in nichts nachstehen, sagen Beobachter.

Obwohl der internationale Flughafen der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gerade für 350 Mio. US$ ausgebaut wird, soll ein neuer Mega-Flughafen schon mal geplant und begonnen werden. Irgendwo am Standrand wird der neue Flughafen mit vielen Terminals, vier Start- und Landebahnen sowie einer eigenen Airport City gebaut und schon in zehn Jahren eröffnet, heißt es.

Wenn einmal alle Bauphasen abgeschlossen sind, sollen kaum vorstellbare 120 Mio. Passagiere im Jahr abgefertigt werden. Zum Vergleich: Frankfurt am Main zählte 2014 "nur" 60 Mio. Passagiere. Im alten Flughafen sind es derzeit etwa 6 Mio. - eine Zahl, die bis 2018 auf 22 Mio. steigen soll. Äthiopiens Machthaber haben sich, so scheint es, vom Optimismus und den Visionen eines Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum anstecken lassen, der ohne viel eigenes Geld und ohne eine konkrete Nachfrage das Emirat Dubai auf die Weltkarten gepuscht und zu einem einzigartigen internationalen Handelsdrehkreuz gemacht hat. Die einfache Devise des Dubai-Herrschers: Wir bauen und offerieren eine vorbildliche Infrastruktur, dann kommen die Nutzer von alleine.

Bauboom bei Hotels und Infrastrukturmaßnahmen

Der aktuelle Bauboom in Äthiopien scheint die Planungen zu beflügeln. Überall wird gebaut: Eine moderne Stadtbahn in Addis Abeba ist bereits in Betrieb, neue internationale Hotelketten strömen in die Stadt und eröffnen ein neues teures Hotel nach dem anderen, neue autobahnähnliche Straßen führen aufs Land und verbinden zukünftig die Wirtschaftszentren des Landes, tausende Kilometer neuer Normalspureisenbahnen haben das gleiche Ziel. Die Stromerzeugungskapazitäten des Landes werden massiv ausgebaut und sollen einmal Strom in die Nachbarländer liefern - dank billiger äthiopischer Wasserkraft unschlagbar günstig, trotz satter Profitmargen.

Bei internationalen Konsumgüterherstellern gilt Äthiopien mit seinen 100 Mio. Einwohnern unterdessen als ein attraktiver Produktionsstandort. Unilever, General Electric und GlaxoSmithKline stehen dem Vernehmen nach bereits in der ersten Reihe, Heineken ist schon etabliert. Der Tourismus boomt. Die Einnahmen lägen aktuell bei 2,9 Mrd. US$ im Jahr, sagt die Regierung, bis 2020 sollen es 6 Mrd. US$ werden.

Der neue Flughafen soll zudem die staatliche Ethiopian Airlines zu neuen Erfolgen führen. Die Gesellschaft sieht sich als die führende Fluggesellschaft Afrikas. Als einzige größere afrikanische Gesellschaft konnte Ethiopien Airlines 2014/15 einen Gewinn von 175 Mio. US$ erwirtschaften. Andere afrikanische Gesellschaften mit mehr als 5 Mio. Passagieren im Jahr, wie South African Airways, Kenya Airways und Royal Air Maroc stehen finanziell weniger gut da, verzeichnen seit Jahren keine Zuwächse mehr und streichen zum Teil Flugrouten, während Ethiopian Airlines seit 2009 seine Passagierzahlen verdoppeln und seine Flotte nachhaltig ausbauen konnte.

Hinweis: Der Artikel wurde gekürzt. In der Vollversion finden Sie Informationen zur Machbarkeitsstudie und zum Masterplan des Projekts.

(Quelle: GTAI)